Explosionen auf den Straßen, aufgebrachte Menschenmassen, tieffliegende Kampfflugzeuge und die Besatzung vom Armeehauptquartier. Der Anblick von Panzern und Soldaten die Brücken und Flughäfen besetzten, zeigte heute Nacht bügerkriegsähnliche Zustände in einem sonst so straff geführten Land. Teile des türkischen Militärs haben unter der Führung einiger Generäle in der Nacht von Freitag auf Samstag einen Putschversuch gestartet. Das Präsidialamt hatte standhaft Gerüchte von einer angeblichen Übernahme der Macht durch das Militär in der Nacht verneint. Inzwischen hat der Chef des Geheimdienstes MIT, Hakan Fidan erklärt, dass die kurz vor Ende stehende Operation gegen die Putschisten noch einige abschließende Untersuchungen anstellen werde, weshalb die Ermittlungen noch anhalten könnten. Der erfolglose Staatsstreich brachte nach Angaben der Behörden über 161 regierungsuntreue Tote, darunter Sicherheitskräfte und 47 Zivilisten. Neben 104 getöteten Putschisten wurden 1140 Menschen verletzt. Die Zahl der Toten nimmt auch nach dem vereitelten Putschversuch zu und ist nach Angaben auf 265 gestiegen. Doch das Ausmaß der Gewalt wird erst klar, wenn nach und nach Fälle von durch Zivilisten misshandelten und getöteten Putschisten zutage treten. Der Urheber des Militärputsch wurde schnell fest gemacht. Präsident Erdogan machte den im US-Exil lebenden Prediger Fetullah Gülen für den Aufstand verantwortlich. Dieser weist die Vorwürfe zurück. Kurz vor Mittag wurde die zurückgewonnene Kontrolle durch die Regierung von Ministerpräsident Yildirim bestätigt. US-Außenminister John Kerry erklärte, dass die USA die Auslieferung des Predigers bei einem entsprechenden Antrag der türkischen Regierung nicht ausschließe. Die USA erklärten sich bereit, an den Ermittlungen mitzuwirken. Erdogan verkündete, das Militär vollständig säubern zu wollen und ließ durch die Verhaftung von über 1500 Soldaten seinen Worten Taten folgen. Fünf Generäle und 29 Oberste mussten ihren Posten räumen. Seine Vergeltungspläne fasste Erdogan in klare Worte: „Sie werden einen sehr hohen Preis für diesen Verrat zahlen.“ Ministerpräsident Yildirim bestätigte, dass seine Regierung eine Gesetzesänderung in Betracht ziehe, um die Drahtzieher des Putschversuchs mit dem Tot zu bestrafen. Man wolle durch dieses Exempel eine Wiederholung solcher Staatsstreiche unterbinden. Die Polizei und das Militär lieferten sich schwere Schusswechsel bei dem mehrere Polizisten tödlich verletzt wurden. Vermeintliche Augenzeugenberichte verbreiten sich im Netz, nachdem mehrere Putschisten durch Anhänger der Regierungspartei am Bosporus misshandelt und geköpft wurden. Eine offizielle Bestätigung ist bislang ausgeblieben.

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