Erst kürzlich will Facebook den umstrittenen einseitigen Informationsfluss der sich durch algorithmische Berechnungen jedem Nutzer des Netzwerks nahezu individuell anpasst, widerlegt haben. Das gab das soziale Netzwerk über das Science Magazin zu verstehen. Das bezeichnende an dieser Studie ist, dass die Menschen welche die lautgewordenen Befürchtungen kleinreden, selbst für Facebook arbeiten. Sie betonen insbesondere das breite Spektrum vielseitiger Informationen, die den Nutzern zur Verfügung stehen würden. Eine Isolierung in einer selbst kreierten Meinungsblase sei ausgeschlossen.

Zunächst zum Begriff: Filterblase, bekannt auch als Filterbubble oder Informationsblase, ist ein Begriff der den Zugang zu Informationen im Internet beschreibt, dessen Vielfältigkeit dem persönlichen Browserverhalten und dem damit in Zusammenhang stehenden Algorithmus zugeschrieben wird. Kurz: Die Suchergebnisse werden durch unsere gespeicherten Suchergebnisse maßgeblich beeinflusst, so dass wir nur solche Informationen erhalten, die unser Interessenbereich kaum überschreiten. Der vom Internetaktivisten Eli Pariser geprägte Terminus sieht insbesondere die Gefahr einer „intellektuellen Isolation“, oder nachzitiert: „Dieser isolierende Blaseneffekt kann negative Folgen für den Diskurs der Zivilgesellschaft haben“.

Das von Eli Pariser aufgegriffene Problem ist aber nicht nur eine Sache der sozialen Netzwerke. In dem Maße wie uns die Medien verändern, verändern auch wir die Medien. Der Grund für unser mitgestaltendes Verhalten liegt tief in unseren Wahrnehmungen und den daraus resultierenden Ansichten. Der Anspruch der meisten Menschen ist im Hinblick auf sichere Informationsquellen weit mehr als geschrumpft. Noch nie hat man eine solch politisch gereizte Stimmung erlebt wie es heute in den Netzwerken präsent ist. Damit geht eine voreiliges und emotional gesteuertes Bildungsverhalten einher.Und nun, wo wir über den anderen mehr wissen als nur über seine Interessen und seinen ausgeübten Beruf, dringt uns diese Entwicklung voll ins Bewusstsein.

Die größte Sorge mancher Menschen ist derzeit die überfordernde Herausforderung der Integration von Migranten. Dass dieses Problem aber von zunächst unkonventionell erscheinenden Faktoren beeinflusst wird und von der Seite der Erwartenden noch stärker geprägt wird als angenommen, ist so gut wie gar nicht bekannt. Und da sind noch die Medien die ihre Rolle als Gestalter der gesellschaftlichen Integration nicht wahrnehmen wollen. In der Soziologie bedeutet Integration unter anderem auch die Ausbildung einer Wertegemeinsamkeit mit Einbezug von gesellschaftlichen Gruppen, welche neue Wertehaltungen mitbringen. Und dieser wichtige Prozess soll ja nicht nur in Freizeit und Wirtschaft reibungsfrei wirken, sondern auch in den sozialen Netzwerken, deren Bedeutung in der politischen Meinungsbildung stetig wächst.

In der Internetbranche treffen sich soziale und kommerzielle Interessen auf eine bislang noch nie gesehene Weise. Ottfried Jarren beschreibt in seiner wissenschaftlichen Arbeit zur gesellschaftlichen Integration der Medien die Verantwortung der Medien wie folgt: Integration als Konstruktion sozialer Realität vollzieht sich im Wesentlichen durch Kommunikation. Da die gesellschaftliche Kommunikation in der modernen Gesellschaft sich weitgehend über Medien vollzieht, kommt den Massenmedien eine zentrale Funktion für (Integrations-)Diskurse (als Vermittler) und auch als soziostruktureller Infrastrukturfaktor zu (dazu bereits Maletzke 1980). Zwar nimmt das Fernsehen 40% in der öffentlichen Meinungsbildung ein, doch die Zahl der bis 29-jährigen die das Internet als primäre Informationsquelle nutzen steigt rapide. Im Visier besorgter Soziologen sind eben Facebook, Google und Co.

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