Im Jahr 2013 wurde die Idee eines türkischen Silicon Valley belächelt. Heute sind dort knapp 90 Technologiekonzerne tätig und stampfen eine unabhängige Technologieinfrastruktur aus dem Boden. Künstliche Intelligenz, vollautomatisierte Produktionsanlagen und modernste Waffen. Die Türkei verwandelt sich fast unbemerkt in ein Land der StartUps.

AMD, Cisco Systems, Apple, Intel, Microsoft, Tesla. Sie alle sind in der Hauptstadt der IT- und Hightechindustrie, dem Silicon Valley Zuhause. Sie alle sind global agierende Weltunternehmen, die das Zeitalter der Digitalisierung, der künstlichen Intelligenz und der neuen IT- Technologien geformt haben. Hier im Silicon Valley wurden Produkte entwickelt, die unser Leben, unsere Kommunikation und schließlich auch unsere Welt tiefgreifend verändert haben. Ob es technologische Innovationen für die Raumfahrt- und Automobilindustrie sind oder soziale Medien, die uns in unserem Alltag begleiten und uns mit der Welt vernetzen lassen. Jeder zum Produkt gewordene Gedanke aus dem Tal der Zukunft hat globalökonomische Tragweite.

Hier forschen Unternehmen ununterbrochen an der Entwicklung der künstlichen Intelligenz. Schon jetzt haben sich Unternehmensführung, Produktionsprozesse und Forschung weltweit verändert. Das Silicon Valley gilt als Technologiemonopol. Eine solch gewaltige Vernetzung und Ansammlung an technologischem Know How bedeutet Macht. Macht, die Weltwirtschaft zu kontrollieren, Konkurrenten unter Druck zu setzen und sie durch ein unerbittlichen Preiskrieg in den Ruin zu treiben. Amazon hat es bereits bewiesen. Der deutsche Einzelhandel ist dem übermächtigen Online-Versandhändler hilflos ausgeliefert. Dieses ökonomische Machtpotenzial, hat auch die türkische Regierung erkannt und investiert seit dem Jahr 2013 Milliarden in das im Südwesten der Türkei gelegene Technologiezentrum in der Stadt Gebze.

Damals hielten Wirtschaftsexperten dieses ambitionierte Vorhaben der Türkei für surreal. Für viel klang die Ankündigung eines türkischen Silicon Valley wie ein politischer Bluff. Man belächelte solche Gedankenspiele, die oft prophetisch zur Sprache gebracht wurden. Heute ist die Wahrheit eine andere. Das von den türkischen Architekten Günay Erdem und Sunay Erdem vorgeschlagene Konzepts eines türkischen Silicon Valley wächst seither unaufhörlich. Auf einem Grundstück von knapp zwei Millionen Quadratmetern haben sich inzwischen 87 Technologiekonzerne angesiedelt. Schon 2014 berichtete die Marketing- und Kommunikationsmanagerin von McKinsey, Peri Kadaster, im Forbes-Magazin über ihre Erfahrungen und ihren Eindruck, die sie während einer Beteiligung an einem StartUp-Projekt in der Türkei gemacht hatte. Nach einem Jahr Aufenthalt in Istanbul, so Kadaster, habe sie die grundlegende Veränderung der Stadt miterlebt, die von einer unglaublichen Kraft der Technologie und dem Unternehmergeist angetrieben werde. Sie bezeichnete die Türkei als StartUp Ökosystem.

An dieser Dynamik hat sich trotz Inflation und politischer Konflikte kaum etwas geändert. Wer die ambitionierte Aufrüstung türkischer Streitkräfte und die rasanten Entwicklungen in der Automobilindustrie in den Medien aufmerksam beobachtet hat, dem wird nicht entgangen sein, wie unabhängig die Türkei diese und andere Megaprojekte umgesetzt hat. Dahinter stehen junge StartUps, gefüttert mit Milliardeninvestitionen. Mit anderen Unternehmen gemeinsam, wollen sie eine Forschungs- und Entwicklungsinfrastruktur etablieren, die in der Lage ist, Innovationen entlang einer eigenen Wertschöpfungskette unabhängig zu realisieren und konkurrenzfähige Produkte auf den Markt zu bringen. Die Bedingungen stehen gut. Die Türkei verfügt über eine junge Bevölkerung. Die Z-Generation ist wissbegierig, entschlossen, gut vernetzt und in Aufbruchstimmung. Der Technologietransfer ist durch durch Digitalisierung und soziale Medien so gut wie nie zuvor. Die Demografie als wichtigster Faktor für das wachsende StartUp-Trend des Landes, bedingt den explosionsartigen Zuwachs von Talentpools an sogenannten Early-Adopters. Menschen, die ständig daran sind, die neuesten Technologien zu nutzen und wirtschaftlich zu partizipieren.

Trotz der Tatsache, dass sich viele junge Menschen durch die aktuelle Politik ausgebremst fühlen, ist der Wille, das Land in eine neue Phase der Geschichte zu führen, ungebrochen. Das Jubiläum zum hundertjährigem Bestehen der türkischen Republik ist eine produktive Phase. Als Zeichen für diese Entschlossenheit bestätigte die Türkei erst letzte Woche den erfolgreichen Testflug des 2. Prototyps von Akinci. Eine Kampfdrohne die gerade international für Aufsehen sorgt. Die technische Ausstattung des UCAV Akinci ist imposant. Mit einer Flugzeit von 24 Stunden, einem Support-Pod, verbunden mit einem nationalen Satellitenkommunikationssystem, einem Hinderniserkennungsradar und einer Multi-Munitionskonfiguration, ist es bestens für komplizierte Operationen ausgestattet. Dies macht deutlich, welchen Kurs die Türkei in Sachen Militärausrüstung nimmt. Sie will sich schrittweise vom Waffenimport verabschieden und eigene Ausrüstung bauen. Doch die Entwicklung in der Verteidigungsausrüstung ist nur einer von vielen Forschungs- und Entwicklungsoffensiven des türkischen Silicon Valley.

Der türkische Roboterbauer Robo-Automation könnte die Souveränität für die türkische Automobilindustrie bringen. Der Technologiekonzern mit einer Zweigstelle in Bremen bietet intelligente Automationslösungen in der Automobilherstellung. Dazu gehören vollautomatisierte Lackierung, Montage und Beförderung. Der Konzern befolgt in seiner Entwicklung die technologischen Anforderungen des Industrie 4.0. Oder das Unternehmen Istanbul AI. Der Konzern entwickelt KI-gestützte Branchenlösungen für die Textilindustrie.Und sie hat sich das Motto „Die Revolution der künstlichen Intelligenz beginnt“ zu Eigen gemacht. Seine Mission sieht der Konzern in der Entwicklung von Software und Technologien, die die Erwartungen der Kunden erfüllen sollen. Schon jetzt weiß ich Eines: Die Zukunft dieses Landes ist spannender als der jeder anderen. Denn sie steckt voller unerwarteter Überraschungen.

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