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Aus den in letzter Zeit vorangegangenen  Geschehnissen in der weltweiten Politik haben manche gelernt und manche auch nicht. Die meisten neigen zum emotionsfreien Beobachten.  Viele der Menschen die durch die täglichen Nachrichten einen umfassenden Einblick in die aktuellen Konflikte und Veränderungen der Welt haben, sehen zwischen dem was sie als abgründig empfinden  und ihrem Leben eine große Distanz. Das ist ein weit verbreitetes Phänomen in Europa. Die Ereignisse scheinen weit von uns, also lassen wir diese auch nicht an unser Gewissen heran. Das wir uns durch unsere Gebundenheit in unserem Leben in einer  mehr oder weniger machtlosen Lage befinden ist Tatsache. Aber wie viel davon liegt außerhalb unseres Wirkungsbereichs? Tatsächlich wird ein Großteil von dem was wir in den Medien beobachten vom Interesse, Konsum und der Erziehung einzelner Menschen beeinflusst. Als Bruchteil der Gesellschaft wirken wir, wenn auch nur verschwindend gering, in einem großen Gefüge. Unser  Anliegen dabei ist vor allem unser eigenes Wohlergehen. Nur wenige Menschen setzen die moralischen Aspekte, welche für das Gleichgewicht  in unserer Gesellschaft bedeutend sind, über ihre eigenen Interessen. Das Gefühl der Unbedeutsamkeit ist im Zuge der Veränderungen in Gesellschaft und Industrie deutlich angestiegen. Individualität wird durch polarisierende und erwartete Normen in Lebensführung und Ansichten stark zurückgedrängt. Unter diesem Eindruck wächst die Annahme, nur geringen Einfluss auf die Vorgänge in unserer Gesellschaft und der Welt zu haben. Das Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft verliert an Bedeutung, die eigenen Interessen überwiegen. Dies könnte ein Grund für das immer weiter zurückgehende Interesse an der Politik in Deutschland sein. Doch das Wohlwollen wird in seinem Kern trotz dieser  Entwicklungen bestehen bleiben. So führt David Hume in seinem Werk Untersuchung über die Prinzipien der Moral  (1751) an, dass die Entwicklung der menschlichen Zivilisation dazu geführt hat, dass  wir nicht nur für unseren Bekanntenkreis Sympathie und Fürsorge empfinden, sondern ein Gefühl für das gesellschaftliche Wohlergehen in uns tragen. Der Mensch zeigt auch ohne Androhung von Strafe ein verantwortungsbewusstes Verhalten. Dies erlaubt dem Menschen seine moralischen Ansichten frei zu ordnen.  Aber das kann wiederum dazu führen sich der Verantwortung zu enthalten. Und somit wären wir in einer Situation, die uns an die Beschreibungen des Philosophen Thomas Hobbes erinnert. Er sieht im Hintergrund unseres gesamten Verhaltens den Trieb der Selbsterhaltung. Ob wir nun in aktiver oder passiver Weise handeln. Alles im Interesse des Überlebens. Und wäre da nicht die Befürchtung einem Konflikt zu begegnen, welchem wir nicht gewachsen sind, so würden wir uns gegenseitig zerfleischen. Nach Hobbes ist der Mensch kein soziales Wesen und damit auch kein „Zoon politikon“, vielmehr gleicht er durch seine egoistischen Züge einem „ homo homini lupus – einem Wolf. Nur ein funktionierender Staat hält das verwilderte Verhalten des Menschen in Zaum,  durch das er innerhalb eines Vertrags (Gesetze), zu friedlichem Verhalten angehalten wird, da er durch diesen Vertrag in Form von Rechten geschützt wird.  Natürlich kann diese Auslegung angefochten werden. Denn es gibt Philosophen die dem widersprechen. John Locke sieht den Menschen ganz und gar nicht als brutales Wesen. In seinen Schriften propagierte er eine konstitutionelle, vom Parlament kontrollierte Monarchie und griff dabei zum Teil auf die von Thomas Hobbes formulierte Theorie des Gesellschaftsvertrags zurück. Anders als Hobbes sieht Locke im Interesse der Menschen für ihre Gesundheit, Freiheit und Eigentum das natürliche Recht, welches sie von Geburt an besitzen. Das Recht als moralischer Mensch darf auch mit Gewalt durchgesetzt werden. Und schon wären wir bei den immer wieder ausgelösten Kriegen, in denen jeder Mensch oder eine Gruppe von Menschen seine moralischen Prinzipien bedroht sieht. Der Krieg stellt also einen wesentlichen Teil unserer moralischen Stellungnahme dar. So makaber das auch klingen mag. Die Frage lautet: Wie können wir moralische Ansichten pflegen, dass sie in gesellschaftlichen und politisch schwierigen Situationen keinen Krieg auslösen? Gibt es allgemein gültige moralische Interessen? Die Politik ist ein ungelöstes Rätsel.

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