von Halil Celiksoy

Krankheiten, ganz egal ob psychische oder physische, gelten nicht nur als Antrieb für die gegenwärtige Forschung in der Medizin. Oft sind sie ein Spiegel der Gesellschaft und der Auswirkungen der Industrialisierung oder des wirtschaftlichen Rückgangs. Sie geben uns weitreichende Aufschlüsse über soziokulturelle Zustände, auch in der Geschichte. So hat das Spiel „Wer hat Angst vom schwarzen Mann?“ nach der Erläuterung vom Liederforscher Franz Magnus Böhme (1897), seinen historischen Ursprung in der Pestepidemie.  Krankheiten zeigen aber auch den äußerst komplizierten mechanischen  Zusammenhang der menschlichen Organe mit der neurologischen Komponente.  Viele Krankheiten werden durch das menschliche Verhalten ins Leben gerufen.  Es sind solche Krankheiten, denen ein vielseitiges Zusammentreffen verschiedener Faktoren in einer bestimmten sozialgesellschaftlichen Konstellation vorausgeht.  Je komplizierter die Folgen der menschlichen Zivilisation, desto komplizierter und weitreichender die daraus hervorgehenden Krankheiten. Europa dürfte demnach eine Produktionsstätte moderner und noch weitläufig  unbekannter Krankheiten sein. Da wären zum Beispiel neuartige Zwangsneurosen wie das ständige Zählen aller Dinge, oder Pavor Nocturnes-ein panisches Erwachen, welches bei Erwachsenen immer öfter vorkommt. Oder Hypochondrie, eine Krankheit bei der man felsenfest davon überzeugt ist an einer schweren Krankheit zu leiden. Letzterer hat ihre rasante Verbreitung im Zuge der vereinfachten Informationslogistik durch das Internet  gefunden. Und dennoch wollen wir alles wissen. Unser Lungenvolumen, unsere Blutwerte, unsere sportlichen Leistungsgrenzen, unsere Krebsrisiken. Doch eine Krankheit scheint uns immer häufiger zu treffen und im unteren Bereich der Pyramide nehmen immer jüngere Menschen Platz. Eine Krankheit die der Weltgesundheitsorganisation Kopfschmerzen bereitet und Gegenstand kapitalistischer wie auch erzieherischer Angelegenheiten ist. Die Fettsucht, genannt auch Fresssucht, Adipositas oder Binge Eating. Immer häufiger suchen Menschen vor alltäglichen Herausforderungen Zuflucht im Kühlschrank. Die Gründe können so vielseitig wie bei keiner anderen Krankheit sein. Ersatz für Aufmerksamkeit, Bewältigung  von Stress, oder Überspielen ungelöster Konflikte. Doch die Wirtschaft interessiert die Tragweite soziokultureller Aspekte nicht. Vielmehr hofft sie auf eine Verwirrung, um der Nachfrage an medikamentösen  oder nichtmedikamentösen Lösungen mit einer breiten Palette von fragwürdigen Produkten gerecht zu werden. Somit hat sich ein äußerst radikaler Wirtschaftszweig etabliert, welcher mehr oder weniger kleistogam ist. Sie erweitert sich selbst, in dem sie den Absatz durch krankheitsauslösende Produkte ankurbelt. Doch ist das nicht immer so?

Der soziale Status spielt hierbei eine bedeutende Rolle. Dieser setz sich zusammen aus Ausbildung, Haushaltseinkommen und berufliche Stellung. Je höher der soziale Status, desto weniger Essstörungen treten auf. Genetische Faktoren und Lebensstil sind weitere Anhaltspunkte die zum Essverhalten beitragen.

Im Internet wird man geradezu mit Schlankmacherprodukten und Diätprogrammen überschüttet. Auf Google und Facebook so gut wie jeden Tag. Alle Anbieter beanspruchen für sich ein Wundermittel entwickelt zu haben und schwören auf die Wirksamkeit ihrer Produkte. Von Pillen über Drinks bis hin zu exotischen Früchten von denen man nie etwas gehört hat. Es wird mit Begriffen aus der Medizin jongliert und Vorher-Nachher Bilder schmücken die Blogg Einträge. Dabei wird der Verbraucher genau auf den nerv getroffen.

Ein Beispiel für eine Werbung:

Die Kraft des Nahrungsergänzungsmittels Green Coffee ist angelehnt an dem wichtigsten Bestandteil – dem Extrakt aus den Bohnen des grünen Kaffees (es enthält Chlorogensäure, welche für den höchsten ORAC-Wert bekannt ist, also die Menge an Antioxidanten). Heute ist die Ernährungsweise, des größtes Teils der Gesellschaft, des Hauptbestandteiles zum Abnehmen, entledigt. Menschen die mit Übergewicht zu kämpfen haben, wenden meist kalorienarme Diäten an, bemühen sich Produkte zu essen, die allgemein als gesund gelten, trotz dessen nehmen sie nicht ab. Gerade wegen dem Mangel an dem einen Bestandteil.

Von einer solch fachlich klingenden Ausdrucksweise lässt sich der Verzweifelte wehrlos in den Bann aus undurchsichtiger Geschäftstreiberei  und Betrug hineinziehen.

Zuletzt ist Facebook durch unseriöse Anzeigen ins Visier der Verbraucherschützer geraten. Hier sind muskelöse Männer  und schlanke Frauen abgebildet. Daneben Sätze wie diese: Jede Woche drei Kilo abnehmen oder,  diese komische Regel hilft dir beim Abnehmen oder auch Ärzte hassen diese Frau/oder diesen Mann. Klickt man auf die Werbeanzeige landet man auf einer unzutreffenden Seite. Über Beobachter.ch, einer schweizerischen Konsumenten- und Beratungszeitschrift wird man sogar zu gefälschten FHM und Men`Health Seiten weitergeleitet. Dabei wird immer um Tatsachen und einfache Fakten herumgeredet. Diese sind Bewegung und gesundheitsbewusste Ernährung.

 

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