Im Jahre 2009 ließ die russische Regierung den Plan einer Anti-Alkoholkampagne laut werden. Damals hatte Medwedjew eine Offensive gegen den exzessiven Alkoholgenuss in der Bevölkerung gestartet. Es sollte ein großer Schlag gegen das Nationalgetränk sein, das sich wie ein roter Faden durch die russische Geschichte zieht. Die Gesetze wurden härter und Wodka wurde mit Bier gleichgesetzt. Doch der Schwarzbrennerei, die so manchen trinkfreudigen Russen das Leben gekostet hatte, konnten auch diese Gesetze nichts entgegensetzen. Aber 2009 war nicht das erste Mal, dass die Politik gegen den Volkstrank vorging. Schon seit gut dreißig Jahren kämpft nun Russland gegen seine eigene Trinktradition.

7e39f5bc6d79c0f45fe967851b79c43fUnd was wäre nicht alles schon besser gelaufen, wenn nur nicht der immer lockende harte Saft im Spiel gewesen wäre? Im Grunde könnte man den Wodka für alle innerpolitischen und gesellschaftlichen Unannehmlichkeiten verantwortlich machen. Die russische Literatur ehrt und verflucht den Wodka zugleich. So weiß man heute, dass ein beachtlicher Teil der russischen Literatur unter dem Einfluss dieses Getränks stand. Häufig im Kater schrieben die großen Verfasser ihren Frust in wilde Romane nieder. Und kaum ein Schriftsteller war geschont vor diesem geistigen Treibstoff. Unter ihnen ist nicht nur der Schriftsteller der Weltliteratur Dostoijewskij gewesen, sondern ebenso Andrej Platonow, Wassilij Schukschin und Aleksander Wampilopv. Im 14.Jahrhundert beginnt die Geschichte des Getränks, dass ab diesem Zeitpunkt eine steile Karriere beginnen sollte. Bis heute besteht eine historische Unklarheit, ob es zuerst Russen oder Polen waren die diese Spirituose aus Weizen brannten.Doch das interessiert die Antagonisten weit weniger, als der außer Kontrolle geratene Konsum dieses Getränks.

Erst kürzlich hat sich Ex-Präsident Gorbatschow entmutigt über die Anti-Alkoholkampagne geäußert. Er hält es für einen großen Fehler, den Russen das Trinken per Gesetz untersagt zu haben. Das verheerende Ausmaß der Schwarzbrennerei ist das Ergebnis der Anti-Wodka Politik der letzten Jahre. „Schrittweise und nicht mit der Axt auf den Kopf“ hätte man das Land ausnüchtern müssen, bekannte Gorbatschow der „Komsomolskaja Prawda“ im Interview. Dennoch: Die Sterblichkeitsrate verringerte sich seit den Kampagnen um 1,4 Millionen Menschen. Bezeichnend ist die erhöhte Lebenserwartung bei den Männern um zweieinhalb Jahre. Doch diesen Trend schreiben Experten einem anderen Grund zu. Der jüngere Teil der Bevölkerung trinke lieber Bier als Wodka. Jeder fünfte Einwohner Russlands stirbt an den Folgen von Alkoholmissbrauch. Das meldete die Bundeszentrale für politische Bildung im Jahr 2011. Der Kampf gegen Wodka fordert der Politik die letzte Kraft ab und zeigt zugleich wie sehr sie davon gesteuert wird. In diesem Sinne, Nasdrovje!

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