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Die Religion ist ein scheinbar immer aufs Neue herausforderndes Phänomen, an dem sich Wissenschaft und Kultur auf jeder erdenklichen Stufe eines gesellschaftlichen Wandels regen. Immer neue Diskussionen werden in der nie gelösten Frage nach dem höheren Sinn ausgelöst. In der europäischen Geschichte führten Religion und die Macht der Kirche zu solchen gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen, dass die Gegenüberstellung von Kirche und Staat und dessen Bedeutung für die Gesellschaft, den Großteil der europäischen Philosophie einnimmt. Nicht zu vergleichen mit dem Islam, der in der Staatsführung eine fortschrittlich- sozialpolitische Rolle erfüllte. So war die Religion auch zu Zeiten der Aufklärungsphase ein Rennen geistiger Gradwanderungen ontologischer Schaffenswerke.

Der Philosoph Augustinus hatte  zu Angelegenheiten der  Aufklärung eine deutliche Position eingenommen. Die Aufklärung ist allein Gottes Gnade, die da Licht der Erkenntnis im Dunkel der Menschenseele entzündet.

Die Frage über die Existenz eines Schöpfers ließ die Philosophie verschiedene und entscheidende Epochen durchleben. Aufstrebende Denker formten sie im Laufe der Jahrhunderte zu  beeindruckenden Denkgebäuden und mächtigen schriftlichen Werken, welche als Zeugnis und Anhaltspunkt für weitere Formulierungen dienten. Die Scholastik nahm mit der Kunst der Argumentation, der Dialektik,  immer deutlichere Definitionen an und befeuerte zugleich den zugegen stehenden Realismus. Die sogenannten ontologischen Gottesbeweise durchliefen verschiedene Prüfungsphasen. An Gott glauben, das bedeutete  für die Philosophie vor allem, dass sie Dunkelzonen in Kauf nehmen mussten. Denn das eigentliche Ziel der Philosophie bestand in der Epoche der Aufklärung darin, Gedankengänge und Schlüsse nur über handfeste sinnliche Erfahrungen zu erreichen. In den Allgemeinbegriffen sah man nichts weiter als bloße Namen.  Die extrem gesinnten Nominalisten, welche diese Sichtweise vertraten, bezeichneten den Realismus, welches eine Realität außerhalb unseres Bewusstseins anerkennt, als unbedeutenden flatus vocis, ein Lufthauch der Stimme. Der Realismus galt für sich als Parameter der erfahrbaren Realität. Die Realität der einzelnen Dinge musste sich also an seinem Anteil des Realismus messen. Oder anders ausgedrückt: Der Nominalismus wurde insofern akzeptiert, als sie Anteile an  Universalien, also der Begriffswelt des Realismus in sich trug.  Sofort wurde ein Satz formuliert, der das Allgemeine und das Vollkommene in sich trägt und es in bunter Weise zusammenfügt. Doch vor allen Dingen sollte es ein Gottesbeweis sein;

Wenn das Allgemeine umso wahrer und realer ist, je umfassender es ist, Gott aber das vollkommenste Allgemeine ist, so ist in dieser seiner Allumfassendheit seine Existenz logisch inbegriffen.

Rene Decartes formulierte einen Gottesbeweis, welches auf den Philosophen Anselm von Canterbury (1033-1109) zurückzuführen ist und erstmals einen Zusammenhang zwischen Sein und Denken herstellte und somit den lange währenden Konflikt zwischen diesen Begriffen behob.

Das einzig Gewisse ist das Denken und der bewusste Vollzug von geistigen Akten. Das Mich gibt es. Cogito ergo sum – ich denke also bin ich.

Weiterhin sieht Decartes in den Gedanken an ein vollkommenenes Wesen einen Beweis,  für eine außerhalb seines Körpers liegende Einwirkung durch einen Schöpfer,  da der Mensch nicht Vollkommen ist. Und da die Vollkommenheit des Schöpfers nicht trügen kann, ist auch die Wahrnehmung zum eigenen Körper und zur umliegenden Natur keine Illusion.

Doch wie sehr auch ontologische Gottesbeweise an den Nominalismus appellierten. Der Empirismus sah in seinem politischen Konzept wenig Platz für den Glauben, da man sich immer mehr von der Kirche distanzierte. Die säkularen Ambitionen gehörten  zur Kernaussage der Aufklärung und Wissenschaft. Auch Kant ließ nichts Gutes  an der rationalen Philosophie und gab ihr mit der Prädikatenlogik den größten philosophischen Gegenschlag.

Er widerlegt in seiner Kritik den ontologischen Gottesbeweis. Hierzu diente die Prädikatenlogik. Sie besagt, dass in einem Subjekt (Satzgegenstand) alle Eigenschaften, welche unmittelbar damit in Verbindung gebracht werden, enthalten sind. Zum Beispiel: Die Erde ist rund, sie dreht sich um die eigene Achse.  Oder ein Schimmel. Ein Schimmel ist ein weißes Pferd. Dasselbe Prinzip überträgt Kant auf den Begriff Gott. Damit bestreitet Kant die Basis des ontologischen Gottesbeweises. Im Gegensatz zu Kant setzt Leibniz im Begriff Gott, neben Vollkommenheit und Allmacht auch die Existenz voraus. Den Begriffen Realismus und Nominalismus folgten in der Geschichte der Philosophie Rationalismus und Empirismus. Immer wehrte sich der Mensch gegen Gott, weil er sein Dasein im Kontext der politischen Verhältnisse nicht mehr ertragen konnte.  Ein geistig und künstlerisch schwerwiegender Feiler  des aufstrebenden Humanismus war und ist noch die Dialektik. Sogenannte Sophisten eigneten sich noch vor Sokrates unabhängiges Wissen in den Domschulen an, welche die Klöster als Stätte des Wissens abgelöst hatten.

Doch in die Hochblüte des Islams in Cordoba kam niemand auf den Gedanken, die Macht des Wissens gegen die Religion zu verwenden. Denn unter islamischer Herrschaft entfaltete sich die Wissenschaft  in einer historisch bespiellosen Weise. Wissenschaftliche Errungenschaften und philosophische Werke kennzeichneten die Macht der islamischen Herrschaft.

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