Bewusstsein, Persönlichkeitsmerkmale und Begabungen bilden sich in den ersten zwei Lebensjahren stärker als in jedem anderen Zeitraum aus. Denn genau dann befindet sich das Gehirn in der Phase seiner stärksten Veränderungen. Das Birbeck College der University of London führt spezifische Experimente im eigens dafür eingerichteten Babylap, bei dem mit Infrarotlicht gearbeitet wird.

Hier wird die Blickrichtung des Kindes abgefangen und berechnet. Postdoktorandin Jannath Begum Ali überprüft die auf dem Monitor wiedergegebenen Daten. Kinder sind in den ersten Jahren zu unruhig für die Kernspinröhre und können dennoch für andere Standardmethoden nicht wach genug bleiben. Das erschwert die Arbeit in besonderer Weise. Auch können sie nicht klaren Anweisungen folgen. Aus diesem Grund bleibt die Blickrichtung des Kindes weiterhin das einzige Kommunikationsmittel aus dem die Forscher mögliche Interessen und die daraus abgeleiteten Entwicklungsmerkmale herauslesen können. Der verbreiteten Behauptung vieler Studien, dass Babys Ziele erkennen und Zusammenhänge verstehen können, steht die Kritik des Psychologen Jerome Kagan von der Harvard University in Cambridge in Massachusetts entgegen. Denn es werde lediglich mit der Veränderung der Blickzeiten gearbeitet. Doch das Birbeck Baby-Labor arbeitet nicht nur mit der Blickrichtung von Kleinkindern.

Erstmals wurde hier bei Kindern die Methode der Nahinfrarot-Spektroskopie (NIRS) eingesetzt. Dabei gibt die ermittelte Farbe des Bluts Aufschluss über den Sauerstoffgehalt und die damit zusammenhängenden Gehirnaktivitäten. Die Ergebnisse werden durch weitere Prozesse untermauert. Das Institut in London gehe mit seinen Forschungen in dieser Richtung weltweit voraus, da es „jede denkbare Methode für die Forschung an Babys eingesetzt”, so Richard Aslin, Spezialist für frühkindliches Verhalten und Direktor des Rochester Center for Brain Imaging in New York. Die Forschungen im Baby-Labor die die neuronalen Aktivitäten bestimmter Bereiche zeigen, eröffnen möglicherweise eine Reihe von Methoden Frühdiagnosen voranzubringen. Zum Beispiel könnten auffällige Veränderungen in der Hirnantwort auch mit dem Autismus in Verbindung stehen. Im Jahr 2013 startete das Projekt, indem Risiken für Autismus-Spektrum-Störung (ASS) oder Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) von der 12. Woche an erforscht werden sollen. Der Direktor des Babylabs Mark Johnson erhielt für die Errichtung eines Kleinkindlabors im Jahr 2014 umgerechnet 3,16 Mio. Euro. Die Einrichtung bietet in Zukunft die drahtlose Beobachtung mittels Elektroenzephalogramms (EEG), mittels NIRS und Eye-Tracking. Auch während der körperlichen Bewegung. Auf diesem Weg wollen die Forscher der Entwicklung des frühkindlichen Gehirns auf den Grund gehen.

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