Der internationale Überblick über die Lebenserwartung verschiedener Bildungsschichten, den die Forscher Domantas Jasilionis und Vladimir Shkolnikov vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock in der Fachzeitschrift Gerontology publiziert haben, gibt klaren Aufschluss über Mortalitätsverhältnisse innerhalb verschiedener Bildungsschichten.

Der weltweite Anstieg der Lebenserwartung weist nach internationalen Studien eine besonders starken Anstieg unter den Hochgebildeten Schichten auf. In fast allen Ländern ergibt sich aus den Studien eine besonders hohe Lebenserwartung bei hochgebildeten Menschen. Europäische Studien weisen immer weiter wachsende Differenzen der Lebenserwartung innerhalb der verschiedenen Bildungsschichten auf. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung zeigen in den Ergebnissen ihrer Untersuchungen, dass bei der durchschnittlichen Lebenserwartung durchaus von einem wachsenden Trend nach oben ausgegangen werden kann. Dabei ist die Lebenserwartung in den skandinavischen Ländern Belgien, Frankreich, Finnland und der Schweiz bei den Hochgebildeten stärker angestiegen, als in jenen Ländern, in denen das Bildungsniveau vergleichsweise niedrig ist. Die Unterschiede zwischen den Bildungsschichten sind besonders in Litauen, Estland und Russland auffällig. Im Letzteren wirkt sich der Bildungsgrad besonders krass auf die Lebenserwartung aus. Hier sterben Männer mit der geringsten Bildung im Schnitt 13 Jahre früher.

Weiter zeigten die Untersuchungen, dass selektive kleine Gruppen Spitzenwerte erreichen. Religiöse Kleingruppen wie die Mormonen oder die Sieben-Tags-Adventisten erreichen Studien zufolge in den USA und Norwegen hohe Alter. Diese übersteigen auch die bekannten Rekord-Länder. Auch in Bezug auf akademische Organisationen wie die Royal Society, oder Akademien in Deutschland konnten hohe Lebenserwartungen verzeichnet werden. Untersuchungen innerhalb konventioneller Bevölkerungsgruppen zeigen einen Rückgang der Sterblichkeit innerhalb der wissenschaftlichen Elite, wiewohl hier ohnehin vergleichsweise eine niedrigere Sterblichkeitsrate bekannt ist. Die Behandlungsmöglichkeiten von Herz- und Kreislauferkrankungen haben in allen Bildungsschichten zur niedrigeren Sterblichkeit insbesondere ab dem 65 Lebensjahr geführt. Das konnten sich vor allem Menschen aus der höheren Bildungsschicht zunutze machen, wie Altersgruppen der Bildungsschichten zeigen. Seit den 1970er Jahren wuchs der Unterschied zwischen Hochgebildeten und anderen Bevölkerungsschichten unter finnischen Männern von 4,4 auf 6 Jahre. Damit wuchs aber auch richtungsweisend der enthaltene Anteil jener Gruppe, dessen geringere Sterblichkeit im Alter ab 65 auf gute Bildung zurückgeführt werden konnte von 17 Monate auf 24 Monate. Viele der frühen Todesfälle in Ländern mit geringerer Bildung seien vermeidbar, so die Autoren der Studie. Ein weiteren Anhalt für die steigende Tendenz in der Lebenserwartung, die sich auch in anderen Ländern entwickeln könnte, ist eine Studie zur Lebenserwartung schwedischer Männer zwischen 1988 und 1999. Davon ist die Hälfte des Anstiegs der Lebenserwartung ab 30 Jahren auf einen verbesserten Bildungsstand zurückzuführen.

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