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Sein Recht als moralischer Mensch darf man auch mit Gewalt durchsetzen. Ein Gedanke des berühmten englischen Volksökonomen  und Philosophen John Locke. Das Recht auf Leben , Freiheit und Unversehrtheit. Sicherlich geht es in unseren inzwischen weit entwickelten moralischen Vorstellungen um weit mehr als Freiheit und Unversehrtheit. Denn wir begegnen immer neuen Formationen moralischer Rückschlüsse. Aber möchten wir noch moralisch handeln, wenn jemand ein unschuldiges Kind tötet? Unsere Gedanken bauen es stetig weiter aus. Extremsituationen machen es am schwierigsten. Dann wenn wir von Überschreitungen unsichtbarer Grenzen sprechen. Wenn ein Vater einen Sexualstraftäter eigenhändig ermordet oder es tun möchte, weil dieser seiner Tochter oder seinem Sohn in grausamer Weise das Leben nahm, kollidieren zwei große menschliche Erkenntnisse miteinander. Die Verfassung, die zwar auch mit den Elementen moralischer Werte arbeitet, aber Emotionen ausschließt- und das Gefühl, also die persönliche Verbindung zur Moral, die uns sagt, wie wir handeln müssen,  um weiterleben zu können. Wenn das Leben unerwartet zum Alptraum wird,  wünschen wir, dass wir nie auf diese Welt gekommen wären. Wir wünschen uns, dass wir nie mit unüberwindbaren Gefällen moralischer Angelegenheiten in Zusammenhang mit unseren eigenen Schmerzen in  Konfrontation geraten wären. An dieser Stelle setzt vermutlich Das ein,  welches die Betroffenen  als unbeschreiblich definieren. Zerreißend und Leidvoll. Erniedrigend und betäubend.  Alpträume wie wir sie aus dunklen und scheinbar von unserer Realität fernliegenden schlechten Horrorstreifen kennen. Das eigene Kind kommt nach der Schule nicht nach Hause. Natürlich können wir nicht annähernd nachvollziehen, was betroffene Eltern durchleiden. Aber dennoch verspüren wir großen Schmerz und eine drückende Furcht sitzt auf unseren Schultern. Es könnten ja auch die eigenen Kinder sein.  Und wenn man im Haus sitzt und das Kind braucht mal länger,  denken wir  an alles andere  als an einen grausamen Mord. Wir nehmen Distanz zu grauenhaften Vorstellungen. Aber immer wieder werden wir durch Medien daran erinnert, dass Fälle wie die der kleinen Natalie keine Rücksicht auf unsere Ängste und Abgründe nehmen. Gleichzeitig katapultiert es, gerade auch Außenstehende,  zu Fragen über die wir nur ungern nachdenken. Was würden wir tun wenn es uns treffen würde? Würden wir wirklich an die durchstrukturierte Verfassung denken? Der Focus richtet sich in Prozessen zu Sexualstraftaten sehr auf die physische und psychische Konstitution des Täters. Und manche Prozesse sind schier unerträglich. Gerade deshalb, weil  Medien, Gericht und Anwälte um die Rechte des Täters einen solche Wind machen, dass einfache Tatsachen beinahe an Essenz verlieren. Der Volkszorn spricht in solchen Fällen eine einheitliche Sprache. Die Aussicht des Täters auf Unzurechnungsfähigkeit und damit auf eine Einweisung in die  Psychiatrie ist groß, wenn er weiß wie er es anstellt. Und die meisten wissen es. Die Strafen für Sexualstraftaten mit Todesfolge sind alles andere als abschreckend. Wer würde es schon wagen in einem arabischen Land ein Grundschulkind zu vergewaltigen und anschließend zu ermorden? Sein Schicksal wäre besiegelt. Ein Anwalt würde sich nicht finden. Natürlich sind wir hier in einem demokratischen Staat in der die Menschenwürde einen tragenden Pfeiler darstellt. Aber welche Würde soll hier eigentlich wirklich berücksichtigt werden? Und müssen wir Würde nicht signalisieren  und es in unser Leben integrieren,  bevor wir es in Anspruch nehmen? Für die Betroffenen von Sexualstraftaten oder gar ermordeten Kindern stellt sich eine solche Frage nicht. Die Lage ist eindeutig. Auch moralisch. Auf Facebook fordern mehr als 13.000 Fans der Initiative Natalie e.V Gerechtigkeit für die Betroffenen. Am 20 September 1996 verschwand Natalie auf dem Schulweg nach Hause. Ihre Familie sollte sie nie wieder sehen. Heute sind von ihr nur noch Bilder zu sehen. Bilder die uns immer wieder daran erinnern,  wozu Menschen wie Armin Schreiner fähig sind und was davon übrigbleibt,  um ihn von einem Tier zu unterscheiden. Es ist sicherlich nicht viel. Und selbst Tiere würden sich nicht vergleichen wollen. Viele Menschen fragen sich warum es die Hölle gibt und finden Gott grausam. Aber wenn sie vom Fall Natalie lesen, wünschen sie sich nur noch eines. Das es die Hölle tatsächlich gibt. Denn dort soll er bleiben, der Kindermörder.

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