Wenn ein Rapper sein Album nach dem florentinischen Staatstheoretiker Machiavelli benennt, verrät dies viel über die Gedankenwelt des Künstlers. Da jedoch die Wahl dieses Titels äußerst untypisch für ein Rapalbum ist, lässt uns das an den dogmatisch eigesessene Annahmen über dieses Genre zweifeln. Der Überraschungseffekt ist spätestens dann verblasst,  wenn man erfährt, dass dieses Album von Tupac Shakur stammt. Während andere Rapper sich am Rassenkonflikt bereicherten und ihre eigene Geschichte nur schlecht kannten, erwies sich Shakur als herausragender Kenner gesellschaftlicher Konstellationen und brachte ausgeprägte Ambitionen in der klaren und verständlichen Darlegung verdrängter Themen in seinen Texten.tupac  Doch Shakur ging weiter. Er ruhte sich keineswegs auf seinem Ruhm aus. Vielmehr erhob er sich auf dieser Grundlage zum Philosophen der zum Schweigen gebrachten schwarzen Bevölkerung Amerikas. Shakur bekannte sich öffentlich zu seiner Liebe für die Bildung. Die Tatsache dass Shakur an der Baltimore School of Arts die Kurse für Literatur und Ballet belegt hatte, lies seine Kritiker unsicher werden und spaltete die Anhänger des Rap untereinander. Zumal Rapmusiker von einer breiten Masse als sozial unfähig eingestuft werden, dessen Auslöser man in einer langanhaltenden sozialen Ausgrenzung sieht. Und da diese Art der Rhetorik ihre Entstehung der Notlage benachteiligter Menschen verdankt, wird sich die vom Text unabhängig durchdringende Kernaussage dieser Sprachkunst und dessen Message nicht so schnell aus unseren Vorstellungen entfernen lassen. Dagegen stehen Menschen welche eine unaufhaltsame Dekadenz zu beobachten glauben. Selbst wenn sich Rap im Laufe der Emanzipierung der schwarzen Bevölkerung  und wachsender Integration  zu einem kommerziellen Unterhaltungsmedium entwickelt hat,  ist sie Ausdruck eines immerwährenden Wiederstands gegen alle und niemanden. Dabei lebt Rap von seiner eigenen Geschichte und je größer der Abstand zur Zeit der Entstehung dieses Stils wird, desto mehr verliert es an Essenz. Bis Heute jedoch wirken größen wie B.I.G und Shakur nach. Somit haben die nachfolgenden Generationen wenig Konsens auf der weißen Seite geerntet und das Thema der Rassenfrage ist vom ursprünglichen Ziel, in der man die Behebung vorsah, auf die Massentauglichkeit abgewichen. Sie hat der schlagkräftigen Kunst der Lyrik den Charackter und die Wirkung einer immerwährenden Erinnerung und Provokation verliehen. Eine Art Dekleration über den Leidensweg afroamerikanischer Menschen. Dennoch brachte dieses Genre eine ausgewählte und gehobene Delegation hervor, welche die Kongenialität zwischen den weißen und schwarzen Menschen nur zu oft bewiesen hatte. In jedem Fall hatte Shakur die aussergewöhnliche Begabung die gesellschaftlichen Konflikte seiner Zeit neutralisiert und unpolitisch darzustellen und wurde von vielen Menschen zum Poeten und Philosophen erhoben. “Only God can judge me” war sein immer wiederholtes Motto auf diversen Postern. Sein Emblem 2Pac ist in aller Welt auf verschiedensten Fassaden und Mauern zu sehen. Über keinen anderen Raper wurden so viele Graffitis gefertigt. Nach seinem Tod erhob er sich rasch zum Sinnbild für Toleranz und Frieden wiewohl seine Texte dem oft widersprachen. Doch die meisten wussten aus welchem Grund.

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