Unsere Fähigkeit soziale Beziehungen zu pflegen und zu knüpfen werden wesentlich durch unseren Onlinekonsum beeinflusst. So sind das Darstellungsbedürfnis und die Selbststilisierung über soziale Plattformen und der elektronischen Kommunikation zum komplexbehafteten Zwangsverhalten ausgewachsen.

Wer teilt meine Beiträge? Wer liked meine Posts? Wer antwortet mir? Dieses Bestätigungsverlangen zeugt von der dramatischen Verlagerung des gesunden Selbstbewusstseins in eine pathologische Erwartungshaltung gegenüber das soziale Umfeld. Dies hat weitreichende Folgen für das psychische Wohlbefinden zahlloser Jugendlicher die soziale Kontakte ausschließlich über das Internet knüpfen. Dabei bilden diese sozialpsychologischen Erscheinungen lediglich die Spitze des Eisbergs. So hat WhatsApp den Begriff und die Regeln der sozialen Interaktion grundlegend neu ausgerichtet. Miteinander zu sprechen wird als sensationsarm und langweilig empfunden. Begeisterung für Technik und die völlig neuen Möglichkeiten der Selbstdarstellung verschmelzen zu einer neuen Dimension zwischenmenschlicher Beziehung. Die Kommunikation ist neu strukturiert und richtet sich nach normativ angelegten und überschaubaren Sympathieschablonen. Das Verständnis und die Toleranz für Makel und menschliche Fehler ist gering bis nicht vorhanden. Umso auffälliger ist der Schaden der sich auf das Einfühlungsvermögen, die selbstkritische Haltung und das unvorbelastete Denken auswirkt. Ein weiteres Indiz dafür, warum junge Beziehungen am Alltagsstress zerbrechen. Denn das Bild des vermeintlichen Traumpartners welches über WhatsApp abgegeben wird gleicht in keinster Weise zur gelebten Realität und kollidiert mit den Anforderungen die sich innerhalb einer engen Bindung ergeben.

Jeder möchte sich im Internet von seiner Schokoladenseite zeigen. Die Angst vor der Wahrheit übersteigt das Bedürfnis mit gelebten Gefühlen in Erfahrung zu treten. Der Umgang mit eigenen Gefühlen ist eine Fähigkeit die sich in verschiedensten Phasen der Sozialisierung erst entwickeln muss. Diese wird jedoch schon im Kindesalter vom digitalen Konsum übertönt und praktisch ausgeschaltet. Eine von Meinungen und Anerkennung abhängige Persönlichkeit entsteht. Der Umgang mit Verlusten und die Kompetenz sich in bestimmten Situationen aus eigener Überzeugung heraus zu distanzieren, fehlen. Die Initiative selbstständig durch Erkenntnisse und Motivation an Wissen zu gelangen fehlt vollständig. Damit geht auch eine gleichgültige Haltung gegenüber Bildung und Kultur einher. Das sogenannte Mitschwimmen im Strom einer politischen oder moralischen Stimmung, die Leichtgläubigkeit und die fehlende Fähigkeit auf Menschen zuzugehen und deren Ansichten interpretieren zu können sind große Gefahren die sich aus der bedenkenlosen und exzessiven Nutzung von WhatsApp und ähnlichen Diensten ergeben. Zudem bleibt die nötige Muse zur Bearbeitung für das Erlebte aus. Ständig sind wir erreichbar. Unser Gehirn ist überfordert und lastet sein Leistungsvermögen unnötig aus. Menschen die sich im ständigen Kreislauf von Erwartungen und Bestätigungen befinden und sich übermäßig verausgaben sind unglücklicher, da sie ihr gesundes Selbstwertgefühl als unbedeutendes Zahnrad in die Mechanismen des digitalen Wahnsinns einbauen.

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