Destruktive Folgen eines strafenden Konzeptes in sozialen Einrichtungen innerhalb der Suchthilfe.

Die meisten Konzepte einer sozialen Einrichtung basieren darauf, den Menschen zu helfen bzw. sie in ihrem Alltag zu unterstützen, um den Menschen ein autonomes Leben zu ermöglichen. Auch die Inklusion, welches von Seiten der Sozialreform angeordnet wurde, findet sich vermehrt wieder. Doch diese Konzepte werden nicht in allen Einrichtungen umgesetzt.

Gastbeitrag von Tobias Bendrat

So wird der Alltag von lang erfahrenen Mitarbeitern bestimmt, welches nicht immer zum Wohle des Bedürftigen beiträgt. Durch den Bildungsstand der langjährigen Mitarbeiter, welches auf pädagogische Grundsätze der 70er oder 80er basieren, ist somit deren fachliches Wissen auf ältere Konzepte ausgerichtet. Diese basieren eher auf der Grundlage, dem Menschen bei seinen Aufgaben im Alltag durch bestimmende Maßnahmen zu begleiten. Damit steht das Prinzip der Mündigkeit im Vordergrund. In Suchthilfeeinrichtungen findet sich diese Form häufiger. Grund dafür ist oft die persönliche Einstellung gegenüber dem Suchtkranken. So werden diese eher bestimmender und autoritärer betreut, da man davon ausgeht, dass diese Menschen den Anforderungen des Lebens nicht ausreichend gewachsen sind. So wird der Alltag der Suchtkranken immer streng strukturiert und gibt ihnen somit kaum Zeit sich mehr der Freizeit zu widmen.

Ein regulärer Tag reduziert sich im Ablauf auf das frühzeitigen Aufstehen mit der Einnahme von Medikamenten und Substitution, selbst am Wochenende. Anschließend werden die zu Betreuenden in die Arbeitstherapie gebracht, um so eine Wiedereingliederung in das Berufsleben zu unterstützen. Die Dauer der Arbeitstherapie gestaltet sich von Einrichtung zu Einrichtung individuell. Auch sind durch Mitarbeiter vorher bestimmte Freizeitmaßnahmen, wobei sich der Klient entscheiden muss, an welcher er teilnehmen möchte, gängige Praxis. Dem schließt sich erneut die Verabreichung der Medikamente, gefolgt von der nächtlichen Ruhe ab 22:00 Uhr. Innerhalb solch einem streng strukturierten Ablauf finden des Weiteren Selbsthilfegruppen, Einzelgespräche und Reflexionsrunden statt. Dabei achten die Mitarbeiter genau auf die Aussagen der Klienten, um frühzeitige Maßnahmen zu ergreifen. Das Ziel dieser Gruppen ist es sich konstruktiv mit Kritik auseinander zu setzen. Die Gefahr dabei ist, dass bei Entlassungen, diese die erlernten Struktur der Institution nicht im eigenen freien Umfeld umzusetzen wissen, da im Leben außerhalb der Einrichtung Fachbetreuung oder therapeutische Begleitung ausbleiben.

Auch finden sich mehr sanktionierende Maßnahmen, wenn die vorgegebenen Richtlinien oder die Hausordnung nicht eingehalten werden. Bei den Gesprächsgruppen wird häufiger auf begangene Fehler aufmerksam gemacht, um diese in zukünftigen Situationen zu vermeiden. Die meisten Zuständigen in den Einrichtungen verfolgen vielmehr einen negativen Grundton in ihrem Betreuungsleitbild. Daraus resultiert eine angstbesetzte Stimmung ständig Fehler zu machen. Oft entsteht auch die Angst sich dem Betreuer bei Problemen zu öffnen, um einer möglichen Sanktion auszuweichen. Dabei sind Rückfälle vorprogrammiert. Als weiterer Aspekt kommt hinzu, dass die Betreuer verpflichtet sind eine gewisse Distanz auf emotionaler Ebene zu halten. Häufiger wird dies damit begründet, sich besser abgrenzen zu können und fachlicher und konsequenter zu arbeiten. Doch die Pädagogik lehrt uns heute, dass es Möglichkeiten gibt, trotz einer guten Bindung, Grenzen bezüglich des Verhaltens und Werte einer angemessenen Bindung zu signalisieren. Durch die Schaffung einer guten Bindung zum Klienten ergibt sich  eine vertrauensvolle Umgebung. Auch sind die Menschen auf emotionaler Ebene besser zu erreichen. Wenn ein Mensch nicht andauernd mit der Angst konfrontiert wird, auf einen Fehler folgend bestraft zu werden, geht dieser offener mit Rückfällen um. Auch Mitarbeiter kommen mit einem weniger strafenden Konzept besser zurecht. So treten Ängste, die Meinungen frei zu äußern zurück und Intrigen wird der Raum genommen. Auch können diese besser ihre eigenen Fehler akzeptieren und schaffen eine gesunde Grundlage damit umzugehen, wenn dies nicht in Großteams besprochen und behandelt werden. Die Versuche sich untereinander zu dominieren, um nach Belohnung und Anerkennung zu trachten treten zurück, wenn anstelle von Strafe Lob eingesetzt wird. Deshalb sollte die Schaffung einer guten Bindung, sowie einer angstfreien Atmosphäre eine der tragenden Zielsetzungen im Rahmen der tagesstrukturierenden Betreuung sein.

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