Die Universitätsbibliothek in Berlin ist seit letzter Woche um zwei bedeutsame Drucke aus der barocken Zeit reicher geworden. Es handelt sich um Werke aus dem Vorbesitz von den Gebrüdern Jacob und Wilhelm Grimm. Ein Werk ist eine Ausgabe des Schelmenromans Simplicissimus von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, in dem auf satirische Weise die Grausamkeiten des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) behandelt werden. Es ist eine Fassung von 1685. Das andere ist ein medizinischer Lehrroman des Dichter-Arztes Johann Christoph Ettner (1654-1724), der in seinen Romanen detailreiche Einblicke in die damalige medizinische Praxis bietet. Die unvorsichtige Heb-Amme heißt das aufgetauchte Werk, das 1715 in Leipzig erschienen ist. Ein Münchener Auktionshaus, dem die Werke angeboten wurden, erkannte die darin befindliche Bibliothekssignatur und kontaktierte die Universitätsbibliothek. Es wird gemutmaßt, dass die aus Pergament hergestellten Bände aus dem frühen 18. Jahrhundert mehrmals den Besitzer wechselten. Die Werke wurden in ein Salzbergwerk in Sachsen-Anhalt ausgelagert. Ab diesem Zeitpunkt seien keine gesicherten Erkenntnisse bekannt. Die Gebrüder Grimm sind inzwischen dafür bekannt, ihre gesammelten Werke mit handschriftlichen Notizen und Vermerken übersät zu haben. Darin zeigt sich auch, wie sehr die leidenschaftlichen Büchersammler mit den in ihrer Privatbibliothek gesammelten Werken beschäftigt waren. Der Krieg bedingte, dass wertvolle Bestände der Sammlungen außerhalb Berlins verlagert wurden. Dennoch waren nach Kriegsende tausende der Bände unwiederbringlich verschwunden. Die 1865 an die Berliner Universitätsbibliothek übergebene Privatbibliothek wurde damals vom Preußischen Staat erworben.

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