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Marilyn Monroe, dargestellt von Michelle Williams

Wenn man etwas nicht begreift und zur Verzweiflung  getrieben wird,  ist es gut und verantwortungsbewusst sich zum Loslassen zu bewegen. Natürlich so, dass niemand dadurch zu Schaden kommt. Doch wenn man trotz Verzweiflung nicht loslassen kann und sich versucht durch ein Gadankenchaos durchzuringen,  um herauszufinden warum einem dieser Schritt schwerfällt und eine Vorahnung spürt,  bald einen großen Fehler zu begehen, ist es Leidenschaft. Leidenschaft braucht in den meisten Fällen kein Objekt oder keine klare Vorstellung. Sie ist einfach nur da und hält uns oft im Ungewissen ohne eine rationale Struktur aufzuweisen. Sie begegnet uns immer wieder in abwechselnder Erscheinung mit Leid und Hochgefühl. Sie umfasst alle menschlichen Werke und Abgründe. Einer Art Leidenschaft war wohl auch der Regisseur  Laurence Olivier verfangen, als er Ende der Fünfziger den Streifen Der Prinz und die Tänzerin gedreht hatte. Denn die Hauptdarstellerin Marilyn Monroe ( Norma Jeane Mortenson) war jemand, die den ohnehin erfahrenen Blick des Regisseurs  auf Person und Charakter, ein deutliches Stück erweitern sollte. Einmal verspätet sie sich. Einmal vergisst sie den Text. Und das immer wieder.  Der britische Spielfilm von Simon Curtis,  My Week with Marilyn zeigt in seinem 2011 produzierten Film nicht eine von uns so stilsicher und selbstbewusst geglaubte Marilyn Monroe, sondern eine von  nicht verarbeiteten  kindlichen Erinnerungen und unerfüllten Träumen traumatisierte und belastete Volksikone, die weder im Film noch im privaten Leben ein friedliches Dasein finden konnte.  Zum Teil in kitschigen Situationen dargestellt,  bringt die von Michelle Williams gespielte Marilyn wünsche aus dem einfachen Leben zum Ausdruck wie, „Jedem Mädchen sollte gesagt werden dass es schön ist“. Und hier scheinen nicht nur Geglaubtes mit Fakten zu kollidieren, sondern ebenso Gespieltes mit Gefühltem. Weit von dem was Marilyn erlebt und sagt,  lebt ein Mädchen, das  nicht immer dem Drang ausgesetzt ist, das zu spielen was sie nicht ist. Sie verbringt ihr Leben anders als Marilyn in einem festen Familienverhältnis und wird niemals sexuell misshandelt. Sie zieht nicht von Ort zu Ort mit der Hoffnung  endlich ein Zuhause zu finden. Und doch ist der Glamour um sie eine immer wiederkehrende zarte Brise,  der sie durch die Hölle der gespielten Gefühle begleitet. Es blieb ihr im Alltag vermutlich wenig  Zeit dieser lebensfeindlichen Fassade entgegenzuwirken. Aber loslassen wollte und konnte sich doch nicht. Hollywood war Pflicht und Fluch zugleich. Und da war sie wieder- die Leidenschaft.  Der sieben Jahre jüngere Regie Assistent in drittem Rang Colin Clark, gespielt von Eddy Redmayne, entführt die von den täglichen Anforderungen ermüdete Schauspielerin in ein einfaches Leben aus Liebe und Freundschaft. Durch Humor und Unbeschwertheit gewinnt er das Herz der verschlossenen und gekränkten Marilyn. Letztendlich jedoch kann auch dieses Abenteuer nicht überzeugen. Marilyn bleibt bei ihrer Berufung. Sie hat demnach dasselbe durchlebt, wie Laurence Olivier, als er trotz ihres anmaßenden Verhaltens nicht auf sie verzichten konnte. Leidenschaft.

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