Sicher kennt der eine oder andere das Phänomen einen oder mehrere Menschen kennenzulernen und wird von diesem oder seinen Bekannten aus zunächst unerklärlichen Gründen nicht akzeptiert. Im Hintergrund steht dabei vor allem die vermehrt durch Internet beeinflusste Grundlage, welche als Schablone für eine ausgeglichene Beziehung im Sinne der aktuellen Ideale dient. So stellt man sich dabei eine grundlegende Frage. Warum signalisieren die anderen mich nicht zu mögen? Dabei kommt man zu der Erkenntnis, dass die Antwort einen viel tieferen Einblick erfordert, als zunächst angenommen.

Gastbeitrag von Tobias Bendrat

Schließlich muss man in Betracht ziehen, dass zwei mögliche Aspekte in Frage kommen. Diese gliedert sich in innere und äußere Betrachtungsweise. Bei der ersteren geht es häufiger um den primären Eindruck.  Die meisten Menschen geben auf diversen Singelbörsen an, dass ihnen das äußere Erscheinen nicht wichtig sei, sondern, dass ihre Suchkriterien sich mehr nach inneren Werten orientieren. Doch viele der Suchenden möchten es sich selbst nicht eingestehen, dass das äußere Erscheinungsbild des anderen mit den eigenen Vorstellungen und Hormonen auf Kollisionskurs stehen. Studien zufolge achten Frauen vermehrt auf das Äußere, wonach die inneren Werte in den Hintergrund geraten. Auch ist festzuhalten, dass die Kennnenlernphase oft ein Prozess des Aussortierens ist. Dieser Prozess steht mit vorschnellen Urteilen gegenüber den eigenen Idealvorstellungen in Diskrepanz. So wünscht sich eine breite Masse der Menschen einen Partner der gut zuhört, einfühlsam ist und sensibel auf die Wünsche und Bedürfnisse des potenziellen Partners eingeht. Diese Vorstellungen werden mit der Bedingung, den sozialen Stellungen und einer soliden Umgebung gerecht zu werden, ausgeschmückt. Es wiederholen sich in den Suchprofilen die gängigen Eckpunkte, welche durch Interesse am Partner, Treue, Ehrlichkeit und viel Humor gesetzt werden. Vielleicht erkennt sich der eine oder andere in diesen Grundzügen wieder. Dagegen kann angeführt werden, dass diese Bedingungen einer Enttäuschung entgegenwirken sollen. In Wahrheit ist darin ein anderer Beweggrund gegeben. Abgesehen von der Tatsache, dass nur wenige diesen Idealen entsprechen können, sind diese Vorstellungen sehr einseitig auf das „ICH“ bezogen. Erst nachdem alle ICH – Bezogenen Interessen ein Gegenstück aufweisen, folgen interaktiv ausgelegte Ansätze. Das Bestreben dem Gegenüber Bestätigungen und Werte zu vermitteln verliert sich in unserer impulsiven und schnelllebigen Gesellschaft.

Nun zu den äußeren Aspekten. Diese reduziert sich hauptsächlich auf den ersten Eindruck. Dabei ist das Bild des Partners regelrecht durch Medien und gesellschaftlich dominierenden Vorstellungen geprägt. Es hat sich eine einheitliche Vorstellung in der sexualisierten Kategorisierung des Partnerprofils etabliert. Ähnliche geschlechterspezifische Suchkriterien waren auch in der Renaissance präsent. Dem Schönheitsideal entsprachen dabei bleiche Haut und füllige Figur. Heute dagegen sind die durch den Modetrend suggerierten Vorstellungen eines trainierten Körpers angesagt. Frauen dagegen tendieren zu wahnwitzigen Wünschen die Taille einer Wespe zu haben. So haben es Menschen die sich außerhalb des modischen Trends bewegen, äußerst schwieriger Anschluss zu finden. Als weiterer Punkt ist zu berücksichtigen, dass durch die heute genutzten neuen Medien wie z.B. Facebook oder Whatsapp, eine sozial Inkompetente Gesellschaft herangezogen wird. Soziale Netzwerke und die ausgebaute digitale Basis erfordern viele Kontakte, um anerkannten sozialen Status zu erlangen. Auch werden auf sprachlicher ebene immer mehr gekürzte Sätze formuliert. Diese Tatsache ist ein Hinweis auf das immer weiter reduzierte Bedürfnis einer ausgiebigen und als erfüllend empfundenen Kommunikation. Das Verschicken von emotionsvermittelnden Smileys steht in engem Zusammenhang mit dem wachsenden Abstand zu einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Das soziale Umfeld des Partners, in welchen man keinen Einblick hat übt einen erheblichen Einfluss auf die sich entwickelnde und fragile Beziehung aus. Die Inklusion in eine geschlossene Gruppe wird durch die normative Erwartungshaltung der Zielgruppe, welche einen bestimmten sozialen Status voraussetzt, erschwert. Daraus resultiert, dass Beziehungen im engeren Sinne durch die bewusst herbeigeführte Distanz für neue Kontakte offengehalten werden. So lernt man heute Menschen weniger auf persönlicher Ebene kennen und wenn doch, bleibt ein unzufriedenes Gefühl zurück, jederzeit gegen jemand anderes ausgetauscht werden zu können.

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