Die Korrespondenz zwischen der Sugar Research Foundation, dem damaligen Verband der US-Zuckerindustrie und den Forschern Roger Adams, University of Illinois und D. Mark Hegsted von der Harvard Universität, gibt Aufschluss über eine interessengeleitete Studie, die auf Anlass der Sugar Research Foundation in den Sechzigern gestartet wurde. Eine entsprechende Analyse historischer Dokumente wurde im JAMA Internal Medicine veröffentlicht. Dies konnte ein Forscherteam um Stanton Glantz von der Kalifornien Universität in San Francisco in Archiven von Universitäten ausfindig machen. Der plötzliche Anstieg von Herzinfarkten in den USA der 50er und 60er Jahre ließ zwei Fehlverhalten in der Ernährung vermuten. Der britische Ernährungswissenschaftler John Yudkins sah die Ursache im zunehmenden Konsum von Zucker und zuckerhaltigen Getränken, der US-Wissenschaftler Ancel Keys dagegen sprach den Verzehr von gesättigten Fettsäuren schuldig, das nach seiner Ansicht der Grund für den Anstieg des Cholesterinspiegels und damit der folgenden koronaren Herzkrankheiten ist. Letzterer Zusammenhang ist heute bestätigt. Scheinbar fühlte sich die US-Zuckerindustrie von dieser öffentlichen Debatte bedroht und intervenierte Kurzerhand zu seinen Gunsten, in dem es durch eigens initiierte Forschungsaufträge eine Übersicht zu den Ernährungsursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenstellen ließ, welche im Juli 1967 im New England Journal of Medicine erschien. Der Konsum von hohem Zuckerverzehr sollte beschönigt werden. Der Druck muss enorm hoch gewesen sein. Ungünstigerweise wurde nämlich zur selben Zeit im Annals of Internal Medicine publiziert, dass der Blutzucker als Indikator für eine spätere Atherosklerose besser dienlich ist als das Serum-Cholseterin. Publiziert hatte diese Ergebnisse der Ernährungswissenschaftler der Harvard University School of Public Health Fredrick Stare. In ihm sah der Zuckerverband auch die rettende Lösung. In dem kurz darauf folgenden Projekt 226 sollte eine wissenschaftliche Übersicht zum Thema Kohlenhydrate und Cholesterinstoffwechsel zusammengestellt werden, für den die Forscher Robert McGandy und Mark Hegstedt beauftragt wurden. Als Leitautor sollte Fredrick Stare agieren. Hegstest wurde vom Verband ein Honorar von 500 US-Dollar (heute 3.800 US-Dollar) und MCGandy ein Honorar von 1.000US-Dollar (heute 7.500 US-Dollar) angeboten. Glantz konnte hervorbringen, dass beide Forscher am Ende 6.500 US-Dollar (heute 48.900 US-Dollar) erhalten haben.

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