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Immer mehr begenen wir neueren Schwierigkeiten, welche sich aus unserem Verständnis für ein freies und aufgeklärtes Leben ergeben. Und immer mehr beziehen wir auch Kinder in diese Idee mit ein. Wie weit können oder sollten wir dabei gehen?

Der Mensch liebt das abenteuerliche Leben. Und er liebt es noch mehr wenn er dabei gegen Norm und Sitte verstößt. Was viele als unangebracht und anmaßend empfinden, treibt den “Täter” vermutlich weiter in sein Doppelleben. In dieser Phase entsteht Kunst, Verbrechen oder aber auch Revolution. Und jede neuere Geschichte des Kulturfrevlers führt dazu, dass ein weiterer daraus Mut schöpft und sich dem “Täter” schließt. So gestaltet sich nach und nach der Prozess einer tiefgreifenden kulturellen Veränderung, die bald eine ganze Gesellschaft ergreift.

Dabei erwarten wir vom Begriff Revolution zu viel. Wir befinden uns tagtäglich in einer Revolution. Manchmal von einem exzentrischen und tyrannischen Protagonisten angeführt. Und manchmal ist es ein unwillkürlicher und anhaltender Prozess in einer funktionierenden Zivilisation. Gustav Flaubert ist wohl eher vom exzentrischen Schlag. Sein literarisches Wirken steht am Anfang einer langen Geschichte, welche von der Tabuisierung und der Sexualmoral des Menschen erzählt. Hier werden die Folgen von Kummer, Depression und menschlicher Schwäche offen dargelegt.

Wiewohl Flaubert auf Grund seiner mutigen Darstellungen der Prozess gemacht wurde, gehört Madame Bovary(1856/57) Heute zur Weltliteratur. Nach ihm – wie sollte es sein, gab es eine Reihe von Künstlern die den unstillbaren Drang des Menschen nach sexueller Ausschweifung zum Gegenstand ihrer Erzählkunst gemacht hatten. Es folgte die russische Literatur mit Anna Karenina in den 1870er Jahren. Und Heute nach mehr 150 Jahren Emanzipation und Genderforschung, hat sich der Sex in den Kapitalismus eingeschlichen und fungiert als Kriechöl in einer oft rücksichtslos empfundenen Maschinerie. Dabei sind die psychosexuelle Entwicklung des Menschen und der Umgang einer Gesellschaft damit, ein wesentlicher Bestandteil des bürgerlichen Wohlstands.

Wenn wir uns eingestehen wie sehr Sex das Gemeinwohl und die Weltanschauung beeinflusst wird uns klar, dass dieses Thema in jeder Generation aufs neue definiert, umgesetzt, formuliert und instrumentalisiert wird. Hieran werden Demokratie und Moralwerte auf Hieb- und Stichfestigkeit geprüft, werden Normen in ihre Essenz zerlegt. Siegmund Freud legte die öffentlichen Diskurse über das sexuelle Dasein des Menschen auf psychoanalytisches Fundament und machte damit die Wissenschaft darauf aufmerksam. Ein besonderes Augenmerk galt dem pathogenen Faktor in der neurotischen Entwicklung dem eine lange sexuelle Unterdrückung vorausgegangen sein muss.

Tatsächlich gehen vielen psychischen Krankheiten, welche von einer anormalen Sexualpräferenz begleitet werden, tiefgreifende Erlebnisse unter anderem Unterdrückung voraus. Heißt das aber nun, dass wir in einer Welt mit penetranter Werbung um und mit Sex leben müssen? Sex auf Plakaten. Sex in Musikvideos und Texten. Sex in Filmen ab 6 Jahren? Nicht alle sehen das nämlich so locker wie Lady Gaga und Co. Unsere Gesellschaft baut immer mehr Hemmschwellen und Tabus ab. Das erfordert Innovation in Erziehung und Aufklärung. Unsere Freizügigkeit schafft neue Schwierigkeiten. Was sollte ein minderjähriges Kind sehen können und was nicht? Dieser Frage folgt unmittelbar die Frage nach dem Recht auf eine” sexfreie” Kindheit.

Dabei fügen sich Pädagogen und Erzieher mehr den Anforderungen derjenigen die sie vor solche Schwierigkeiten stellen, anstatt den kindliche Geist gezielt zu schützen. Lady Gaga dreht sexuell anmutende Videos, also müssen im Klassenzimmer nun Dildos stehen. Kinder schauen Pornos im Internet, also kann mit Kindern detailliert über den Geschlechtsverkehr geredet werden. Wie weit werden staatliche Einrichtungen dem rasanten Tempo der immer freizügigeren Mediengestaltung folgen? Dürfen wir unsere Kinder schützen ohne dass der Staat uns das verbietet? In den meisten Kinderfilmen geht es sehr oft ums Verliebtsein. Egal ob auf Kika oder einem anderen Sender. Gibt es denn nichts anderes mehr? Junge Mädchen machen sich in Filmen schick und benehmen sich wie Frauen um ihren Schwarm auf der Klassenfeier zu beeindrucken.

Den Kindern werden solcherlei Dinge in den Mund und in den Geist gelegt noch bevor sie darüber nachdenken können. Die Medien fordern junge Teenies gerade dazu auf sich willkürlich auf sexuelle Abenteuer einzulassen. Es wird nicht mehr gesagt ” Sex kann Krankheiten übertragen”, sondern “Vergiss dein Kondom nicht”. Und wenn man seine Kinder zur Vorsicht und überlegtem Verhalten auffordert, läuft man Gefahr der schwarzen Pädagogik zugeordnet zu werden. Man spricht inzwischen von einer geplanten Sexualisierung der modernen Gesellschaft. Wer damit nicht umgehen kann, hat ein großes Problem. Was, du bist noch Jungfrau? Davor haben Jugendliche mehr Angst als vor einem schlechten Zeugnis. Eine schwere Folge der aus den Fugen geratenen Sexualisierung nahezu aller Lebensbereiche ist die Ratlosigkeit und pausenlose Suche nach einem Standard im Sexualkundeunterricht.

Dabei ist die Kasseler Soziologin Elisabeth Tuider einen deutlichen Schritt zu weit gegangen. So zumindest wurde damals die Aufregung um ihre Methode im Sexualkundeunterricht aufgenommen. Sie nahm den Vorschlag auf wissenschaftlicher Seite die Jugendlichen mit praktischen Übungen über die Vielfalt der sexuellen Orientierung vertraut zu machen, etwas sehr genau. Dabei fielen Fragen wie diese: Was ist eine Vakuumpumpe? Was ist Gang Bang? Auch Dildos und Sexspielzeige gehören zum Programm dieser direkten Aufklärungsmethode. Der Strudel aus unsittlichem Verhalten, unangebrachtem Wortschatz und unverhältnismäßigem Konsum von schädigenden Medien zieht nun die überambitionierte Wissenschaft mit hinein. Viele Kinder, meist Mädchen schämen sich mit derlei Fragen zu arbeiten und sind vollkommen überfordert. Aber die Musikvideos und das Internet machen unaufhörlich weiter und verändern eine bislang immer beeindruckend und geheimnisvoll gewesene Subkultur: Die Kindheit.

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