Nirgendwo in der Literatur sind derart kulturelle Schätze, überlieferte Werte und moralische Handlungsmuster enthalten wie in den gebündelten Märchen der Gebrüder Grimm. Besonderen Wert lassen die Charaktere  erkennen, deren Entscheidungen, Denken und Handeln weltweit verstanden werden und somit  eine zusammengehörende einheitliche Welt vermitteln, die sich über traditionelle und gesellschaftliche Grenzen hinwegsetzt.

Im Kinder– und Hausmärchen  finden Fabeln und Überlieferungen  aus dem 17. Und 18. Jahrhundert  zusammen. Die Grimms betonen im Vorwort besonders die Wahrheit und unveränderte Überbringung  der darin enthaltenen Meisterwerke. Die Tragweite dieser strikten Arbeitsweise sind in der bis heute unveränderten Begeisterung der Kinder für Märchen zu sehen. Märchen werden durch unsere Kinder am Leben gehalten und ihren Stellenwert finden sie in ihrer Bedeutung für die kindliche Entwicklung. Selbst das digitale Zeitalter konnte  dem bis heute nichts entgegenstellen. Märchen schaffen Verbindung zwischen Leser und Hörer und regen die Vorstellungskraft und Kreativität der Kinder an. In Märchen fallen internationale Grenzen und kulturelle Schranken weg. Sie geben dem Kind das ideale Bild der zwischenmenschlichen Verständigung und bieten die Möglichkeit über den Alltag hin wegzudenken.

Dabei lernt das Kind traditionelle Werte zu schätzen und kann diese in seine Wertvorstellungen einbauen. Die in unserer schnelllebigen Welt gegenwärtigen Konflikte werden stark vereinfacht dargestellt, so dass das Kind deren Lösungen während der Erzählung folgt und sich die Verhaltensmuster der „Helden“ und „Guten“ unbewusst aneignet. Somit  werden sie im sozialen Verhalten geprägt. Durch die in den Büchern abgebildeten Zeichnungen wird die Fantasie angeregt. Auch die Förderung des Wortschatzes und der allgemeinen Sprachkenntnisse kommen nicht zu kurz.

Die Sprache in den Märchen unterscheidet sich deutlich von der abgeplatteten Alltagssprache.  Zwar befand sich die deutsche Sprache zur damaligen Zeit im rasanten Wandel, vor allem durch das wissenschaftliche Interesse an der deutschen Sprache (Wörterbücher wurden verlegt, darunter Großes Teutsch-Italienisches Dictonarium, oder Wort- und Red-Arten-Schatz der unvergleichlichen Hoch-teutschen Grund- und Hauptsprache von Matthias Kramer (1700), Teutsch-Lateinisches Wörterbuch von Johann Leonhard Frisch (1741),) dennoch sprechen wir nicht lange mehr im Stil der Märchenbücher. Zugleich sind die Gebrüder Grimm als Hauptakteure in der Entwicklung der deutschen Sprache zu sehen. Denn sie waren als die führenden Sprachwissenschaftler ihrer Zeit voraus. Das erste Band ihres Deutschen Wörterbuchs erschien 1854 das aber erst weit nach ihrem Tod 1960 vollendet wurde.

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