Dass das digitale Zeitalter neuartige Erweiterungen in nahezu allen mit Sozialwissenschaften zusammenhängenden interdisziplinären Bereichen geschaffen hat und die Spekulationen in Bezug auf den gegenwärtigen gesellschaftlichen Wandel immer noch nicht ausgeschöpft sind, ist nur eines von vielen Nebeneffekten. Dass sie auch leidenschaftliche Diskussionen unter Psychologen und Gehirnforschern herbeigeführt hat, ist ein Weiterer.

Bislang ist nicht wirklich bewiesen, dass heranwachsende Menschen durch die Nutzung der Neuen Medien an geistiger Leistungsfähigkeit einbüßen. Klar ist nur: Die Ziele und Methoden der Erziehung mussten sich am rasanten Wandel der Kommunikationstechnologie gemessen, neu orientieren. Und klar ist auch: Das Kindsein befindet sich in einer dramatischen Veränderung. So können Forschungen in dieser Richtung keinen Abschluss finden, da sich die Auswirkungen auf die Subkultur Kindheit noch zeigen werden. Ob ein Kind Mikado spielt oder mit dem Tablet Onlinespiele zockt ist ein gravierender Unterschied.

Denn unser Gehirn speist sich besonders während dem Wachstum durch motorische wie auch geistige Aktivitäten. Einen Unterschied gibt es am Ende in jedem Fall. Nur gehen die Meinungen über etwaige Einwirkungen auf das Ergebnis und dessen Signifikanz unter Wissenschaftlern weit auseinander. Fakt ist auch, dass wir uns durch die Nutzung digitaler Medien nicht unbedingt weniger merken müssen, wie es oft in Fachkreisen heißt. Im Gegenteil. Viele Menschen müssen sich bis zu 10 Passwörter merken.

Unser Gehirn ist in Sachen Arbeitsweise und Merkfähigkeit lediglich umstrukturiert worden. Und dennoch sind einige Qualitäten aus dem analogen Bereich nicht zu übertreffen. Menschen die viel lesen verfügen über einen tieferen Wortschatz und drücken sich deutlich gewählter aus. (Dabei ist es bedeutend, ob aus einem Buch oder im Netz gelesen wird. Im Zweiten ist die Ablenkung groß). Das Sprachgefühl ist enorm ausgeprägt. Soziale Kontakte werden durch die ausgeprägte Ausdrucksweise und das vertiefte theoretische Wissen erleichtert. Freunde werden unter ganz anderen Gesichtspunkten ausgesucht. Die Möglichkeiten der beruflichen Wahl steigen. Je weniger wir wissen, desto mehr verzweifeln wir auch am Limit unserer Möglichkeiten. Das könnte eine Erklärung für die steigende Kriminalität sogenannter sozialer Randgruppen sein. Sicher ist es nicht. Denn auch Kinder können sich trotz wenig Wissen sozialen Normen und Verhaltensmustern fügen. Und dennoch bleibt unsere durch technologischen Fortschritt beeinflusste Perzeption ein fortwährendes Rätsel.

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