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In Deutschland werden vermehrt  Medikamente verordnet, deren bedenkliche Nebenwirkungen  billigend in Kauf genommen werden. Die Aufklärung über die gefährlichen Begleiterscheinungen mancher Medikamente erfolgt wenig bis gar nicht. Die Selbstverständlichkeit in der Verordnung gefährlicher Medikamente hat ihren Höhepunkt erreicht.  Prävention und Aufklärung ist über verschiedene Wege möglich. Jedoch ist die Sensibilisierung der Bevölkerung von unzensierten Studiendaten abhängig.

Einst sollte die Offenlegung klinischer Studiendaten durch die EMA die Öffentlichkeit gefährdende Restriktion der Agentur  langfristig aufheben und somit Zugang zu unbekannten Risiken im Zusammenhang mit dem Medikamentenkonsum  schaffen. So hatten  Patientenorganisationen  und das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG)an einem Entwurf mitgearbeitet, an dessen abschließender Beratungsrunde aber ein entscheidendes  Mitglied nicht  beteiligt war. Die IQWIG.  Die EMA fürchtete die schon zuvor tatsächlich eingeleiteten juristischen Folgen durch Pharmakonzerne. Grund für die Kooperation der EMA mit den Initiatoren dieser Offensive war die damals angeschlagene Glaubwürdigkeit der Agentur. Denn 2011 wurde  durch EMA-Chef Rasi die Freigabe klinischer Studien vorgeschlagen. Dieses Unterfangen wurde nach einer Klagewelle und dem Urteil des europäischen Gerichtshofs außer Kraft gesetzt. Letztendlich gestand die EMA eine zum Teil freie Bearbeitung  einzelner Passagen zu.

Somit wiedersprechen die Pläne der EMA auch ab dem Jahr 2016 EU-Richtlinien zur Freigabe neuer Medikamente. Nach langjährigen Vorbereitungen wurde die Wirkung  somit ausgebremst. Siegfried Throm, Geschäftsführer von Deutschlands größtem Pharmaverband, erklärte dem Spiegel online in einem Interview, dass man die langjährigen Investitionen und das durch hohe Investitionen erworbene Wissen als Geschäftsgeheimnisse schützen und akzeptieren müsse. „ Hier geht es um ganz verschiedene Dinge. Wir haben nichts gegen Transparenz. Bereits 2005 haben sich die Pharmahersteller verpflichtet, jede neue klinische Studie erst öffentlich anzuzeigen und dann die Ergebnisse zu veröffentlichen“.

Angesichts des immer weiter  steigenden leichtsinnigen Umgangs mit zum Teil gefährlichen Medikamenten scheint eine Reform unumgänglich. So wird in Deutschland das Schmerzmittel  Novaminsulfon (Metamizol) immer öfter verschrieben. Aus einem Barmer GEK Arzneimittelreport ist herauszulesen, dass  der Wirkstoff Metamizol besonders häufig verschrieben wird. Nahezu jedes sechste Medikament unter den am häufigsten verwendeten Mitteln in Deutschland  enthält diesen Wirkstoff. Zusammen waren es 1,3 Millionen Verordnungen. Das war 2010. Heute wird Metamizol schon bei geringen Schmerzen eingesetzt, wiewohl der Wirkstoff als letzte Lösung in Betracht gezogen werden sollte.

Der Bremer Pharmakologe Gerd Glaeske warnt vor den gefährlichen Nebenwirkungen von Metamizol die im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Weiter könne dadurch die Bildung weißer Blutkörperchen zum Erliegen gebracht werden. Es folgt die Zerstörung der Zellbildung.  Schon 1986 wurde die Anwendung  durch das damalige Bundesgesundheitsamt auf Tumore, Koliken und starken Schmerzen eingeschränkt. In mehreren Ländern Europas, Canada und USA ist Novaminsulfon strikt verboten. Weitere unterschätzte Medikamente sind PPI, Statine und Antibiotika. Es besteht durch diese Wirkstoffe größte Gefahr für  Leber-, Herz-  und Muskelerkrankungen. Doch Todesfälle und schwere Folgen sind der breiten Bevölkerung nicht bekannt. Somit geht der Konsum von hochgefährlichen Medikamenten ungebremst weiter und die sachliche Kompetenz darüber bleibt im geschlossenen Kreis.

Quellenangabe:

Stern.de

Spiegel.online

Kopp Verlag

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