Amerika erlebt mit dem Amtsantritt Bidens ein neues Nationalbewusstsein und hofft auf die Abschaffung der vielen gesellschaftlichen Gefälle die Trump hinterließ und die Amerika in ein politisches Chaos gestürzt haben. Das politische Werk Trumps hat Amerika tief gespalten und zu Fragen zurückgeführt, deren demokratische Lösungen einst für den amerikanischen Traum standen. Biden hat es mit Herausforderungen zu tun, die kaum zu bewältigen scheinen. Der tiefe Staat, Rassismus und die Coronakrise. Die Demokratie steht vor einer harten Prüfung.

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„Wir haben wieder gelernt, dass Demokratie kostbar ist“, merkte Biden bei seiner Amtseinführung an. Für Anhänger der Qanon-Bewegung ist es eine andere Lehre. Eine schicksalhafte mit gewaltigen Ausmaßen. Das Postulat einer ganzen gestörten Ideologie löste sich in der siegreich verhöhnenden Gleichgültigkeit der demokratischen Gegenwart in Nichts auf. Es sind dieser Zeit düstere Tage für die wohl mächtigste Verschwörungsgemeinschaft, die die USA gesehen haben. Ein großer Teil verliert seinen einstigen Glauben an ein lang erträumtes Amerika der „Gerechten“, ein anderer wendet sich hilflos an seine Community auf Telegramm. Dort wo einst die Mitgliederzahlen zuletzt auch durch die Coronakrise explodierten, werden jetzt Fragen gestellt. Fragen, die nichts mit den lang erhofften siegreichen Übernahmen, der Befreiung und den Sieg über die Elite durch die Q-Bewegung zu tun haben.

Im Netz lässt sich die Unsicherheit der plötzlich im Nichts stehenden Q-Anhänger nicht mehr länger verbergen. “Hat jemand eine Idee, worauf wir als nächstes warten sollten oder was der nächste Schritt sein könnte?“ fragt ein Nutzer auf Telegram als Reaktion auf Bidens Amtsantritt. Solche Fragen sind es, die den Hauptantreiber von Bewegungen wie Qanon offen legen. Ständig ging es um bedeutungsschwangere Begriffe, geheimnisvolle Pläne und dramatische Vorausschauungen. Das Q lebte vom geistigen Zündstoff jener, die sich durch eine komplex verwachsene wirtschaftspolitische Globalelite bedroht fühlten. Die ewig penetrante Abstraktion komplexer politischer Zusammenhänge, die unermüdlich propagierte Böswilligkeit einer nicht klar definierten Hegemonie. All das zerplatzt in der lauten und hoffnungsvollen Ansprache des zittrigen Joe Biden.

Auf Telegramm stehen sich unter den Qanon Anhängern derweil zwei Lager gegenüber. Jener Teil der Anhänger, die bis zuletzt an einer überraschenden Kehrtwende, in Gestalt eines Staatsstreichs kurz vor der Amtseinführung Bidens hielt und jener Teil, der sich betrogen fühlt. Denn plötzlich war eine Handvoll wild gewordener Pädophiler und Kannibalen in der Regierung. Und bis zuletzt wollte man dieses Ereignis nicht geschehen wissen. Masseninhaftierungen wie sie erwartet wurden blieben aus. „Kein Q, kein Plan,“ schrieb ein weiterer Nutzer. Schon von Beginn an ließen sich viele Behauptungen der Q-Anhänger nie richtig beweisen. „Q-Anhänger haben sich gerade von einem fehlgeschlagenen Versprechen zum anderen fehlgeschlagenen Versprechen führen lassen“, fasst Jared Holt, Verschwörungsforscher beim Atlantic Council zusammen.

Das erschüttert nicht nur jene Voraussagen, die dogmatisch in die Öffentlichkeit gebrüllt wurden. Es stellt die ganze Bewegung in Frage. Dennoch lodern Flammen in der zähen amerikanischen Q-Ideologie. Laut Reuters hat sich in einer Umfrage mit mehr als 36.000 Befragten, das durch ein weiteres Qanon Telegramm-Kanal durchgeführt wurde, ergeben, dass zwar 20 % der Befragten voraussagten, dass tatsächlich nichts geschehen würde, jedoch 34% glauben, dass Trump einen Militärputsch geplant habe. Die Geschichte der Qanons beschreibt die Verbindung von kollektiven Politwahnsinn und schizophrener Wahrsagerei aus Amerikas tiefsten Verschwörungsabgründen mit digital unterstützter Gewalt. 2017 beginnt eine unter dem Namen Q bekannte Person konspirative Gedanken, bestehend aus wagen Weissagungen und Verschwörungen zu verbreiten. Eine der zentralen Behauptungen: Elitäre Gruppen aus Wirtschaftsbossen und einflussreichen Personen würden Kinder festhalten, ermorden und aus ihrem Blut eine Verjüngungsdroge gewinnen.

Was an Absurdität kaum zu überbieten ist, löst eine Welle der Vereinigung und Solidarität von Verschwörungstheoretikern aus. Man vereint sich unter dem Q mit dem Vorsatz, das politische Gefüge des Landes derart zu beeinflussen, dass sich eine neue Zeitwende des Kriegs gegen das „elitäre Böse“ beginnen lassen kann. Die Bewegung erreicht globale Anhängerschaft. Trump kämpft in dieser apokalyptischen Geschichte an vorderster Front. Dem Messias ähnlich, soll er dem satanistischen Treiben ein Ende setzen und die kapitalistische Organisation der Kriegsführer zerschlagen.

Die Öffentliche Belustigung der Q-Anhänger steht im krassen Kontrast zu ihrem bislang erheblichen Einfluss auf die politische Diskrepanz des Landes. Immer als Bagatelle wütender Kleinbürger abgetan, wuchs die Bewegung zu einer globalen Präsenz an. Ganze Q-Prominente hat die Bewegung hervorgebracht, die in den sozialen Medien nicht nur die fröhlich wachsende Gemeinde moralisch unterstützten, sondern auch Millionen an Spenden sammeln konnten. Die sozialen Netzwerke haben lange gebraucht, um das politische Ausmaß der Q-Aktivitäten zu begreifen. Der Sturm auf das Kapitol führte dann auch zur Schließung aller Konten von relevanten Q-Akteuren, vor allem auf Twitter. Mit Qanon ließ sich Amerika in eine glühende Nationalromantik reißen, die im Begriff war, die Geschichte eines ganzen Kontinents durch den entzündeten Geist politisch verwirrter Narren zu kompilieren.

Und jetzt? Eine ganze Nation steht nun vor einem historischen Trümmerhaufen, verursacht durch eine unrühmliche, gegen die Weltinteressen geführte Politik eines emotional degradierten alten Unternehmers. Soziale Gerechtigkeit, Georg Floyd, Corona, errichtete Mauern, Muslime in den USA. Es gibt viel zu tun. Die USA wollen wieder teilhaben. Am Pariser Klimaabkommen, an der WHO. Amerika hat eine erschöpfende Zeit vor sich. Die Suche nach einem neuen Beginn. Biden verkündet Frieden und Einigkeit. Doch in Portland Oregon will ein Antifa-Mob nichts mit diesem friedlich gestimmten Neuanfang zu tun haben.

„Wir wollen Biden nicht, wir wollen Rache für Polizeimorde imperialistische Kriege und faschistische Massaker. Das Hauptquartier der demokratischen Partei in Portland wurde in der Nacht von Montag auf Dienstag beschädigt. Die Polizei musste mit Tränengas und Blendgranaten gegen die aufgebrachte Menge linker Demonstranten vorgehen. Rund 200 Antifa-Anhänger bewarfen das Gebäude für Einwanderung und Zollkontrolle mit Steinen und Eiern. In Denver wurde in der Nähe des Kapitols die amerikanische Flagge durch linke Extremisten angezündet. Das neue Amerika muss noch erfunden werden. Das neue Amerika liegt noch fern von dem was wir uns wünschen.

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