Erst kürzlich betitelte die Süddeutsche Zeitung Wladimir Putin als ewigen Präsidenten. Ewig kommt einem nicht nur die Amtszeit vor, sondern auch die von seinem Charisma ausgehende politische Dynamik. Denn seine kühle und scheinbar unvoreingenommene Weise auf der politischen Bühne zu polarisieren, verunsichert den Westen wie schon lange nicht mehr.

Seit eineinhalb Jahrzehnte steuert Putin nun Russland so selbstsicher und bühnenreif wie Boris Jelzin es sich in seinen Träumen hätte nicht vorstellen können. Alle Vorwürfe und diplomatischen Bemühungen scheinen an diesem Mann vorbeizugehen. Schlagfertig, direkt und risikobereit hat er der russischen Politik eine neue Taktik verliehen. Wirtschaftliche Aspekte und der Zuwachs an politischen Anhängern sprechen für den Erfolg seiner Politik. Dennoch wird dieser vielseitig begabte Wunderknabe vom ganzen Westen einhellig dämonisiert. Wie kein anderer russischer Politiker zuvor hat er Meilensteine gesetzt und die neuen Grundzüge des jugendlichen Patriotismus geprägt. Russland möchte in der Weltordnung des 21. Jahrhunderts kräftig mitmischen. Das hat Putin längst zu verstehen gegeben.

Zu den Meilensteinen gehört unter anderem die neue Ordnung der Wirtschaftspolitik. Als erster Präsident hat er es geschafft die Macht der Oligarchen nach seinen Vorgaben zu begrenzen. Neue politische Linien in der Bekämpfung des Terrorismus, der Einsatz für die Existenz mittelgroßer Unternehmen und die damit einhergehende Bürgernähe ließen seine Beliebtheit unaufhaltsam wachsen. Zu Beginn der letzten fünfzehn Jahre glaubte die Deutsche Regierung an Kooperationen in den wichtigsten Punkten. Die deutsch-russische Freundschaft war zwar angeschlagen, aber einen tiefgreifender Vertrauensbruch wurde ausgeschlossen. Inzwischen ist klar, dass Russland nicht vor hat sich zu beugen. Koste es was es wolle. Ein unmissverständliches Exempel seiner Unbeugsamkeit hat er in der Annexion der Krim gesetzt. Von der Verletzung der europäischen Friedensordnung will er nichts gehört haben. Und die Achtung der Pressefreiheit und Menschenrechte sind nur insofern von Bedeutung, als sie auch den Interessen der politischen Führung entgegenkommen. Im Ukraine-Konflikt hat er Europas Stimme übertönt. Auslöser war das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union, welche die Ukraine nicht unterzeichnen wollte.

Und immer ergaben sich zu den deutschen Medienberichten Ereignisse die diametral zu dem standen wovon ursprünglich ausgegangen wurde. Dann wurde es plötzlich Still um Russland und das mediale Interesse schwand, bis sich der Westen in der neu entflammten russischen Politik zur Homosexualität in seinem Urteil bestätigt sah. Aber Putin ist jemand der gerne vorsorgt. Und diese landestreue Vorsorge schließt globale Interessen aus. So wie er schon Monate vor dem Termin zur Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens diplomatischen Druck ausgeübt hatte um pro-europäische Sympathisanten politisch auszugrenzen. Immerhin ging es um 25 % Export das seinen Weg regelmäßig Richtung Russland nimmt. Die wirtschaftliche Hauptschlagader die von der Ukraine ausging sollte weiter bestehen. Hier sah sich Russland gezwungen in die Vollen zu gehen. Auf beiden Seiten wurde für und gegen Putin gekämpft. Ein Mann der es schaffte eine ganze Nation zu spalten ließ seine politischen Muskeln spielen. Oft drang in den Medien eine Anti-Putin Haltung innerhalb der Bevölkerung durch. Putin beeinflusse die Wahlen und sei aufgrund seiner politischen Position gar nicht bezwingbar. Und dennoch herrscht in Russland eine wahnhafte Putin Verherrlichung. Inzwischen ist er zur Kultfigur des russischen Erfolgs aufgestiegen. Vor allem junge Russen vergöttern Putin. Keine Spur von einer Anti-Putin Stimmung.

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