Vortrag, Rede

 

http://www.youtube.com/watch?v=BMUDFBk1lNo

Eva Herman gehört sicherlich zu jenen Frauen die in den 90ern die Tradition der ARD Tagesschau wesentlich mitgeprägt haben. Ihre Stimme wird jeden, der in diesem Zeitraum Nachrichten gesehen hat, an die ARD erinnern.  Diese Stimme war nicht nur jene,  welche man mit der ARD in Verbindung brachte. Sie war auch eine solche, die die Tagesschau von allen anderen Nachrichten hervorgehoben hat. Nach dem die virtuelle Uhr für ein Paar Sekunden eingeblendet wurde, folgte der bekannte ARD Gong und dann das Entscheidende: „ Hier ist das erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau“. 18 Jahre ging das so. Eva Herman blickte ernst und unbeeindruckt in die Kamera drein. Sie musste ihre Worte nicht mit eingebauten Gesten spannender machen. Kein überflüssiges Getue. Keine künstliche Steigerung. Ihre blauen stechenden Augen blickten immer wieder kurz auf. Und obwohl die Nachrichten der ARD zu jener Zeit eher unspektakulär gestaltet wurden, ist sie Heute sicherlich eine Legende unter den Nachrichtensprechern. Sie könnte als klassische deutsche Nachrichtenstimme gelten. Unabhängig, seriös, detailreich. Zieht man den Verlauf ihrer Karriere ab 2006 in Betracht, muss man annehmen,  dass das was sie über die Jahre hinweg berichtete, nicht einfach ohne weiteres an ihr vorbeiging. Denn Herman hatte  in ihren zuletzt erschienenen Büchern doch einige Dinge loszuwerden. Es geht um Werte. Es geht um Betrachtungsweisen.  Es geht um früher und heute. Sie hat wohl Grund zu behaupten, dass sie früher und heute sinnvoll gegenüber stellen kann. Denn sie hat mehrmals in der Woche ein Stück von jeder Veränderung in Gesellschaft und Politik berichtet. 18 Jahre lang hat sie die Deutsche Geschichte begleitet. Mit treffenden Worten, mit angemessenem Blick. Doch dann, ab 2006, ist sie immer ein Stück weiter in der deutschen Journalistenwelt und den Medien in Ungnade gefallen. Grund: Ihre Publikationen über Geschlechterrollen, Familienpolitik und die zum Teil gemütserregende Stellung zur Vergangenheit Deutschlands distanzierten sie von ihrer Seriosität. Es begann mit der 2006 veröffentlichten Streitschrift Das Eva Prinzip. Darin schildert sie den Geburtenrückgang in der Deutschen Bevölkerung als Folge einer feministisch ausgerichteten Politik, welche durch die Förderung von Emanzipation und wachsende Berufstätigkeit unter Frauen den Geburtenrückgang herbeigeführt haben soll. Doch damit nicht genug. Es folgte das Werk Das Prinzip der Arche Noa. In diesem Werk dreht sich die Thematik um die immerwährende Veränderung der Familien im Zuge des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels. Herman propagiert ein klassisches Familienbild wie man es aus früheren Zeiten kennt und spricht von der traditionellen Rollenverteilung. Und in diesem Zusammenhang macht sie auch eine Äußerung die ihr schnell zum Verhängnis wurde. In der hochgefährlichen und durchgeknallten Zeit des NS-Regimes, wie sie selbst formulierte, sei eine ganz besondere Sache anders gewesen als heute, welche sie doch sehr gut gefunden hat. Das traditionelle Familienbild. Was sie gemeint haben kann liegt auf der Hand. Niedrigere Scheidungsrate. Mehr Zusammenhalt. Mehr Achtung vor dem Sinnbild Familie. Und wahrscheinlich hat sie sich gerade deshalb die Zeit des Dritten Reichs ausgesucht, da dieser Abschnitt der Deutschen Geschichte noch jedem sehr nahe steht. So sahen das angriffslustige Kritiker aber nicht und warfen ihr vor,  mit nationalsozialistischen Ideologien zu sympathisieren. Und wiewohl sich ihr Verlag und sie selbst bei den Medien mehrfach für das Missverständnis entschuldigt haben, blieb dieser Vorwurf an ihr hängen. Tja da ist es wieder, das nachtragende, alles miteinander unlogisch verbindende, und überängstliche Deutsche Volk. Kaum fallen die Begriffe NS Regime und Familie in einem Satz zusammen, fallen alle in panischer, hysterisch – verwirrter und blinder Art und Weise über eine einzige Person her. Dabei war es ja wirklich so, dass unabhängig von der politischen Atmosphäre zu jener Zeit, die Familie eine ganz gesonderte Rolle im Verständnis der Menschen hatte. Sie war heilig, sie war die beste bildliche Darstellung von Ehre und Treue. Sie war ein sozialer Status, der den Mann erst zum Mann machte. Die Kinder hauten noch nicht ihre Beine auf den Tisch und spuckten unverschämte Töne gegen ihre Eltern. Ganz klar, dass Eltern sehr streng waren. Aber die Kinder wussten vor allem eins. Tiefsinnige und aufrichtige Liebe baut auf Respekt. Heute wissen das nicht einmal mehr Erwachsene. Im Gegenteil. Sie versuchen Liebe herzustellen, in dem sie Kindern Spielkonsolen kaufen und immer ja sagen, weil das einfacher ist als ein gekonnter Konflikt. Alles Anhaltspunkte über die man in vernünftigem Ton sprechen kann. Und es sei angemerkt, dass eine Zeit oder eine Epoche, egal wie schrecklich und menschenverachtend sie war, nie immer nur schlecht gewesen sein kann. Denn zu jener Zeit wurden Gedichte und Bücher für die Menschlichkeit geschrieben. Obwohl das Böse an der Macht war, ist der Keim der Hoffnung für die Menschlichkeit nie verschwunden. Ein Grund warum Nazis in diesem Land keine Chance mehr haben. Man muss in der Lage sein auch unter soziologischen Gesichtspunkten über die guten und schlechten Seiten der Familien von damals sprechen zu können. Denn eine Zensur ist in unserem Grundgesetz nicht vorgesehen. Aber Eva Herman lag weit von diesen Annahmen und Gedanken, welche sie vielleicht von ihren Zuhörern erwartet hatte. Zu allem Übel  hat sie viele ihrer Bücher unter dem für Verschwörungstheorien spezialisierten und berüchtigten Kopp Verlag veröffentlicht. Damit war das Bild der Gegner natürlich abgerundet. Und dennoch zeigt dieser Fall, wie sehr unsere Gesellschaft auf ihren idealen herumreitet, sie aber in der Praxis kaum berücksichtigt. Es herrscht immer noch der Mainstream in allen Bereichen. Und wenn eine wie Herman aus der Reihe tanzt, wird sie medial gelyncht und verteufelt. Eine traurige Mitgift der Demokratie.

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