Wissenschaftler der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA haben in einer Studie die Auswirkungen des im Winter 2015/16 über den Antarktis gezogenen Zyklons ausgewertet und veröffentlicht. Die Einwirkungen des Sturms auf das Meereis und die Entwicklungen der Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit, basieren auf den verwendeten Daten der NASA Atmospheric Infrared Sounder (AIRS)-Instrument an Bord des Aqua-Satelliten.

Die Abdeckung der Eisschicht in der Größe Floridas, wich verursacht durch den Zyklon nordwärts zurück“, so Linette Boisvert, Hauptautorin der Studie und Meereiswissenschaftlerin am NASA Goddard-Space-Flight-Center in Greenbelt, Maryland. Die Forschergruppe um Boisvert verglich die Daten mit den seit 2003 durch die AIRS aufgezeichneten extremen Verhältnissen. Wenn man die Ergebnisse mit anderen extremen Winterereignissen vergleicht, so Boisvert, entpuppt sich die sogenannte AIRS-Periode als die bislang wärmste.

Am 28. Dezember 2015 konnte der Zyklon in der Mitte des Nordatlantiks lokalisiert werden. Von dort aus bewegte er sich in Richtung Vereinigtes Königreich und Island. Dort angekommen, setzte er seine Route fort und kam am 30 Dezember in der Arktis an, wo er sich einige Tage aufhielt. Zur Hochzeit des Sturms waren die Lufttemperaturen in den Regionen des Kara-und Barentsees nördlich von Russland um 10 Grad wärmer als der seit 2003 gemessene Durchschnitt. Zur Ermittlung der Einwirkung des Sturms auf die Meereisbedeckung, wurden Analysen zur Windgeschwindigkeit, Daten von passiven Mikrowellen und ein Meereseismodell herangezogen. Die Eisbedeckung der arktischen Gewässer verlor durch den Winter-Zyklon, der mit enormer Hitze und Feuchtigkeit das Gebiet überquerte, an Dicke. Für gewöhnlich kehrt um diese Jahreszeit eine Kälteperiode ein, die das Eis dicker und stärker werden lässt. Extrem warme und feuchte Luft, die mit dem Zyklon einherging setzte Energiemassen frei, welche mit dem Energieverbrauch von 500.000 amerikanischen Haushalten gleichgesetzt werden kann. Bedingt durch dieses Extrem, schmolz das Meereis in der Gegend um 10 Zentimeter.

Um die Zeit des arktischen Winters sind die Atmosphäre und die Oberfläche des Eises sehr kalt, während der Ozean wärmer ist. So überträgt sich die Wärme vom Meer zur Atmosphäre. In diesem Fall aber war das Muster umgekehrt und die Wärme übertrug sich von der Atmosphäre auf die Gewässer, so die Meldung der NASA. So blieb das Wetter nach dem Sturm in den Regionen der Kara- und Barentseen wärmer, als der bisherige Durchschnitt im Januar. Die Wissenschaftler vermuten, dass dieser Umstand das Meereis daran hinderte, sich zu erholen. In den ersten drei Monaten dieses Jahres wurden nach Angaben der Raumfahrbehörde durch den Satelliten die bislang niedrigsten Eiswerte in der Meeresregion um Karasee und Barentsee gemessen.

Nach Modellprojektionen der arktischen Meereisbedeckung, schließen die Wissenschaftler, dass die Eisdicke in den kommenden Jahrzehnten weiter abnehmen wird, was wiederum die Anfälligkeit der Meereisbedeckung für Winterstürme erhöht.

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