Die Bekanntgabe des dänischen Spielzeugherstellers Lego, fünf bedeutende Frauen der US-Raumfahrt in ein Set aufzunehmen, stellt einen wichtigen Schritt in der gesellschaftlichen Anerkennung der weiblichen Leistungen im Bereich der Forschung dar. Sich sehr schnell im Kinderzimmer verfestigende Vorstellungen über begrenzte Fähigkeiten der Frauen, sorgen noch heute für überholte und traditionelle Ansichten in der Berufswelt. Gerade die Fortschritte in der Raumfahrt werden absurderweise männlichen Erfolgen zugeschrieben.

Wenn es eine berühmte Persönlichkeit aus Film, Wissenschaft oder Kunst zur Lego-Figur bringt, dann hat die erwählte Person einen Kult-Status besonderer Art erreicht. Der Verewigung in einer Lego-Figur und damit der Einzug ins Kinderzimmer ist der Weg in eine gesellschaftliche Anerkennung, die das Wirken und die Bedeutung einer Person zum erzieherischen Faktor macht. Von da an fließen alle Eigenschaften, die das Kind mit der in der Figur steckenden Persönlichkeit verbindet, in das komplexe Netz der Assoziationen im Kopf des Kindes. Und letztendlich besteht die Möglichkeit, dass das Kind sich mit dem über die Figur dargestellten Typus Mensch identifiziert. Aber nicht mit der Plastikfigur, sondern mit einem verschwommenen Menschenbild im Kontext der komplexen Gesellschaft. Die Lego-Welt ist nicht so abstrakt wie sie zunächst wirkt. Berufe, Pflichten, Rollen und Regeln im Zusammenleben, ja das Funktionieren jedes an einer Gesellschaft beteiligten Menschen findet hier oft seine erste Darstellung. Kinder erkennen und verknüpfen viele Technologien des Alltags mit Erfahrungen aus der Lego-Welt öfter als umgekehrt.

Hier finden Berufe und bestimmte Verpflichtungen durch Form und Farbe Anerkennung, werden Technologien erklärt, sind Kinder für ein System, eine Welt verantwortlich, werden Träume ausgelebt und selbstständiges Handeln simuliert. Kinder entwickeln spielerisch eine Gefühl für die soziale Wirklichkeit, für die markanten Rollen von Mann und Frau, versetzen sich in Berufe. Umso bedeutender ist die Erkennung von Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben in den Figuren. Und zu oft gibt es hier die ungewollte und sich verselbstständigende Vorstellungen einer strikten Rollenzuteilung zwischen Mann und Frau. Die aus erzieherischer und zunehmend gesellschaftlicher Sicht stark kritisierte Sexualisierung in der Kindheit durch Spielzeuge setzt an solchen Stellen ein, die eigentlich lediglich zur Anregung der Fantasie dienen sollen. So ordnen Jungs im heranwachsenden Alter bestimmte Berufe und Verhaltensweisen einem bestimmten Geschlecht zu. Hier gibt es strikte Vorstellungen.

Die Identifikation über gesellschaftlich vorgegebene Verhaltensweisen oder Rollen und damit der Sexualität, steht in engem Bezug mit der künstlich geschaffenen Welt im Kinderzimmer. Dabei unterliegen Vorstellungen über Berufe selbst in einem fortschrittlich geglaubten Land wie Deutschland stark traditionellen Vorstellungen und eigentlich hinter unserer Zeit liegenden Gesellschaftsstrukturen. Astronaut ist ein typisch männlicher Berufswunsch oder? Berufsbilder führen uns in ein rätselhaftes Labyrinth der Gender-Debatte. Deshalb konzentriert sich der Großteil der Gleichstellungsüberlegungen und Aufstiegschancen insbesondere auf berufspolitische Debatten. Im Kinderzimmer entsteht ein gesellschaftliches und soziales Fundament, das im Verdacht steht, langfristig Einfluss auf grundlegende Sichtwesen zu nehmen. Gerade aus diesem Grund ist das was die stellvertretende Redakteurin der MIT-News Maia Weinstock durchsetzen konnte, von unschätzbarer Bedeutung. Die Nachbildung des Menschen in Lego-Figuren und die Nachahmung der Welt mit der Kinder spielen können bezeichnete Weinstock, die schon seit einigen Jahre Miniatur-LEGO-Figuren zur Ehrung bedeutender Wissenschaftler entwirft, als ein Wunder.

Mit dem Entwurf der fünf Pionierinnen der Raumfahrtgeschichte hat Weinstock einen weiteren Beitrag zur Anerkennung weiblicher Leistungen in Forschung und Entwicklung geleistet. Ein klares Signal an alle Mädchen auf der ganzen Welt also. Eine kreativer Beitrag, sich aus den festigenden traditionellen Ansichten zu befreien und über den Bereich des eignen kindlichen Umfelds hinauszuwachsen. Weinstock hat bereits anderen bekannten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wie der Primatologin Jane Goodall und dem berühmten Physiker Stephen Hawking in die Lego-Welt verholfen. Am vergangenen Dienstag gab Lego offiziell bekannt, die fünf Frauen, die mit ihren wissenschaftlichen Beiträgen in die Geschichte des US-Raumfahrtprogramms eingegangen sind, für das offizielle Lego-Set ausgewählt zu haben. “Was für ein wundervoller Weg, um die wissenschaftlichen Errungenschaften dieser fünf Pionierinnen zu feiern”, sagt Zuber, E.A. Griswold Professorin für Geophysik und die erste Frau, die eine NASA-Planetenmission leitete.

Die Figuren stellen die Informatikerin Margaret Hamilton, die für die Leitung der Software-Entwicklung in den Apollo-Missionen an der MIT zuständig war; Mae Jamison, die 1992 als erste afroamerikanische Frau im Weltraum war; Katherine Johnson, die für die physikalischen Berechnungen der Mercury- und Apollo-Programme zuständig war; Sally Ride, die erste amerikanische Frau im Weltraum und die Astronomin Nancy Grace Roman, die zu den ersten weiblichen Führungskräften bei der Nasa wurde und an der Planung des Hubble-Weltraumteleskops maßgeblich beteiligt war, dar. Weinstocks gezielte Zusammenstellung der Frauen kommuniziert die kulturelle und ethnische Vielfalt in der Wissenschaft. „Mein Wunsch war eine sehr vielfältige Gruppe von Frauen in Bezug auf ihr Wirken, ihre Felder bei der Nasa, ihre kulturellen Hintergründe und auch in Bezug auf ihr Alter“, so Weinstock.

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