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Es gibt Menschen welche oft eine vorerst unerklärliche Begeisterung auslösen,  weil sie uns immer wieder durch ihre außergewöhnlichen Leistungen oder Lebenswerke beeindrucken. Oft sehen wir in solchen Personen aber nicht nur die Repräsentanten unserer eigenen Idealvorstellungen, sondern auch Jene die uns durch ihre Werke an unsere Überzeugung binden und unseren Kampfgeist stärken. Zwischen einem Idol und dem Anhänger kann trotz eines fehlenden persönlichen Kontakts eine ungeahnte Bindung enstehen, hinter dem oft eine politisch anmutende Gewalt entsteht. Man kann die Menschen aber auch dadurch gewinnen,  in dem man ihnen den Abschaum ihres eigenen Wesens, die Fehler und den Abgrund ihrer Vorstellungen zeigt. Oft fühlen sich viele Menschen durch die Kunst dieser Methode angezogen und beginnen den zunächst verachteten Widersacher zu lieben. Solche sind zum Beispiel Tom Cruise, Amy Chua, Peer Steinbrück,  der Deutsche Kaberettist Hagen Rether, oder aber auch…ach natürlich!  Mel Gibson. Er gehört, und diesen Rang kann niemand leugnen der seine steile Karriere und den Wirbel um seine Filme beobachtet hat,  zu den gnadenlosesten und schlagkräftigsten Rekruten der amerikanischen Filmindustrie. Man könnte annehmen, dass er sich der Beseitigung der aufgesetzt  wirkenden Rolle dieser Weltmarke  verschrieben hat. Gibson beweist durch seine unabhängige Arbeit  außergewöhnliche Authentizität in einem sonst so abgestimmt wirkenden Verhaltenskodex innerhalb der Filmindustrie. Seine Arbeit weisst keinerlei Konformität mit der Idee und dem Stil aus Hollywood. Gibson verzichtet weitgehend auf ruhmorientierte und narzistische Auftritte,  welche zum Ausgleich karrierespezifischer Differenzen dienen.  Vor allem aber scheint er ein Workoholik zu sein, dessen eigene Interessen unter dem Image und dem Drang  die öffentliche Meinung zu gestalten,  stehen. Schon überwunden geglaubte Themen aus der Geschichte der Menschheit werden für einen Film jahrelang und höchst akribisch vorbereitet. Jede Kamerabewegung,  jedes Wort in seinen Filmen sitzt unheimlich genau, birgt schwarzen Humor, politische Provokation und technische Perfektion zugleich. Mel Gibson zeigt mit Filmen, welche schnell an der Hand abgezählt sind, den Regiesseuren,  welche sich für die Besten halten, wie man in Hollywood aufmischt und gleichzeitig selbst nicht zu kurz kommt. In seinen Interviews wirkt er abwesend und man beobachtet des öfteren den Rapid Eye Move während er energisch erzählt. Dabei bewegt sich Gibson gerne gegen die politische Strömung. Spätesten als er durch seinen Film The Passion of the Christ das Erscheinungsbild der Juden  politisierte und erneut zum Gegenstand tabuisierter Fragen der amerikanischen Gesellschaft machte, wendeten sich eine Reihe von Antagonisten gegen seine Lebenswerke. Gibson entscheidet unmissverständlich über Gut und Böse. Seine Filme beurteilen, richten und belehren zugleich. In Braveheart verleiht  Gibson der Verbundenheit zu seinen irischen Wurzeln in eindrucksvoller Weise Ausdruck. Zu dem dringen persönliche Motive und Überzeugungen oft durch und somit können einige seiner Filme auch als Selbstportrait samt eigener Weltanschauung verstanden werden. Seine persönlichen Ambitionen sind maßgeblich am Erscheinungsbild seiner Produktionen beteiligt und lassen in den ersichtlichen Absichten wie Umsatz und Gewinnbringung eine Priorität für die eigene Überzeugung und maßgeschneiderte Politik  erkennen. Vielleicht braucht Amerika mehr solcher Menschen. Denn gegen den Strom bewegt man sich nur zu ungern. Und Hollywood schon gar nicht.

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