Lange hat das Thema um die berufliche Gleichstellung der Frau den Inhalt der Bundestagssitzungen beherrscht. Nun steht inzwischen ein Gesetz auf den Beinen, das eine der letzten Widersprüche unserer emanzipierten Gesellschaft beseitigen soll. Doch waren die Frauen wirklich unschuldig an dieser Entwicklung?

2015 hat der Bundestag ein entsprechendes Gesetz zur Frauenquote verabschiedet, dass in den Aufsichtsräten einen Frauenanteil von 30% gewährleisten soll. Das von Frauenministerin Manuela Schwesig als „ historischer Schritt“ titulierte Gesetz hat damit eine seit Jahren geführte politische Debatte beigelegt. Der Begriff Frauenquote gehört zu jener Wortpaarung das in den Medien in verschiedensten Programmen und Debatten zahlreich aufgegriffen wurde. Oft zum Leid der genervten Gesellschaft, dessen Sichtweise sich doch wesentlich von dem der in den Medien dargestellten Tragweite und Bedeutsamkeit bezüglich dieses Begriffs abweicht.

Fälschlicherweise wird durch diese öffentlichen Debatten ein zunehmend frauenfeindliches Klima wahrgenommen, das von vielen als „böses Erwachen“ oder politisches Versäumnis aufgefasst wird. Dabei wird das Problem in den Medien aus dem Gesamtkontext der weiblichen Rolle in unserer modernen Gesellschaft herausgerissen dargestellt. Denn streng genommen ist die Emanzipation der Frau in der Bundesrepublik ohne Einschränkungen möglich und hat demnach auch nichts mit der so befürchteten Unterschreitung der Quote weiblicher Führungspersonen zu tun. Wikipedia stellt die Eckpunkte der Emanzipation folgendermaßen dar:

  • Fähigkeit, soziale Beziehungen aufzubauen.
  • Fähigkeit, eine eigenständige, individuelle Lebensperspektive zu entwickeln.
  • Fähigkeit, am kulturellen Leben einer sozialen Gemeinschaft teilzunehmen.
  • Fähigkeit, seine Bedürfnisse zu befriedigen und weiter zu differenzieren.

Die beruflichen Aufstiegschancen für eine Frau werden mit der Teilnahme am kulturellen und sozialen Leben gleichgesetzt. Doch diese werden von der Frau wesentlich mitgestaltet. Denn während sich beispielsweise die Vereinten Nationen auf Grundlage völkerrechtlicher Bestimmungen um die Gleichsetzung der Frauen bemühen, hat die Frau, länger als die Vereinten Nationen, das Gegenteil getan. Die zunehmende Sexualisierung unserer Gesellschaft wird von Frauen in der Kosmetik- und Modebranche unerbittlich vorangetrieben. Viele Frauen lieben es Schmuckstück neben einem reichen Mann zu sein. So möchte ein Großteil der jungen Frauen von der Männerwelt begehrt und angehimmelt werden. Die Kosmetikindustrie verspricht im Alter ewige Jugend und reichlich Männerblicke mit ihren Produkten.

Die wenigsten Mädchen im Alter von 15-20 Jahren denken daran ein Unternehmen zu führen. Vielmehr ist es wichtiger so weiblich wie möglich zu sein, die Jungs dazu bringen sich „auf Händen tragen zu lassen“ oder sie durch weiblichen Charme „um den Finger zu wickeln“. In einigen Frauen vollzieht sich im zunehmenden Alter unerwartet eine entscheidende Wende, die bei Männern in dieser Hinsicht vollkommen ausbleibt. Geprägt von der Lebenserfahrung und den Einsichten in die praktischen Seiten Lebens, beginnt die Frau sich immer mehr von den Fähigkeiten ihres weiblichen Charmes und der damit zusammenhängenden Abhängigkeit vom Mann abzulösen. Die Selbstständigkeit erscheint interessant und bietet neue Erfahrungen. Nun möchte sie selbst entscheiden und nicht nur über sich selbst. Ein Konflikt das sich spätestens in der Rolle der Abteilungsleiterin, wenn schon nicht in der Bewerbung zeigt.

Viele Männer, auch wenn es die meisten nie zugeben würden, trauen einer Frau nicht die gleichen Kompetenzen zu wie sie es bei einem Mann einräumen würden. Denn die Wahrnehmung betroffener Frauen die sich in Führungspositionen befinden ist keine Einbildung. Sie fühlen sich belustigt oder ignoriert. Ohnehin versteift sich die politische Debatte um den Anteil der Frauen in großen Unternehmen einseitig auf die sozialen Interessen der Frau. Der ökonomische Sinn hinter dieser Gender-Diskussion geriet dabei völlig in den Hinterhalt. Es geht dabei um die maximale Ausschöpfung des Potenzials für Forschung und Entwicklung und um die rationale Verteilung relevanter Fähigkeiten und Talente.

Dabei reicht der Anfang der Emanzipation weit in das Mittelalter zurück.Seit dem 13. Jahrhundert hat sich die Frauenemanzipation in drei Phasen entwickelt. Die erste, auch als Beginen-Bewegung in die Geschichte eingegangen, wurde durch die kirchliche Vormachtstellung in der früheren Zeit zu Fall gebracht. Die zweite kam mit der Französischen Revolution. Die zunächst nur für Männer geltenden Ideale Freiheit und Gleichheit wurden von der Frauenrechtlerin Olympe de Gouge für beide Geschlechter eingefordert. Der dritte Emanzipationsschub entstand Mitte der 1940er Jahre. Diese ist, begünstigt durch den Zweiten Weltkrieg, von Frankreich ausgegangen, bis sie schließlich durch Studentenunruhen und Publikationen zur Massenbewegung wurde.

Dennoch scheint heute die Frage um die soziale Stellung der Frau uns jeden Tag zu begegnen und ist als Kulturgespenst immer wieder in unserem Kopf. Sie begegnet uns schon im frühen Kindesalter, wenn wir bewusst Mädchen benachteiligen, oder uns einbilden, dass rosa für Mädchen und blau für Jungs bestimmt sei. Bis heute kann das mit der Farbe nicht erklärt werden. Und genauso ist es mit der Frau, die sich gerne die Tür aufhalten lässt und es als unangebracht hält wenn man ihr die Einkaufstaschen nicht abnimmt. Aber ein selbstbestimmtes Leben möchte sie um jeden Preis führen.

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