Ob der britische Naturforscher Charles Darwin während seiner Arbeit zur Evolutionstheorie ein politisches Ziel verfolgte und zugleich die Ausmaße der Nachwirkung seiner Abhandlung, wie sie Heute vorherrschen erahnen konnte, wird sich wohl nie mit vollständiger Sicherheit sagen lassen. Dennoch ranken sich um seine Arbeit mit der belebten Natur politische Verschwörungstheorien, welche die Menschen verschiedener Religionen in unvereinbare Lager zugeteilt hat. Der Darwinismus fällt oft mit den Begriffen Kommunismus und Nationalsozialismus zusammen und diente in der jüngeren Geschichte zur ideologischen Festigung verschiedener Absichten von Machthabern und Diktatoren. Doch der Darwinismus, oder viel eher die Evolutionstheorie und seine bis in die Gegenwart reichende Wirkung, steuern in eine Richtung, die mit den Grundfesten der Wissenschaft auf Kollisionskurs steht.

Natürlich. Die Wissenschaft muss fraglos von ideologischen Antreibern unberührt bleiben. Der Glaube steht am Anfang einer transzendenten Überlegung. Und nein. Er widerspricht der Wissenschaft in keinster Weise. Ich weiß, so viele anderen sind anderer Meinung. Doch die Annahme eines zufälligen Lebens ist ebenso ein Glaube. Oder nicht? Außerhalb dieser Sphären ist es jedoch vollkommen unbedenklich, seine persönliche Haltung offen kundzutun. Das Erbe Darwins spielt in unserem heutigen alltäglichen Leben keine wirkliche Bedeutung. Und dennoch scheint es näher und politischer zu sein als es zunächst annehmen lässt. Es ist derart eng verwoben und grundlegend richtungsweisend, persönlich und essenziell wie nur die wenigsten Nachwirkungen der Weltgeschichte. Die Evolutionstheorie ist maßgeblich, anstiftend und heillos. Es hat eine ewige Frage in die Menschheit gesetzt und hält die Umwälzung der laufenden Weltgeschichte am Leben.

Darwins Theorie zur Entstehung des Lebens lässt kein Gemüt in der Verfassung der Vernunft. Auch nicht das eines Wissenschaftlers. Die Vertreter der Wissenschaft schützen das Erbe des Naturforschers in einer Weise, hinter der man fast schon ein heiliges Abkommen vermuten könnte. Als wäre der Darwinismus der einzige Pfeiler der wissenschaftlichen Idee. Man befindet sich in einem Konflikt, wie es die Geschichte in keinem Moment gesehen hat. Dabei waren es die laufenden geistigen Schusswechsel zwischen aufklärerischen Denkgrößen und den Jenen der unfassbar mächtigen Kirche, die das was wir als Humanismus bezeichnen zum Leben erwecken konnten. Konträre Ideen sind notwendig, damit sich das bestmögliche für die Menschheit ergibt. Die Empirie gilt nicht nur für den linearen Fortschritt des individuellen Denkens, sondern ebenso für die unabdingbare Reflexion, welche nur von der Kenntnisnahme entgegenstehender geistiger Gebäude existieren kann.

Heute wissen wir, dank der Geschichte der tausenden Ideen, was Wissenschaft bedeutet. Die wissenschaftlichen Methoden zur Ergründung und Beschreibung verschiedener Vorgänge und Vorkommnisse in der Natur sind in genau durchdachte methodische Schritte eingeteilt. Die Empirie ist die Maßgabe wissenschaftlichen Wirkens und Handelns. Doch diese rigide Genauigkeit überträgt sich ebenso auf verbale Attacken, wenn jemand einen Schöpfer hinter der Komplexität dieser Wunder wahrzunehmen glaubt. Sofort werden Wissenschaftler die den Bereich ihres Betätigungsfelds, zugunsten einer persönlichen Erweiterung verlassen und sich über ihre Vorstellungskraft erheben, als Pseudowissenschaftler gebranntmarkt.

Der Glaube, so das Argument der meisten Wissenschaftler, schreite nur dann ein, wenn der Mensch sich in seinen Möglichkeiten zur Erklärung des Lebens eingeschränkt sieht. Ist Religion wirklich Schwäche? Die Wissenschaft wirft der Schöpfungsidee, von außenstehenden verächtlich Kreationisten genannt, vor, uneinsichtig zu sein, in dem sie sich in ihrer Auslegung zum Ursprung des Lebens den Tatsachen entzieht. Tatsächlich nimmt man vermehrt von der Seite der Wissenschaftler eine Art arrogante und gehörlose Haltung gegenüber Menschen wahr, welche hinter der vielfältigen Natur einen Schöpfer vermuten. Und dabei möchte die Wissenschaft in keinster Weise eine tolerierbare Menge an Religiosität zulassen. Dabei geht vielen gläubigen Menschen in keinster darum in die Methodik der Wissenschaft einzugreifen oder diese gar zu leugnen. Die Spannungen zwischen Wissenschaft und Religion wie wir sie hier in Europa kennen sind jedoch überall unterschiedlich stark oder schwach. Denn sie wurde in den Heute zwei größten Weltreligionen in der Geschichte unterschiedlich aufgenommen. In der Zeit der islamischen Hochblüte war die praktizierte Wissenschaft ein wesentlicher Bestandteil der mächtigen und reichen Hochkultur der Abbasiden.

Zu erwähnen wären viele wissenschaftliche Werke und Errungenschaften zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert von islamisch- arabischen und persischen Gelehrten von der Medizin über die Physik bis hin zur Astronomie. Zu dieser Zeit war man in der Wüste mit der Philosophie wohl vertraut. Arabische Gelehrte boten zudem durch hervorragende Übersetzungen im 12. Jahrhundert den Zugang zur griechischen Philosophie für die ganze Welt. Forschung gehörte zu seiner Zeit also zum wichtigen Teil islamischer Völker. Denn sie war eine Art Befehl Gottes, seine Schöpfung zu erkunden und zu verstehen. Weshalb ist diese Betrachtungsweise so wichtig? Weil die in Europa herrschende Spannung zwischen den Begriffen Religion und Wissenschaft nicht auf den Islam übertragen werden kann. Europa war, besonders in Frankreich, Deutschland und England während der Zeit des Absolutismus der politischen Wirkungskraft der Kirche unterlegen. So war man in geistlichen Kreisen überzeugt, dass die Erde ein Fixstern ist, um den sich alle anderen Himmelskörper bewegen.

Eine solche Annahme ist im Islam dagegen völlig unmöglich, da in mehreren Suren wiederholt wird, dass sich alle Planeten in einer Ellipse bewegen, die Erde mit eingeschlossen. Die Aufklärungsphase, welche sich für die Freiheit und Gleichstellung aller Menschen aussprach, ging mit der Erhebung der Würde des Menschen einher, die den Zugang zur Bildung und die Aufhebung der gravierenden Lebensverhältnisse propagierte. Hierbei musste die Kirche der Regierungsmacht entledigt werden, um die zensurfreie Bildung aller Menschen zu ermöglichen. Seitdem wird der Bergriff der Religion in der abendländischen Kultur als Gegenpol zum aufgeklärten Geistes verstanden. Daran hat sich bis Heute wenig verändert.

Die elitären Machtgruppen in Europa, dessen Kulturen sich in einer anhaltenden Säkularisierung befanden, bauten die Idee des Humanismus nach politischen Interessen aus. Im 16. Jahrhundert, kurz bevor die Engländer die ersten Schritte des aufklärerischen Denkens gewagt hatten, suchte man nach einem Begriff, bei dessen Erwähnung ein jeder Bauer und auch Handwerker daran denken sollte, dass der Mensch, die Wissenschaft und die Kunst im Mittelpunkt stehen. Die Erfahrungen und die politischen Umstände brachten die Menschen zu der endgültigen Erkenntnis, dass der Glaube den rationalen Verstand und den Intellekt ausbremst. Sie sahen die desaströsen Umstände als Resultat religiösen und rückständigen Handelns. Man war überzeugt dass der Mensch demnach nicht erschaffen sein konnte. Es gab eine bessere Erklärung, stattdessen war er aus der“ Laune der Natur“ heraus hervorgekommen. Aus diesem Grund kommt ihm auch keine Verantwortung auf religiöser Ebene zu. Wofür auch?

Für den selbstbewussten, forschenden und denkenden Humanisten gibt es kein Buch und auch kein Gott, der den Menschen über die von ihm formulierte Wahrheit aufklärt. Natürlich ist der Humanismus am besten mit der Schilderung einer epochalen gesellschaftlichen Umwälzung zu erklären, welches nicht nur die Haltung der Menschen gegenüber der Kirche veränderte. Jedoch trifft auch die Betonung der Gottlosigkeit den Lebensstil der heutigen Menschen, welche vom Humanismus stark geprägt sind, auf die heute deutliche Ausrichtung zu. Die Auslegung und Verfestigung aller Werte. Auch Begriffe wie Gerechtigkeit, Barmherzigkeit oder Wahrheit bleiben jetzt der menschlichen Vorstellung und Auffassung und der damit verbundenen moralischen Anschauung überlassen. Je nach Macht, Reichtum, politischer Situation und Einsicht werden diese Begriffe flexibel gedeutet. Somit werden Kriege, Verfolgungen und auch Ausbeutungen gerechtfertigt. Die Zeit der Lügen und der humanistischen Arroganz hatte begonnen.

Es wird deutlich, dass diese einflussreiche Epoche, die dem heutigen Stand der wissenschaftlichen Errungenschaften in Europa vorausgeht, der Keim in jedem Ansatz des heidnischen Denkens ist. Sie umfasst ebenso die Auffassung im Hinblick auf das menschliche Miteinander in der europäischen Gemeinschaft. Der Humanismus ist vielen Atheisten daher eine solide Grundlage zur Begründung ihrer gottlosen Weltanschauung in der historischen wie auch moralischen Darlegung. Es ist so selbstverständlich, dass sie es als natürliche Eigenschaft des menschlichen Wesens sehen. Diese Tatsache lässt sich einfach umschreiben; Der große Teil der Europäer sieht im kleinsten Ansatz einer göttlichen Versinnbildlichung der Natur oder der ganzen Erde ständig die Gefahr eines“ Civitas Dei“ und lässt in seiner Lebensweise und in der Erziehung demnach eine defensive Haltung erkennen. Das ist einer der großen Gründe weshalb die Verständigung zwischen gläubigen Menschen und die der atheistisch gesinnten unmöglich erscheint.

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