Eine Studie um die Forscher Thorsten Mauritsen, vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie und Robert Pincus, von der University of Colorado, konnte die Bedeutung der verzögerten Reaktion des Erdklimas auf Emissionen zeigen. Die Studie ermöglicht die realistische Einschätzung von politisch festgesetzten Klimazielen, wie etwa dem Pariser Klimaabkommen. Demnach besteht zwar eine Chance, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, sicher sei dies jedoch nicht. Die Meere, die eine wichtige Rolle im Klimawandel spielen, hängen nach Äußerungen der Wissenschaftler der globalen Erwärmung insgesamt hinterher. Demnach könne selbst ein sofortiges Ende giftiger Ausstöße die dramatische Erwärmung und dessen Folgen nicht aufhalten. Die Meere hätten, so Mauritsen, eine längere Reaktionszeit. Ohne die Wassermassen würde die Temperatur der Atmosphäre noch schneller ansteigen. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass ein plötzlich eintretendes und umfassendes Klimaschutzprogramm nicht sofort die notwendige Wirkung zeigen würde. Diese Konstellation erzwingt eine Errechnung der vorbestimmten Erwärmung, die die Wissenschaftler mit einer einfachen Methode festlegen konnten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht. Grundlage der Studie waren Beobachtungsdaten, mit denen die Empfindlichkeit des Klimas auf das Treibhausgas CO2 berechnet wurde. Herangezogen wurden auch Treibhausgase wie Aerosolpartikel, Methan, Stickoxide und Kohlenmonoxid. Im Unterschied zu anderen Emissionen überdauere CO2 mehrere Jahrtausende, während Aerosole bereits nach einigen Tagen abgebaut werden können. Methan, Stickoxide und Kohlenmonoxid besetzen die Atmosphäre nicht länger als zehn Jahre. Da es sich um unterschiedliche Schadstoffe mit unterschiedlichen Wirkungen handelt, ist auch eine gewisse Verzerrung bei der Beobachtung der Erwärmung gegeben. So würden Aerosole das Sonnenlicht reflektieren und die durch das Treibhausgas CO2 verursachte Erwärmung kaschieren, so Mauritsen. Würde man also annehmen, dass ein plötzlicher Emissionsstopp eintritt, wäre aufgrund der fehlenden Aerosole zunächst ein Erwärmungsschub zu erwarten. Kurzlebige Treibhausgase wie Methan, Stickoxide und Kohlenmonoxid, würden eine umgekehrte Reaktion auslösen und die Erwärmung etwas mildern.

Für das Klimaszenario nahmen die Wissenschaftler an, dass alle Emissionen im Jahr 2017 gestoppt werden. Einige Jahrtausende später würde sich das Erdklima dann bei 1,5 Grad über dem Niveau des Jahres 1850 einpendeln. Seit vor Beginn der Industrialisierung hat sich die Durchschnittstemperatur schon um 0,8 Grad erwärmt. Dies einberechnet, würde die Erwärmung der Studie zufolge bis zum Ende des 21. Jahrhunderts bei 1,3 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit liegen. Ein weitere Berechnung berücksichtigt die Ozeane als CO2 -Senke, welche träge reagieren und einen Teil des Kohlendioxids aus der Atmosphäre speichern. Dadurch würde die vorbestimmte Erwärmung auf 1,1 Grad Celsius gemildert. Die Studie ergab damit eine Spanne zwischen 0,7 und 1,8 Grad Celsius. Folgt man dieser Berechnung, ist das Pariser Ziel eigentlich verfehlt. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die bislang ausgestoßenen Emissionen ausreichen, um die 1,5-Grad-Marke zu überschreiten, beträgt laut Mauritsen und Pincus 13 Prozent. Dennoch ist nicht sicher einzuschätzen, wie das Klimasystem auf die steigenden CO2 -Konzentrationen reagieren wird. Eine kleine Hoffnung gibt es also, während die derzeitige Emissionsrate weniger als dreißig Jahre Zeit lässt, um das Klimaziel wie eine Seifenblase platzen zu lassen. Denn dann hätte das Risiko, die 1,5-Grad-Celsius-Grenze zu überschreiten, 50 Prozent erreicht.

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