Die Erkenntnisse der Tiefenpsychologie über den Einfluss des unbewussten Bereichs im Rahmen der vom Neuropsychologen Sigmund Freud begründeten Psychoanalyse sind nun in ihrer Grundauslegung in Bezug auf bewusste Absichten durch Forscher widerlegt worden.

Schon seit den Arbeiten Sigmund Freuds wurde bislang unangefochten akzeptiert, dass unser unbewusstes Autonom nicht von unserem Bewusstsein kontrollierbar ist. Unser unbewusstes Verhalten und die damit zusammenhängenden Prozesse unterliegen einer aussortierenden Regulation in der das Bewusstsein die zur Absicht passenden unbewussten Vorgänge im Gehirn anpasst, so dass unser entscheidungsgeleitetes Bewusstsein unbewusste Tendenzen abschwächt. „Wir sind also keinesfalls Sklaven unseres Unbewussten, wie lange Zeit angenommen“, so Markus Kiefer, Professor an der Universität Ulm. Er hat die Forschungsarbeiten geleitet und ist Sprecher eines deutschlandweiten Projektnetzwerkes zur Bewusstseinsforschung. Bewusste Absichten und Vorsätze haben somit erheblichen Einfluss auf automatische Systeme in unserem Gehirn von denen wir bislang zu wissen glaubten, dass sie uns hemmungslos steuern würden. Die Forscher konnten nachweisen, dass Vorsätze den unbewussten Informationsfluss steuern. Entsprechende Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Human Brain Mapping veröffentlicht.

In der Studie der Ulmer Universitätsklinik für Psychiatrie wurden die Gehirnaktivitäten der Probanden einem sogenannten Priming ausgesetzt, in dem die Reaktion auf ein Zielreiz von einer vorausgehenden Präsentation (Bahnungsreiz) beeinflusst wird. Der Begriff Priming bezeichnet dabei die Beeinflussung der Verarbeitung eines Reizes durch Bild und Worterscheinungen. Diese Reize aktivieren vorhandene (implizite) Gedächtnisinhalte. Dieser Vorgang in dem spezielle Assoziationen aktiviert werden geschieht zum größten Teil unbewusst. Die Forscher haben die Gehirnaktivitäten der Probanden beim Ablesen von Wörtern mittels eines Magnetresonanztomographen gemessen. Zuvor wurden für eine sehr kurze Zeit Bahnungsreize eingeblendet, so dass sie nicht bewusst wahrnehmbar waren. Dabei wurde die Erkennenszeit der folgenden Wörter durch die zuvor bedeutungsmäßig verwandte Reize beschleunigt, wenn die Probanden die Absicht hatten die Bedeutung der Wörter zu verstehen. Haben sie sich lediglich vorgenommen auf die Form von Buchstaben zu achten und die Wortbedeutung ignoriert, zeigten die Bahnungsreize keinen Einfluss auf die Erkennenszeiten. Aber nicht nur die Messung der Erkennenszeiten, sondern auch die der Gehirnaktivitäten konnten ein gleiches Muster liefern. Durch die bewussten Absichten der Probanden auf Form oder Bedeutung zu achten konnte die Etablierung unterschiedlicher Netzwerke von Hirnarealen, welche die Verarbeitung der unbewusst wahrgenommenen Reize beeinflussten, beobachtet werden.

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