Die Hälfte der 85 % Prozent an Leukämie erkrankten Menschen werden nach einer scheinbar erfolgreichen intensiven Chemotherapie wieder von der Krankheit eingeholt. In diesen Fällen wurden die Leukämie-Zellen nicht vollständig zerstört. Der akuten Myeloischen Leukämie, eine von vielen anderen Formen der Leukämie, wird ein heimtückischer Verlauf nachgesagt. Eine Gruppe von internationalen Forschern hat in Zusammenarbeit mit der Münchner Studiengruppe um Dr. Klaus Metzeler und Dr.Tobias Herold des LMU- Klinikums ein Diagnoseverfahren entwickelt, welches eine erfolgreiche Vorhersage ermöglicht. Die Studie wurde im Wissenschaftsmagazin „Nature“ veröffentlicht. Den Forschern ist es gelungen, einen Rückfall bei Patienten vorherzusagen. Dieser Fortschritt eröffnet einen neuen Weg zur optimierten Therapiebehandlung von Patienten mit Myeloischer Leukämie. „Die neue Methode hat das Potenzial, eines Tages in die Routinebehandlung von AML-Patienten einzuziehen“, so Dr. Klaus Metzeler.

Durch genetische Veränderungen in den blutbildenden Stammzellen im Knochenmark entstehen Leukämien, die zur Vermehrung der weißen Blutkörperchen führen. Die sogenannten Leukämiezellen breiten sich aus und verdrängen die Blutbildung im Knochenmark. Schon seit Jahren ist die Rolle leukämischer Stammzellen im Fokus kanadischer Forscher. Ihnen wird zugeschrieben, gegen Medikamente resistente und aggressive Formen der AML auszulösen. Dem neuen Diagnoseverfahren geht eine im Jahr 2013 durch Prof. Wolfgang Hiddemann, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Klinikum der Universität München, durchgeführte Forschungsarbeit voraus. Hiddemann leitet die bundesweite AMLCG-Studiengruppe (für Acute Myeloid Leukemia Cooperative Group). Über ein Jahrzehnt wurden Blut- und Knochenmarksproben von Patienten gesammelt und tiefgefroren die noch immer zur Analyse neuer Methoden gebraucht werden. Dadurch gelang nach Äußerungen von Prof. Dr. Wolfgang Hiddemann der Nachweis, „dass Patienten mit bestimmten Molekül-Muster in den Leukämiezellen deutlich schlechtere Überlebenschancen haben“. Jedoch beschränkte sich der Einsatz dieses Wissens aufgrund der Menge der nachzuweisenden Moleküle nur auf Forschungslabore. Ein Nachweis im routinemäßigem Prozess blieb zunächst aus. Nach neuer Berechnung durch Forscher aus Toronto können sich die nun nur noch 17 Moleküle mit einem neuen Testverfahren leicht ermitteln lassen. Für die Verfahrensprüfung wurden die Daten der Patienten des Klinikums der Universität München herangezogen. Die Methode bestätigt sich durch andere weltweite Patientengruppen, bei denen die 17 Moleküle ebenfalls auf AML hinweisen. In Zukunft planen die Forscher die weitere Überprüfung der Methode an neu diagnostizierten Patienten.

Originalpublikation

A 17-gene stemness score for rapid determination of risk in acute leukaemia“: Stanley W. K. Ng, Amanda Mitchell, James A. Kennedy, Weihsu C. Chen, Jessica McLeod, Narmin Ibrahimova, Andrea Arruda, Andreea Popescu, Vikas Gupta, Aaron D. Schimmer, Andre C. Schuh, Karen W. Yee, Lars Bullinger, Tobias Herold, Dennis Görlich, Thomas Büchner, Wolfgang Hiddemann, Wolfgang E. Berdel, Bernhard Wörmann, Meyling Cheok, Claude Preudhomme, Hervé Dombret, Klaus Metzeler, Christian Buske, Bob Löwenberg et al.

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