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Gerade durchlebt die türkische Bevölkerung böse Überraschungen. Das was man unter sich in Teerunden immerzu  erzählte, es aber nie an Tatsachen anschließen konnte, holt die Türkei nun ein. Eines wussten aber auch schon die Kids, die auf den staubigen Straßen im Osten der Türkei spielen und oft in diesen Teerunden zuhören. Das sich in der Politik das Meiste um Geld dreht. Die Regierung ist ja so ziemlich alles. Sie ist Freund, Vater und der ganze Stolz den man so in der feindlich gesinnten Welt zur Seite hat. Selbst wenn die Agitationen der Regierung nicht immer den Wünschen einzelner Bürger entsprechen, ist es dennoch das gemeinsame Interesse für das Wohl des „ Türkentums“, welche die Menschen mit politischen Gegnern verbindet. Vor allem aber sind die Großen im Vaterland  Eines ganz besonders. Korrupt.  Der Freund der Türken ist ein Türke. Ein Satz der sich seit der Gründung der Türkischen Republik über Generationen neben der türkischen Hymne in den Schulen gehalten und in den Augen der Patrioten immer wieder bestätigt hat. Kaum einer jedoch möchte diesen Satz noch zitieren. In diesem politischen Gewirr übersieht man schon leicht, wie sehr sich das Land geändert hat. Der kleine Bürger schreit jetzt viel lauter als zuvor. Denn laut werden konnten bis jetzt  nur die wenigsten. Noch bevor das türkische Fernsehen so bunt gemischt war wie das der Amerikaner, also in den 90ern, wurde den Menschen durch den staatlichen Sender  TRT eine recht übersichtliche Kultur gezeigt. Jeder lebte in der Illusion, dass alle nach bestem Gewissen im Interesse des Landes und seiner Bevölkerung handeln und jederzeit handeln werden. Nicht das Übersicht schlecht wäre, aber  eine  zu straffe und einseitige Sichtweise auf das eigene Land ist eben auch die Folge idiotischer Annahmen und Vorurteile. Das türkische Volk spricht gerne von Ehre und Anstand. Diese beiden Begriffe wurden in der Zeit der einfachen Sichtweisen immer im Zusammenhang mit der Liebe zum Vaterland definiert. Die Religion war dabei federführend, wie Heute noch, auch wenn sie von engstirnigen Nationalisten eher zweitrangig behandelt wird. Das Fernsehen gehört wie in jedem anderen Land auch in der Türkei zur Selbstfindung einer Nation. Und seit 1990 hat TRT an Einfluss und Bedeutung eingebüßt. Seit dem private Fernseh- und Rundfunkanstalten zugelassen sind, wächst die Meinungsvielfalt beständig. Im Fernsehen wird deutlich, wie und wo ein Land gerne gesehen werden möchte und in welche Richtung es sich bewegt. Kitsch und theatralischer Patriotismus gehören zum Sinnbild eines sich immer weiter entwickelnden und überaus wirksamen Mediums. Das Fernsehen übertönt gesellschaftliche Missstände und lobt das Land wo es kann. Elitäre Machthaber steuern die mächtigen Medienkonzerne. Heute hat sich vieles in der türkischen Medienlandschaft verändert.  Die Darstellung der Kultur ist nun komplizierter geworden, was zur Folge hat, dass auch die einst schweigsamen Menschen nicht alles hinnehmen. So wie es zu besten Zeiten der berühmte Nationalheld und Komödiant Kemal Sunal getan hat. Die Macht der vielfältigen und zum Teil irreführenden Medien konnte diesen Mann nicht zum Schweigen bringen. Nicht einmal nach seinem Tot. Denn er wird nicht von der Regierung unterstützt, sondern vom Volk. In seiner Zeit hatten die Menschen einfache Erwartungen. Sie wollten die Spaltung zwischen arm und reich erträglich gestalten und den rücksichtslosen Kapitalismus der die anständigen Dörfer bedrohte, bändigen. Doch das Wort dieser besorgten Menschen wollte und konnte niemand an die verwöhnten Großstädter bringen. Früher war Sunal nur ein Kinostar. Heute wird er als einer der wenigen gesehen der die türkische Gesellschaft wirklich verstanden hat. Keinem ist es gelungen, den nach außen hin gespielten Zusammenhalt einer Nation in solch gelungener Weise zu widerlegen und damit das wahre Gesicht eines zutiefst gespaltenen Volkes zu zeigen. Nach seinem Tot ist er nicht nur zur Symbolfigur  für den Aufstieg der Benachteiligten geworden, sondern  auch immer mehr in das Visier von Politikern und Soziologen geraten. Als  gutherziger Dorftrottel erreichte er jeden Verstand. Seine grobe und primitiv anmutende Ausdrucksweise in seinen Rollen  barg  in Wirklichkeit soziologisch relevante und komplexe Zusammenhänge die der dumm erscheinende Sunal schnell durchschaute.  Als vorlauter aber sympathischer Maulheld, der immer eine Antwort für glattgeleckte Millionäre hatte, galt er für Zuschauer aus der gehobenen Schicht als jemand, für den sich der vornehme Großstadtbewohner schämte. Denn der gebildete Istanbuler fühlte sich durch seine Filme vorgeführt und belustigt. Doch die Benachteiligten in der Bevölkerung konnten paradoxerweise über ihr Leid lachen. Die Missstände  durch die sozialen Gefälle waren auf einmal verschwunden. Zumindest für einen kurzen Moment. Dabei sprach Sunal  in künstlerischer Weise den Menschenverstand an.  Die rauen Sprüche die er in lauten Tönen um sich warf,  erinnerten jeden daran, dass auch der Ungebildete sich in seinen Bedürfnissen nicht von den Wohlhabenden und Gebildeten unterscheidet.  Seine Message kam erst sehr spät an, aber sie kam an. Und deshalb spricht man, wenn man Heute über Sunal spricht, nicht nur von Filmen. Man spricht über Bildung, Moral, Gerechtigkeit und Liebe. Man spricht über Veränderungen an die so manche nicht mehr  glauben wollen. Und in jedem Gespräch in dem es um Menschlichkeit geht, mache Türken gerne einen Abstecher in Zeiten als ein Nationalheld unverschämt wahre Wörter von sich gab.

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