Die Sprache journalistisch gemeinter Beiträge im Netz, hat bedingt durch Aktualitätsdruck und dem unter digitalen Einfluss stehenden Bildungsverhalten der Rezipienten, groteske Züge angenommen. Zeitungen passen sich stilistisch den Bedürfnissen einer von Sachlichkeit und Objektivität entgleisenden Leserschaft an. Sensation und Polemik bestimmen den Inhalt aller Beiträge. Daneben sind es Gruppen selbsternannter Besserwisser, die in der Meinungsgestaltung Erfolg verzeichnen können.

Für jemanden der der Bedeutung der wohlwollenden politischen Teilnahme in all seinen Formen mit einem selbstlosen Pflichtgefühl gegenübersteht, ist es kaum erträglich, sich in den sozialen Netzwerken häuslich zusammengebraute pseudophilosophische Sprüche anzutun. Geistig verwirrte Teilzeithistoriker und Moralisten überfluten derzeit die Startseite einer jeden Facebook-Community. Eine der schier unzähligen Phänomene die das social-networking mit sich bringt, ist der Aufschrei einer sozialen Schicht, dessen intellektueller Wirkungsbereich sonst nie über den häuslichen Bereich hinausgereicht hatte. Die Meinung zu alltäglichen politischen und gesellschaftlichen Fragen ist schnell verlinkt, die situative politische Haltung schnell eingenommen. Es polarisieren Sensationsberichte und deren eifrige Rezipienten, die geistigen Aasgeier. Konservative Traditionsromantiker begeben sich in ihrem betäubten Zustand ganz ihrem Phantasma. Und da wären noch die „Fuck the System“ Haudegen, welche in ihrem Urteil zum Staatswesen und seiner Zuständigkeitsbereiche, einen von historischen Bedingungen vollkommen losgelösten Irrsinn predigen. Meistens haben solche Haushaltspolemiker noch nie John Locke oder Kant gelesen, verstehen also die wichtigsten Schritte, welche zu unserem heutigen Verständnis von Freiheit und Demokratie geführt haben, nicht. Sie fühlen sich allen Wohlstand zum Trotz, einem bislang nicht konkret definierten Despotismus hilflos ausgeliefert. „Das System“, so die Vertreter der Asi-Dialektik, habe sich vorgenommen die Bevölkerung auszubeuten, oder gar auszurotten. Dieses wahnsinnig paranoide Abenteuer gipfelt in den schrillsten Verschwörungstheorien, dessen Vielfältigkeit sich dieser Artikel nicht annehmen möchte. Abstrakte und haltlose Formulierungen gesellschaftlicher Zustände werden von einem Tastenrambo zum anderen weitergegeben und schlussendlich ist diese Methode der beste Beweis eines ganzheitlich sittlichen und moralischen Niedergangs.

Man lese nur die Titel der bislang seriös geglaubten Zeitungen die ungefähr alle so lauten: „Als sie den Hund rettete passierte das“, oder „ Sie sagte das, dann passierte dies“, oder „Als sie ihn beleidigte, passierte das“. So haben die Online-Ausgaben der Tageszeitungen den zum guten Journalismus gehörenden Bildungsauftrag zugunsten einer hohen Traffic in den Sand gesetzt. Es hat sich ein massentaugliches Kompendium der politischen Richtungen durchgesetzt, handgefertigt von Aktionisten und Bildungsflüchtlingen, die es schnell einzusetzen wissen, wenn sie in Erklärungsnot geraten. Schade, dass die großen Zeitungen ihrer wichtigsten Rolle nicht nachkommen, bzw. sich sagen lassen wie und warum. Jemand der etwas gegen den Flüchtlingszustrom hat, sollte auch wissen, weshalb gerade die Bundesrepublik sich in dieser Sache in besonderer Weise verpflichtet fühlt. Es ist nicht nur wegen dem Grundgesetz, sondern auch wirtschaftliche und soziale Konstellationen sind wichtige Faktoren, die die Rolle Deutschlands innerhalb der EU und die aus dem Verantwortungsbereich erwachsenden Verpflichtungen ergänzen. All das steht eng verwoben mit der Geschichte dieses Landes und seinen Erfahrungen. Aber was interessiert das einen blauen AfD-Nazi der als Hetzer und Verschwörungstheoretiker alle Hände voll zu tun hat. Und dann ist da auch noch die Bange um das abendländische Erbe. Ein solch tiefschürfender Begriff wird vereinfacht hin und her geschmissen, als wäre es ein Begrüßungswort. Historiker und Philosophen wie Karl Kautzky, Karl Vorländer, Jacob Burckhardt und Egon Friedell haben ihr Leben damit verbracht, den Begriff Abendland zu deuten. Asi-Dialektiker schaffen das mit einem Newslink. Willkommen in Deutschland.

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