Im Grunde gibt es keine tödliche Krankheit,  welche man als weniger schlimm als die andere bezeichnen könnte. Krankheiten wie Krebs und Aids geben uns eine gewisse Zeit von der gewohnten Seite des Lebens Abschied zu nehmen. Aber eine bestimmte Krankheit lässt uns vergessen Abschied zu nehmen.

imagesUnser Verstand ordnet die Dinge um uns herum. Wir können uns an Dinge gewöhnen die wir uns nicht vorstellen können. Im Angesicht des Todes wächst eine ungewöhnliche Art von Weisheit in uns heran, die uns betäubt und den Tod relativiert. Aus Angst vor dem Tod wird Einsicht. Aus Einsicht wächst die Dankbarkeit für jeden Moment des Lebens heraus. Doch was wenn wir nicht mehr wissen was der Tod bedeutet und wie wir uns vorbereiten sollen? Was wenn wir keine geordneten Gedanken aufbauen können? Was wenn wir nicht einmal wissen wer und wo wir sind? All das was den Menschen in seiner Zivilisation und Sozialisierung an Kenntnis über seine eigene Natur herangetragen wurde, hört hier auf. Eine Grauzone zwischen Tod und Jenseits beginnt und die Augen sind lediglich das Fenster in eine Wirre unbekannte Welt, welches ohne Assoziationen wahrgenommen wird.

Bislang gibt es keine vollständige Aufklärung über die Krankheit Alzheimer. Im Juni 2014 hatte die österreichische Biotechfirma Affiris einen Durchbruch in der Behandlung zu Alzheimer gemeldet. Die Aufregung im Pharmazirkus war groß. Das Wiener Unternehmen habe nach eigenen Angaben zufällig einen Wirkstoff gegen die Vergesskrankheit gefunden. Die Substanz AD04 war bei einer Forschungsstudie als Placebo genutzt worden. Das erinnerte sehr stark an die traumhafte Geschichte des Penicillin, welches damals eine neue Zeitwende einläuten lies. Händeringend wurde nach einem Investor gesucht, um den Wirkstoff schnellstmöglich auf den Markt zu bringen. Wenige Wochen später: Der vermeintlich revolutionäre Durchbruch wird bei einer klinischen Phase 2 Studie von den Forschern als Patent angemeldet. Doch bislang fehlt eine wissenschaftliche Publikation zum neuen Wirkstoff. „Wissenschaftliche Publikationen ist nicht unsere größte Priorität“, sagte CEO Walter Schmidt damals. Dabei sei der Wirkstoff schon bekannt, aber nicht im Zusammenhang zur Behandlung von Alzheimer.

Doch auch diese Geschichte gehört zu einer Reihe anderer Hoffnung weckender Geschichten, an dessen Ende doch kein endgültiger Wirkstoff stand. Die Medizin scheint hier an eine Schwelle gelangt zu sein, an der sie immer wieder zurückgefedert wird. Zwar können die derzeit vier Medikamente die fortschreitende Zerstörung geistiger Fähigkeiten verzögern, aber Heilung können sie nicht bringen. Alzheimer bedeutet nicht mehr oder weniger als den Zerfall der gesamten geistigen und körperlichen Fähigkeiten, welche so selbstverständlich sind, dass wir sie nicht weiter beachten. Genau diese schrittweise Vernichtung zieht Angehörige unweigerlich in Mitleidenschaft. Menschen denen man jahrelang gebunden war und mit denen man gemeinsame Erinnerungen geteilt hatte, wissen von all dem nichts mehr. Nach Schätzungen leiden 1,5 Millionen Menschen an einer Demenz.

Zwei Drittel davon sind von der häufigsten Erkrankungsform Alzheimer betroffen. Man geht von einer steigenden Tendenz aus, welche mit der immer längeren Lebenserwartung in Verbindung steht. Bis zum Jahr 2050 soll sich die Zahl der Betroffenen auf 3 Millionen erhöhen. Der Krankheitsverlauf ist heimtückisch. Schon vor dem Erscheinen der ersten Symptome sind bereits 70% der Zellen zerstört. Betroffen sind vorwiegend Menschen über 60 was aber nicht unbedingt zur Regel gehört. Dabei gelten zwei Veränderungen im Gehirn als wesentliche Merkmale: Proteinablagerungen, sogenannte Beta-Amyloid Plaques zwischen den Nervenzellen werden im gesunden Gehirn zersetzt und vernichtet. Im anderen Fall aber häufen sie sich zu harten, unauflöslichen Plaques an. Tau-Fibrillen: Das sind unauflöslich gedrehte Faserbündel aus Protein in den Nervenzellen. Im gesunden Gehirn transportieren sie Nährstoffe und wichtige Substanzen von einem Teil der Nervenzelle zu einem anderen. Im Falle von Alzheimer ist das Tau-Protein allerdings abnormal und funktionsuntüchtig.

Ein Bericht der Dachvereinigung von 79 gemeinnützigen Alzheimerorganisationen stützt sich bei ihrer Berechnung zur Verbreitung von Alzheimer auf 154 weltweiten Studien. Demnach werden 2030 voraussichtlich 76 Millionen Menschen von Alzheimer betroffen sein. Zuletzt lenkte ein kolumbianisches Dorf die Aufmerksamkeit der Forscher auf sich und erregte Aufsehen in den Deutschen Medien. Im Dorf Yarumal raffte eine erblich bedingte Form von Alzheimer ganze Generationen hinweg. Viele Betroffenen waren jünger als 40 Jahre.

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