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von Halil Celiksoy

In den 50er Jahren entdeckte eine US-Unternehmerin namens Ruth Handler auf ihrer Europareise eine Spielzeugpuppe, welche ihr die Grundlage für ein weltbewegendes Geschäftskonzept lieferte. Sie entschloss sich die Puppe Lilly hinter dem Schaufenster eines Schweizer Spielzeugladens in Luzern für ihre Tochter Barbara zu kaufen. Zurück in den USA entwarf sie eine Puppe, die sich nach dem schweizerischen Vorbild richtete. Ab 1959 war diese Puppe mit dem Namen Barbie auf dem amerikanischen Markt erschwinglich. Doch diese erfolgreiche und auf den ersten Blick lebensbezogene Puppe lehnte sich gegen jede Vorstellung von Tradition auf. Seit jeher ist Barbie Gegenstand psychologischer Auslegungen hinsichtlich kindlicher Entwicklung, Sexismus und genderspezifischen Fragen. Schon früh geriet die makellose Puppe mit den langen Beinen und dem auffälligen Busen ins Kreuzfeuer der Kritiker. Barbie bediene die sexuellen Vorstellungen der Männerwelt und sei daher als Spielzeug ungeeignet. Doch der Siegeszug der Barbies in den Mädchenzimmern war nicht aufzuhalten. Die Unternehmerin sah in der Puppe auch einen Nebeneffekt für das weibliche Selbstwertgefühl. Aus diesem Grund betrachtete sie ihre Arbeit  als effektiven Beitrag für alle heranwachsenden Mädchen. In den 60er Jahren konnten sich jedoch nur Familien aus der gehobenen Schicht ein solches Spielzeug leisten. Dem entsprechend war sie auch gekleidet. Barbie musste sich später aus geschäftsstrategischen Gründen den sozialen Umständen seiner Zeit anpassen. Zu dem wuchs die Mittelschicht und dominierte nach und nach im Durchschnitt der Gesellschaft. Und wie gerufen machte sich ab den 60er Jahren der Trend zur billigen Mode breit. Die Urheber waren britische Modeschöpfer, welche ihre Produktpalette den wirtschaftlichen Umständen der Jugend aus der unteren und mittleren Schicht angepasst hatten. Das Modekonzept wurde völlig umgekrempelt. Mattel setzte von jetzt an auf synthetische Stoffe und folgte der Mode der Masse. Seit dem hat Barbie im Laufe der Emanzipation der Frauen immer eine Art Selbstverständlichkeit signalisiert. Denn sie hob sich von den erfolgs- und leblosen Puppen entscheidend ab. Erfolg, Schönheit und Ruhm sind Begriffe die Barbie in ihrem gespielten Leben begleiten. Denn Barbie ist Kinderärztin, Tierärztin, Zahnärztin und hat außerdem noch die Pilotenlizenz.  Sie hat ein Haus, einen Hund und feiert Partys. Psychologen sehen  zwischen den Berufswünschen der heranwachsenden Mädchen und der Barbiewelt einen Zusammenhang. Nicht nur das. Auch würden Mädchen frühzeitig durch Barbie unter Druck gesetzt zu jeder Zeit schön und erfolgreich sein. Es reduziere zudem die Frau auf ihr Äußeres und verzerre das wirklichkeitsbezogene Bild der Frau. Auf einen echten Menschen umgerechnet würden die Maße 99-46-84 lauten. Lebenswichtige Organe wären eingeschränkt oder hätten nicht einmal Platz. Die Frau wurde durch Barbie vollständig von ihrer Mutterrolle distanziert und die Farbe rosa war von da an die Farbe für Mädchen. Doch egal welcher Kritik Barbie auch im Laufe der Jahrzehnte begegnete. Die Puppe trotzte gegen alle zeitgeistlichen Normen und Moralvorstellungen. Und dem Absatz hat es nie geschadet. Barbie gehört bis heute zu den meistverkauften Puppen der Welt. Puppen spielen eine maßgebliche Rolle in der Selbstfindung. Psychologie-Professorin Insa Fooken erklärt im Schweizer Tagesanzeiger, dass die Puppe ein Schlüssel zur Identität ist. Sie sei ein beseelbares Gegenüber und fördere die Empathie und das Einfühlvermögen in andere. Die Puppe ermögliche Mädchen etwas über die Zwischentöne menschlicher Beziehungen zu lernen. Und tatsächlich sehen heranwachsende Mädchen auch immer irgendwie ein Vorbild in ihrer Freundin im Kinderzimmer. Damit steht Barbie in einem komplizierten Zwiespalt.  Sie fördert und beeinflusst. Lässt freuen und träumen. Setzt unter Druck und befreit. Eine neuere Kritik kommt aus der Genderforschung. Diese bezieht sich auf geschlechterspezifische Forschungen in Kultur, Gesellschaft und Wissenschaft. Demnach seien viele Bereiche des Lebens auf unbegründete Weise geschlechtsspezifisch dogmatisiert. Genderforscherin Stevie Schmiedel nahm in der Onlineausgabe  die Welt klare Stellung zu den Auswirkungen durch genderspezifische Spielzeuge. Kinder würden schon in Kindergärten lernen welche Spielzeuge und Farben für Mädchen und welche für Jungen gedacht seien.

“Barbie ist besonders, weil sie schön ist, ein großes Haus hat und viele Kleider”, sagte Schmiedel. “Das Bild der schlanken, blonden Frau wird als Erfolgserlebnis verkauft. Der Barbie-Wahn ist eine Belastung für die Kinder.” Vor allem Mädchen kümmerten sich immer früher um ihr Äußeres und definierten sich darüber.

Immer öfter  wird Kritik laut. Denn immer öfter fallen Themen wie Sexismus, Frauenklischees und Gendermainstream mit pädagogischen und sozialgesellschaftlichen Elementen zusammen. Auch fühlen sich einige Kinder die sich ihrem Geschlecht nicht gebunden fühlen, durch den Barbie Wahnsinn verfolgt.

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