Verwirrung, Begeisterung und öffentliches Aufsehen. Seine Karriere lässt sich in keinster Weise voraussehen. Seine Lebensabschnitte lassen sich nach dem was man in den Medien hört, in genau vier Phasen einteilen. Phase 1: Kriminelle Jugend, verursacht durch die sozialen Umstände des Lebens. Phase 2: Karriere als Rapper und damit raus aus der Kriminalität, King Orgasmus, Aggro Berlin, Aufstieg in die Charts und Konflikte  mit Mitstreitern. Phase 3: Rebellion gegen Frauen und Schwule, Carlo Cokxx Nutten, Vom Bordstein bis zur Skyline, anschließende Stellungnahmen in den größten Talkshows Deutschlands und Staatsfeind Nr 1. Phase 4: Eko Fresh, Nemesis,  Europe Music Awards, Integrationspreis, zurück zur Kriminalität, Rauschebart und Abu Chaker. Dabei hat Bushido seine Pflicht als musikalischer Begleiter zu den aktuellen politischen Debatten nie vernachlässigt. Ob nun Integration oder Drogenkonsum. Und denkt man an die Auftritte in den Talkshows bei denen man Bushido als Wörter-Jongleur erleben durfte, war man zur Annahme gezwungen, dass Bushido seine klugen und diplomatischen Stärken für solche Momente des Lebens aufbewahrt hat. Als primitiver Proll-Rapper kommt er jedenfalls nicht mehr durch. Selbst wenn er dies durch seine letzteren Videos versucht hat. Und die jugendlichen Fans? Die stehen nun vor einer komplexen Gedankenwelt aus Frauenfeindlichkeit, Erfolg, schicken Autos und Gerichtsverhandlungen. Eine ganze Generation verbrachte seine Zeit damit, den rätselhaften Rapper zu verstehen. War es nun ein Lebensgefühl, eine Leidenschaft, ein Appell an gleichgesinnte oder Schicksalsbrüder? Alles nur gespielt? Was ist mit der Oldschool-Tempelhofromanze?  Es ist ja nicht so, dass Bushido sich nicht integriert hat. Vielleicht konnte Heino einfach nur die Umwertung der Werte nicht mehr verstehen und sah sich deshalb zur umgehenden Rückgabe seines Preises gezwungen. Aber Heino ist nicht der Einzige. Den Fans geht es nicht besser. Was sollte das mit Carell Gott, oder das Beine-Überschlagen in TV-Sendungen wie es Banker machen? Ein Versuch seine musikalische Kompetenz mit der Kulturgeschichte dieses Landes und der verlogenen Generation von Banden zusammenzubringen? Für immer jung bleibt man nicht, schon gar nicht mir Koks und Schlägereien. Bushidos Fans dürften nun im Durchschnitt ungefähr 25 Jahre alt sein. Und genau so lange ist es her, dass sich die ersten Migranten in Deutschland mit Rap beschäftigten. Cartel war so eine Gruppe. In einer Zeit als es Wörter wie Parallelgesellschaft noch nicht gegeben hat, machte diese Gruppe eine riesen Welle in Deutschland. Und das ohne You Tube. Wie auch schon bei Bushido schloss sich dem Peter Maffay mit einem gemeinsamen Track an. Damals musste sich Maffay nicht zu diesem Feature äußern. Der 1978 in Bonn geborene Anis Mohamed Youssef Ferchichi befürchtet womöglich die Zerschlagung seiner so sehr mit der Musik zusammenhängenden Persönlichkeit, die sich bei ihm zu einem Produkt entwickelt hat. Hier kommt es wieder raus, dass die eigene Philosophie zum Lebensvernichtenden Verhängnis werden kann, wenn man sie vernachlässigt.  Bei Markus Lanz hat Bushido zu den Vorwürfen nicht viel zu sagen. Vor allem ging es damals um das Stück für das sich Peter Maffay, Bushido und Sido zusammentaten. „ Die Idee von dem Song war, unsere Kindlichkeit die wir in uns herumtragen,  aufrechtzuerhalten“, erklärte Maffay. Kabarettistin Gabi Decker sieht in Bushido nichts Kindliches. Schon die ersten Wörter sind ein Angriff auf Bushido.  „ Von sieben bis siebzehn Uhr bin ich vielleicht ein Gangsterrapper und es gibt immer noch Momente, ob privat oder öffentlich, wo ein Kind durchkommt“. Aber das Kinder leichtgläubig sind, sich Ausdrücke und Beschimpfungen merken und damit oft nicht umgehen können ist der Rap-Musik egal. Doch eine Sache kann man dann doch positiv sehen. Die Sprache. Bushido bringt Migranten durch seine Musik die deutsche Sprache näher. Es ist wie mit einem Sarg. Man kann darin Tote eingraben oder aber auch Lebendige. Alles  kann kriminalisiert werden. Vielleicht fehlt dem jüngeren Teil unserer Gesellschaft einfach nur dir Kompetenz zu Kunst und Unterhaltung. Wer von seinem Leben in  expliziten Wörtern erzählt,  darf nicht gleich zum Henker gebracht werden.

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