Die deutsche Rapszene hat das was man in den USA den West- und Eastcoastkonflikt nennen würde schon überstanden. Dabei steht der Verdacht nahe,  dass es sich bei den Wortgefechten in Berlin um reine PR Strategie gehandelt hat. Jedenfalls gleicht die Geschichte des “Königs von Deutschland” in seinem Ablauf, dem eines Märchens aus einem Oldschool Milieu irgendwo in Bosten. Ein unbedeutender Hobbyrapper wird endeckt und steigt in die große Szene ein. Er entwickelt eigene Vorstellungen im Bezug auf die Musik und den Verlauf der Karriere und wendet sich gegen seinen Ziehvater. Dies war der Anfang einer produktionsreichen Epoche des Deutschen Raps zwischen den Jahren 2001 und 2004. Beide Parteien sahen nun die Gelegenheit gekommen, ein Exempel zur Gewalt aneinandergereihter Worte zu liefern. Die Abrechnung markierte den letzten Höhepunkt des wohl jüngsten Rappers in der Bundesrepublik. Dabei sind nach den Verkaufszahlen der Platten nur Aggro Berlin und Optik Records ernst zu nehmen. Die Rapszene in Deutschland zeigt im Gegensatz zu den in den Vereinigten Staaten, wenig Begeisterung für den Aufstieg einer Wortkünstlerin. Frauen, gebildete Menschen und Schwule sind noch immer ungeschlagene Elemente der sogenannten Bars oder Doublerhyme Punchlines. Im Jahr 2006 schlug dann ein Rapper in die Szene ein, der sich in Lyrik und Erscheinung mit niemandem der bis dahin dagewesenen Rappern vergleichen ließ. Seine Texte brachte er mit einem hörbaren Schmerz und dunklen Texten über die Lippen. Sein Akzent verriet auf Anhieb die Zielgruppe seiner Musik. Er wirkte frisch, kraftvoll und brachte Farbe in die eingeschlafenen Szene. Von den anderen Künstlern hoben ihn seine von Anfang an technisch anspruchsvollen Videos und eigensinnige Lyriks ab. Sony investierte Medienberichten zufolge 250.000 Euro in den massiven Rapper. Doch alle bringen dennoch die gleichen Themen in ihr Programm. Man fühlt sich vom Bildungsbürgertum missverstanden und verweisst auf die unerkannt gebliebenen sozialen Gefälle innerhalb einer Gesellschaft hin. Ein paranoid anmutender Verfolgungswahn wird in den sozialkritischen Texten deutlich. Schenkt man den Texten Glauben, so steht die arabische oder türkische Minderheit einem sozialen Boykott und einer systematischen Ausgrenzung entgegen. Dagegen stimmt, dass vor allem einige Frauen sich enorm ausgegrenzt fühlten oder fühlen. Bass Sultan Hengzt hat es auf den Punkt gebracht und einen eindeutigen Strich zwischen sich selbst, und  dem welches  seine nur halb intelligenten Sprüche in Gefahr bringen könnte, gezogen, in dem er in einem seiner Refrains sang: Rap braucht kein Abitur. Was wurde da nicht gemunkelt, dass dieser oder jener Rapper ein abgeschlossenes Studium hätte oder zumindest Abitur. Einen derartigen Imageschaden konnte sich keiner der Rapper leisten. Die Einzige die sich zur ihrem akademischen Werdegang bekennt, es ist natürlich eine Frau, ist Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray. Noch bevor Lady Gaga ein Fleischkleid trug und Lingerie Videos drehte, gründete die Bitch ein Vagina Style Records Label und packte die von sich überzeugten Jungs mächtig an den Eiern. Mit rosa Bodys, Netzstrumpf und Kopfschmuck in Form einer Vaginaöffnung brachte sie Zorn und Kummer über die Rapper wie auch Akademiker. Dabei brachte sie besonders eine Tatsache auf den Punkt. Intellekt steht in keinem Zusammenhang mit der Erscheinung. Sie als Doktor der Sprachwissenschaft sollte diesbezüglich ernst genommen werden. Während andere Rapper Disstracks gegen diesen Frevel an ihrer Ehre produzierten, erzwang Lady Bitch Ray durch ihre Persönlichkeit neues Denken unter den Antagonisten die das Bild der Frau angegriffen sahen. In ihrer Magisterarbeit ging es um die “Jugendsprache anhand der Darstellung der Jugendkultur Hip Hop”.   Sahin zog querbeet die Promiszene durch den Kakao, bevor sie in zahlreichen Talkshows und Abendsendungen über ihre Ansichten zur Emanzipation der Frauen sprach. Songs wie Deutsche Schwänze oder Du bist krank stießen auf vielfälltige Kritik. Neben ihrer anstößigen Musik betreibt sie eine offizielle Homepage und  einen eigenen Buchverlag, den Votzenschleim Verlag. Sie führt diesen Krieg gegen die verachtende und dominierende Männerwelt in dieser Form alleine. Vielleicht ist es für sie kein Krieg. Vielleicht auch keine Kunst. Es ist schlicht und einfach Bitchsm.

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