Der sich rasant ausbreitenden Infektionskrankheit Chikungunya soll nun durch die bilaterale Zusammenarbeit des Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie und dem Pariser Pasteur Institut paroli geboten werden. Das sich in Südamerika und der Karibik ausbreitende und durch Mücken übertragene Chikungunya-Virus bewegt sich bedrohlich nach Südeuropa und in die südlichen Staaten der USA.

Das Virus, dessen Diagnose nur durch eine Blutuntersuchung gestellt werden kann, macht sich mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber und Gelenkschmerzen bemerkbar. Beweggrund der Kooperation ist eine möglichst schnelle und effiziente Reaktion auf die Virusinfektion für das bislang ein Impfstoff fehlt. Der neu getestete Therapieansatz sieht die Kombination zweier Verfahren vor: Zum einen ist das die Hochdurchsatz-Analyse von Wirtszellproteinen, die für die Vermehrung des Virus Voraussetzung ist. In der automatisierten Methode werden im Hochdurchsatz bis an Millionen von Substanzen Tests durchgeführt. Zum anderen die Verwendung von Substanzen, die sich schon bei anderen Erkrankungen bewährt haben und von denen bereits zwei das Virus in Tieren erfolgreich unterdrücken konnten. Die positiven Ergebnisse lassen auf neue Behandlungsmöglichkeiten hoffen.

Forscher um den Infektionsbiologen Thomas F. Mayer machen in der neu erarbeiteten Strategie Proteine ausfindig, die bei der Virus-Infektion eine Rolle spielen. Im weiteren Verfahren werden Substanzen die gegen genau diese Proteine wirken zur Verhinderung der Infektion verwendet. Damit folgen die Wissenschaftler der Überlegung, dass sich alle Krankheitserreger über Proteine vermehren, die von der Wirtszelle gebildet werden und auf diese angewiesen sind. Im Vordergrund steht also die Identifikation essentieller Proteine der Wirtszelle. Um herauszufinden ob sich das Virus trotz fehlender Gene ausbreiten kann, schalteten die Forscher des MPI in Berlin einzelne Gene in menschlichen Zellen aus und infizierten diese mit dem Virus. Die Analyse brachte mehr als 100 Wirtsproteine hervor, die das Chikungunya-Virus zur erfolgreichen Vermehrung braucht. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe um Marc Lecuit am Pasteur-Institut, den Kollaborationspartnern am Steinbeis-Innovationszentrum und der Charité in Berlin, der Universität München und dem Institut für Technik in Tartu, Estland, wurde nach bereits bekannten Stoffen mit einen Effekt auf die vielversprechendsten Wirtsfaktoren gesucht. Anhand der auserwählten Stoffe wurde der Verlauf des Virus innerhalb der Zellkulturen lebender Tiere getestet bei dem zwei Substanzen die Chikungunya-Viren in Mäusen ohne toxische Nebeneffekte hemmten.

Zu den guten Neuigkeiten gehört auch, dass es erfolgreiche Aussichten auf antivirale Medikamente mit breitem Einsatzbereich gibt. Der Virologe Alexander Karlas vom MPI für Infektionsbiologie hob hervor, dass ein Vergleich der Gene mehrerer, nichtverwandter Viren hervorbrachte, dass es Wirtszellenproteine gibt, die nicht nur vom Chikungunya-Virus, sondern auch von anderen Viren benötigt werden.

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