Blue mosque in Istanbul in sunset

In der Türkei sorgen sie mit ihren Auftritten für Wirbel. Keine Talkshow wird sich in Zukunft vor ihnen verstecken können. Und all diejenigen die noch solche Zeiten miterlebt haben, als das Fernsehen in der Türkei in seinen jüngsten Tagen Nationalhelden wie Kemal Sunal oder Sener Sen feierte, wünschen sich, sie hätten die Zukunft des türkischen Fernsehens nie miterlebt. In einer Zeit in der das erotische Knistern zwischen Mann und Frau noch eine ferne Romantik war und im Fernsehen mit dem Gesicht jungfräulicher Dorfbewohnerinnen aus Ostanatolien zum Ausdruck kam. Die Reinheit dieser Frauen zahlte sich immer aus. Denn die Männer in den großen türkischen Filmen riskierten zum Teil Kopf und Kragen, um der geehrten Frau den Hof zu machen. Und mit solchen Helden konnte sich die Türkei über Jahrzehnte problemlos identifizieren. Das türkische Fernsehen besaß die oft unterschätzte Fähigkeit, die normalsten Dinge der Welt anzusprechen und gleichzeitig sein Gesicht zu bewahren. Doch das ist vorbei. Keine Schlägereien mehr. Keine rauen und gemeinen Typen mehr. Keine ostanatolische Erotik und schon gar keine Jungfrauen. Aus und Schluss. Und was ist Heute so aktuell? Zurzeit sind es zwei Schwestern, die die Toleranzgrenze des türkischen Fernsehens auf die Probe stellen. Bislang herrscht große Ratlosigkeit über die skandalträchtigen VIP-Schwestern Ceyda- und Esra Erol die vor allem in Istanbul Schlagzeilen machen. Auf You Tube gibt es eine Menge Videos, in denen die Schwestern in Reizwäsche und Bikini posieren und unschuldig in die Kamera dreinblicken. Private Erotik-Videos sind im türkischen Netz nicht neu. Doch diese beiden Schwestern sind die neuesten Gesichter in den privaten Klatschsendern, in denen auf beinahe puppenstubenmäßig eingerichteten Studios, knallig geschminkte Fernsehdivas herumlümmeln.  Das was sie sagen ist genauso anspruchslos, wie das was sie tun, um Geld zu verdienen. Cicisler nennen sich die Schwestern, was so viel wie Schnuckels heißt.  Auf Istanbuls Straßen liefern sie sich reihenweise Streitereien, weil sie sich vermutlich einbilden, dass ihnen mit einem Hammer gesonderte Regeln zustehen. Sie sind auch auf dem Polizeirevier keine unbekannten Gesichter. Dem Marsch zur Polizei in High Heels und Minirock geht eine wüste Diskussion mit der Istanbuler Polizei voraus. Selbst in einem üblichen Cafe in Istanbul haben sie es bis zum Rauswurf gebracht. In den bekanntesten Talkshows der Türkei liefern sie sich sogar Diskussionen über den Islam mit bedeckten Frauen. Ihr Outfit ist dabei natürlich alles andere als islamisch. Es ist eine dieser Momente, die die Zweiteilung Istanbuls in Europa und Asien symbolisiert. Vielleicht ist das einer der letzten Versuche, die Ehre der in den letzten Jahren unhaltbar wachsenden Großstadt-Girls zu retten. Fehlanzeige. Auf Cicisler TV kann man die beiden Skandalpüppchen im Alltag beobachten. Dazu gehören duschen, umziehen, essen, und feiern. Der Spanner-Kult der in Deutschland durch Fernsehformate wie Big Brother oder Dschungel Camp beinahe Normalität im Fernsehalltag genießt, hat nun auch das türkische Netz und zum Teil Fernsehen erreicht. Die Türkei bekennt sich mit der Duldung dieser beiden Material-Girls unmissverständlich zum Hello Kitty und Barbie Fetischismus. Auffällig ist dabei die selbstverständliche Haltung der Schwestern in Bezug auf ihre Arbeit. An Männern die sich auf ihrer Plattform für den erotischen Dienst kostenpflichtig anmelden, scheint es jedenfalls nicht zu fehlen. Auf Twitter sind es über 360.000 Follower die sich zu ihrer Begeisterung für die Schnuckels bekennen. Auf Facebook dagegen ist die Anhängerschaft mit gerade einmal 5300 Like`s verschwindend gering. Doch der rosarote Albtraum befeuert weiterhin die politisch geladene Gesellschaft und belastet die durch Skandale und Unruhen geschwächte Bevölkerung nun mit den Fragen der Fernsehmoral. Doch woher kommen diese zwei türkischen Paris Hilton Imitate? Das fragt sich auch die Bevölkerung, die sich in Internetforen über Spekulationen und Mutmaßungen austauscht. Denn so präsent die Schnuckels auch im öffentlichen Fernsehen und im Netz sind, so unbekannt ist auch ihr privates Leben. „Wo sind die Eltern dieser armseligen Mädchen und sehen sich das die Eltern tatenlos mit an?“ fragen sich besorgte Tanten im Netz. In der Türkei werden solche Ausschweifungen im Fernsehen mit einer verwahrlosten Jugend und einem instabilen sozialen Umfeld in Verbindung gebracht. Blendet man den kommerziellen Erfolg der beiden Mädchen aus, nimmt man viel Mitleid war. Nur so viel ist bekannt. Esra Ersoy, ist 1985 in Mersin geboren und  hat in der Ankara Bilkent Universität Tourismus- und Hotelwirtschaft studiert. Unter anderem war sie im Theater und hat eine Ausbildung zur Schauspielerin genossen. Die jüngere Ceyda Ersoy hat dieselbe Universität besucht, aber im Anschluss auf der Istanbuler Universität für Kultur weitergemacht. Aber die Ausdrucksweise in den Videos der Mädchen zeugt von purer Dummheit, so wie es viele Männer bei Frauen lieben. Aber die Dummheit geht eben nicht einfach so am Mainstream vorbei, ohne dass sie großen Teilen der Bevölkerung Sorgen macht.

 

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