Bayern gehört zweifellos zu jenen Staaten, dessen Gegensätzlichkeiten zum Erfolgsrezept auf nationaler und internationaler Bühne gehören. Die Amerikaner, Kanadier und Brasilianer bauen die Wiesn nach und im Norden gibt es Diskotheken im bayrischen Hüttenstil. Das Bundesland das gegen die Dynamik der Migration und Globalisierung eine erzkonservative Schiene fährt  ist immer wieder, wenn auch ungewollt, ein richtungsweisender Geschmack für Kulturabenteuer. So offen Bayern auch gegenüber der Welt sein mag; heimlich strebt es ein in sich geschlossenes und völlig unabhängiges Königreich an. Aber reden möchte darüber natürlich niemand. Denn in allem was der Bayer zur Rede stellt wird er durch den Ehrenkodex zur Tat verpflichtet. Und den Preußen, na ja, dem können sie auch nicht wirklich aus dem Weg gehen. In den meisten bayrischen Weltkonzernen sind die Vorstände alles andere als bayrisch. Man kann an dieser Stelle so viel Mut zeigen und von einer sogenannten „Bayrischen Arroganz” reden. Vor solchen Vorwürfen kann ein treuer Bayer nur flüchten. Flucht hat man auch Franz-Josef-Strauß vorgeworfen. „Fühlen sie sich eigentlich gejagt und verfolgt?“ wurde er 1972 vom damals sehr erfolgreichen Journalisten Rudolf Rohlinger gefragt. Zuvor hatte Strauss versucht das Interview in seinem Interesse thematisch umzugestalten. Für den Bayern gibt es keinen Zweifel, dass die Anforderungen des bayrischen Kultusministeriums die Höchsten aller Höchsten sind. So akzeptiert Bayern denn auch nicht wirklich irgendeinen nordischen Abiturabschluss. Und München ist die heimliche Hauptstadt. Kein anderes Bundesland polarisiert in so vielen Bereichen und nimmt zugleich für sich in Anspruch die beste Qualität zu bieten. Und kein anderes Land schreit so sehr nach Demokratie, steht aber zugleich hilflos seinen Ressentiments in Sachen Ausländerzuwachs gegenüber. Wie man so einiges aus dem Leben mit dem Fußball vergleichen kann, kann man auch das bayrische Völkchen treffend genau über das Wirken einer 11-köpfigen, sehr erfolgreichen Mannschaft auf der Weltfußballbühne beschreiben. Da wäre zum Beispiel das Arroganz Lied das über die NDR zur Rückrunde der Bundesliga ausgestrahlt wurde, um die Bayern zur Weißglut zu treiben. Seltsam, so erfolgreich F.C Bayern auch sein mag, dennoch finden sie so viele Menschen arrogant. Warum hat eigentlich seit der Ausstrahlung der Quiz-Sendung auf KiKA ( und das ist seit 2008) keine bayrische Schulklasse den ersten Platz belegt? Es waren skurrilerweise genau jene Bundesländer denen man laschen Schulstoff zugeschrieben hatte. Der erste Sieger war Thüringen. Aber noch mal um es auf der Zunge zergehen zu lassen: Kein bayrisches Gymnasium war je erster! Als letzte Ölung könnte man die „Mitte“-Studien erwähnen, welche nun schon seit 2002 alle zwei Jahre von der Universität Leipzig durchgeführt werden. Unter der Leitung von Elmar Brähler kam die Studie zuletzt zum Ergebnis, dass Bayern das ausländerfeindlichste Bundesland ist. 33,1 Prozent, also jeder dritte Bayer, stimmt folgender Aussage zu: „Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen.“ Aber wir wollen ja nicht so sein. Einen Trost gibt es dennoch: Im Kontrast zu diesem peinlichen Studienergebnis steht die Tatsache, dass die Integration bundesweit in Bayern am besten funktioniert.

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