Kein anderer Name taucht in den verschiedensten wissenschaftlichen, ideologischen und religiösen Wettläufen um Richtigkeit und moralischen Führungsanspruch so oft auf wie der des weltberühmten und hochgeachteten Ulmer Physikers Albert Einstein. Seine Beliebtheit setzt sich über alle sozialen und politischen Grenzen hinweg und durchbricht jedes ethnische und politische Hindernis. Er verkörpert wie kein anderer Wissenschaftler zuvor die Einheit von Intelligenz und sozialer Verantwortung, Humor und Weisheit, Philosophie und Lebensnähe. Dabei hat er einen solchen Anspruch noch nie erhoben. Einstein überwindet selbst die festgefahrene und schier aussichtslose Trennung von Wissenschaft und Religion und erkennt Gott als jenen an, der alles worüber wir Wissen erlangen können, in Gang gesetzt hat. Vermutlich, und das hätte ihn wenn er heute noch leben würde nie in eine Erklärungsnot gebracht wie es anderen Wissenschaftlern oft widerfährt, wusste er, dass auch die Wissenschaft immer wieder unweigerlich auf eine Hypothese des Ursprungs stößt und stoßen wird.

Er hat das Staunen-Können bis zum Schluss behalten. Während andere Wissenschaftler alle Beobachtungen und empirischen Sammlungen als gegeben hinnahmen, verband Einstein mit der beeindruckenden Natur eine tiefe Dankbarkeit die er gerne in Sätzen zum Ausdruck brachte, die einen Gott nicht ausschließen. Heute beschäftigt sich die Wissenschaft mehr damit eine Mauer um die göttliche Weltanschauung zu bauen, verwickelt in aktuelle Kulturkriege um Erfindungen und wissenschaftliche Oberhand. Wissenschaft aber sollte Konflikte lösen und nicht verursachen. Sie muss zugleich eine sanfte und alles durchdringende menschliche Macht sein. Genau das hat Einstein vermutlich gewusst. Er hat es nicht nur gewusst, sondern leidenschaftlich in seine klugen Aphorismen die in den Netzwerken heute um die Welt gehen, mit eingebaut. Und gerade diese Haltung verleiht ihm den sicheren Auftritt in allen erdenklichen ungelösten und strittigen Fragen. Ein echter Professor also, der nicht blockiert sondern in zuversichtlicher Weisheit Wege schafft. Oft ist er aus diesem Grund haltlosen und irrsinnigen Annahmen, die es nicht lohnt anzuführen, ausgesetzt. Das Schlimme ist, dass diese erfundenen Geschichten auch aus wissenschaftlichen Kreisen kommen. So mancher möchte ihn am liebsten von seinem ungewollten Thron schubsen und ihn auf seine jüdischen Wurzeln reduzieren. Doch auch hier stoßen Gegner auf kein Defekt der ihnen dafür Raum bieten könnte. Denn über diesen wusste Einstein am besten Bescheid.

Er der vaterhaft wirkende Lehrer einer außer Kontrolle geratenen Menschheit. Er, der uns schon Jahre zuvor vor unseren mit Habgier verbundenen Fähigkeiten gewarnt und die Intelligenz auch als Gefahr gesehen hatte. Er, der vor verheerenden Kriegen gewarnt hatte. Denn Einstein wusste auch, dass Menschen im Gegensatz zu Gott tatsächlich würfeln. Als Pazifist und Sozialist rief er friedensstiftend in die Welt hinaus. Er wusste wie es ist verfolgt und gehetzt zu sein und kannte viele Abgründe des menschlichen Lebens. Dementsprechend wirkte er nahezu weltverändernd. Seine Relativitätstheorie öffnete die Tür in eine neue wissenschaftliche Ära und ließ uns Dinge die wir beobachten besser verstehen. Seine 1905 erschienene Arbeit mit dem Titel Zur Elektrodynamik bewegter Körper, wird heute als spezielle Relativitätstheorie bezeichnet. Wesentliche Grundzüge der Quantenphysik gehen auf die langjährige Arbeit des Genies zurück. Seine wissenschaftlichen Leistungen gipfeln im Friedensnobelpreis des Jahres 1921, welchen er 1922 erhält. Seine ablehnende Haltung zu Deutschland blieb bis zu seinem Tod. Er sah in den folgenden Reue- und Schuldgefühlen die in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung wahrzunehmen waren, kein ausreichendes Gegengewicht zum Verbrechen der Nazis. Heute überkommt uns ein Gefühl des Respekts wenn wir seinen Namen erwähnen oder hören. Denn er bevorzugte es eher mit Menschlichkeit als mit Denkkünsten aufzutreten.

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