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Wir begegnen ihnen immer wieder. Ob an Tankstellen, bei Einzelhändlern oder Möbelhäusern. Wir wissen viel über sie und dennoch zu wenig. Oft  wird über sie spekuliert, gemunkelt und meistens der Komplexität wegen werden sie einfach nur ignoriert. Und dennoch haben wir alle eine Vermutung weshalb es so sein könnte wie es ist. Es sind Hello Kitty und eine ganze Meute von anderen Nebenbuhlern, dessen Urheber schon lange nicht mehr nur von Kindern und dessen Besessenheit nach einfachen und dennoch interessanten Formen leben.

Es sind jene bunten,  grauenvollen, lästigen und fiktiven Figuren die  eine bislang unbekannte Leidenschaft erwachsener Menschen an die Öffentlichkeit gelockt haben. Über Geld spricht man nicht, so viel ist klar. Spricht man über seine oft von anderen als eigensinnig gewerteten Passionen auch nicht? Faible ist ein Wort, das es genauer trifft. So oft wie man Erwachsene mit Gegenständen aus dem Kinderzimmer trifft, so wenig nehmen auch die meisten Liebhaber kultiger Erzeugnisse der Unterhaltungsindustrie  Stellung dazu.

Und dennoch weiten sich die Konterfeis der als nervig empfundenen Figuren, die meistens von schrägen Grafikern entworfen wurden, auf alle Lebens-und Produktbereiche aus.  Oftmals sind selbst traditionelle Hersteller hilflos dem Kawaii – Wahn der Asiaten ausgeliefert. Dazu gehören ebenso Pikatchu wie  auch diverse Manga Figuren. Kind sein ist wieder Inn. Zu vermuten ist, dass es nie anders war. Rätselhaft ist dagegen,  in welch ausgeklügelter Weise Hersteller den Nerv ihrer Fans treffen.

Eine ganz neue  Form von Signalisierung der Geschlechtszugehörigkeit nimmt Einzug in die Welt der  Erwachsenen. Eine Frau ist demnach soweit unschuldig und brav, wie sie in ihrer Erscheinung einer Minderjährigen ähnelt.  In einer Zeit in der Lady Gaga und Miley Cyrus nichts Braves und Unschuldiges an erfolgreichen Frauen lassen, scheint die rosafarbene  Welt eines Kätzchens nichts davon bemerkt zu haben. Bislang assoziierte man solcherlei Figuren höchstens mit streberhaften Mädchen aus dem Gymnasium,  die sich von der Grundschule an von Jungs ekeln und kitschige Maskottchen an einem vollgekritzelten Eastpack-Rucksack baumeln lassen. Doch diese Ära gehört längst zur Neueren Geschichte.

Wir haben es hier mit einem phänomenalen Konsumverhalten zu tun, welche die Psychologie wie auch das Sexualverhalten innerhalb der Sozialforschung neu definieren lässt.  Es widerspiegelt unmissverständlich die Haltung der weiblichen Psyche zum männlichen Weltbild. Es ist mehr als eine Leidenschaft oder eine Haltung zum Kindlichen. Es ist eine unbewusste,  aber dennoch vollzogene Demonstration. Ein Rückblick auf die eigene  Kindheit und ein kläglicher Versuch etwas davon mit sich zu tragen. Das Zusammenspiel einiger weniger Farben und banaler Figuren nimmt nun diesen sonst so komplizierten Kommunikationsvorgang in die Hand.

Die Phase in der die Mädchen in Erfahrung bringen,  wie sehr gerade das gefährdet ist, was sie an ihrer Person als Resistent gegen jeden unzüchtigen und wertenden Ansatz gehalten haben, scheint nachwirkenden Verhaltensweisen auszulösen. Nicht in Worte zu fassen, aber dennoch sinnbildlich darzustellen. Und die Katze ist schweigsam aber geheimnisumwoben. Überhaupt scheinen fiktive  Figuren eine auffällige Erweiterung in eine sonst  klar vom Kindlichen getrennte Welt vollzogen zu haben. In Japan ist das was uns geradezu skurril erscheint eine alltägliche Normalität. Die Niedlichkeitsästhetik ist dort über den Bereich der Unterhaltung hinausgewachsen.

Dort  und mittlerweile auch in anderen asiatischen Staaten machen Kawaii-Figuren selbst vor behördlichen Warnschriften oder  Militär keinen Halt. Auch lesen dort erwachsene Menschen mehr Comics als Romane. Ein ähnliches Phänomen hatte in den Neunzigern auch in Deutschland den zeitgeistigen Trend unter jungen wie auch erwachsenen Menschen gesetzt. Die Diddl-Maus. Begonnen hatte es mit Gruß-und Geburtstagskarten, bis die Maus auf allen möglichen Produkten zu sehen waren.  Die von Thomal Goletz entworfene Catoonfigur  war besonders unter  jungen Paaren die Geschenkidee. Genauso wie Hello Kitty war auch die Diddl-Maus einerseits umschwärmt, andererseits hochpeinlich und lächerlich. Damals waren aber weder Pädagogen noch Eltern besorgt. Letztendlich ging es um eine ganz klare Massage, welche über die Maus in niedlicher wie auch ernster Weise überbracht wurde.

Über die Grenze des Niedlichen hin zum Wahnwitzigen und Lächerlichen schoss das Fantasywesen Pokemon hinaus, das nun begann vielmehr ein Freund zu werden, als eine Massage zu vermitteln. Und so mancher hatte bis Dato nicht mal einem Menschen so viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die von der Spielesoftwarefirma Gamefreak Inc. entwickelte Figur brachte  viele „Erwachsene“ Menschen dazu, noch vor dem Frühstück seinen Zögling zu trainieren,  um es beim nächsten Pokemon-Turnier  einsetzen zu können. Ungefähr zu dieser Zeit ist auch das Wortspiel Verdummung von Kindern über die Lippen kompetenter Personen gegangen. Aber wie es auch Heute so ist, hat es damals nicht interessiert ob es bleibende Schäden hinterlässt, oder negative Auswirkungen auf unsere Freizeitgestaltung hat,  sondern nur ob es Spaß macht.

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