Die Perzeption ist anfällig für vielerlei nicht bedachte Fehler, wenn es um das schier unerklärbare Phänomen des Wahrnehmens geht. Kant gelang mit der detailreichen Auseinandersetzung dieser an transzendentale Überlegungen grenzenden philosophischen Disziplin, die Schöpfung der modernen Philosophie. Er leistete ein mächtiges Werk, nicht minderer wie Einstein in der Physik. Durch zahlreiche Aufdeckungen von logischen Defekten ist es ihm ebenso gelungen, diese Tatsache gegen alle antagonistischen Lager der aufstrebenden Phase der Aufklärung zu demonstrieren. Jedoch konnte er wie seine gleichgesinnten Kollegen auch nicht über das allgemein Zugängliche hinausgehen, um jene Bereiche zu ergründen, welche vom menschlichen Geist nach wie vor gänzlich unberührt blieben.

Ja wir denken hinaus, überall wo wir hinwollen. Dennoch bleibt es ein, wie man es aus der Totsschlagrhetorik der empirischen Auffassung der Dinge kennt, flatus vocis, ein Lufthauch der Stimme. Es war meines Erachtens eher ein Fehler als ein Fortschritt, dass er die dem Menschen zugängliche Logik als Instrumentarium zu Fragen über die Existenz Gottes verwendete. Denn Gott, wie wir ihn in unserer Vorstellung kennen, ausgestattet mit Eigenschaften, die uns das Leben hinterfragen lassen, dürfte nicht im Bereich logischer, vor allem menschlicher Greifbarkeit sein. Aneignung bedeutet keine logische Erfassung. Ich kann sagen, dass ich mir außerirdisches Leben vorstellen kann. Eine Adaption in das logische Werk meiner Auffassung vom Leben ist jedoch nichts weiter als Spekulation.

Dies brachte so manche zum Glauben und wieder andere wendeten sich davon endgültig ab. Seit jeher ist die Sprache ist als verwobenes Konstrukt des menschlichen Ausdrucks eine sehr beliebte Möglichkeit, logische Zusammenhänge in eine verständliche Form zu gießen. Jedoch kann man die Erklärung um die Existenz von dem, welches unserer Auffassung vorenthalten ist, nicht aus der sprachliche Logik ableiten. Das Ergebnis daraus ist nüchtern und platt: Kants Kernaussage in der großen „Kritik“ ist in seiner philosophischen Pointe irreführend. Auch wenn er am Ende seiner Ausführungen doch noch durchblicken lässt, dass Gott „praktisch notwendig“ ist. Zum Beispiel stellt Kant die Frage, wie wir denn die Dinge um uns herum wahrnehmen würden, wenn wir nicht die Sinne hätten über die wir verfügen.

Dies Frage könnte ich auf alles übertragen, was mir spontan einfällt. Die Frage dient als Überleitung, als Heranführung an etwas, das wir uns kaum vorstellen können, als Verstärkung eines Erkenntnisproblems. Aber eine Form der Wahrnehmung unserer selbst und der Außenwelt hätte womöglich stattgefunden, da wir sonst über unsere Existenz nicht sprechen könnten. Darin liegt doch die Begründung des Glaubens. Wir nehmen wahr, dass wir leben. Wir wissen, dass wir als Menschen eine gemeinsame Grundlage der Wahrnehmung besitzen. Das Gras ist für alle Menschen mit gesunden Augen grün und der Himmel blau. Zucker schmeckt süß und Salz nicht. Kant´s Abhandlungen versuchen das Leben in eine menschliche Auffassungsebene zu zwingen, wiewohl es doch gesund ist und zum Menschsein gehört, vieles nicht zu verstehen.

Gott ist seiner Ansicht nach vom menschlichen Verstand abhängig. Außerdem versucht Kant die Wahrnehmungen aus einer Sicht zu verstehen, dessen Ergebnis von der Ausgangsposition abhängt, (das Ding an sich), wiewohl er sich nicht in einer solchen variierbaren Lage befindet. An diesem Punkt begegnen wir einem Widerspruch, da Kant ansonsten den Menschen als Teil der Natur betrachtet, aber den Zugang zur Natur eingeschränkt sieht. Zudem hat Kant vergessen die Frage umgekehrt zu stellen. Denn er hatte so sehr daran gezweifelt, ob die Dinge die wir sehen auch dann das wären was sie sind wenn wir andere Sinne besäßen. Weshalb verfügen wir denn überhaupt über die selben Sinne? Um nicht falsch verstanden zu werden: Wer an Gott zweifelt kann dies tun. Das ist sein Recht. Aber bitte nicht die Logik missbrauchen.

Wäre alles anders gelaufen, hätte alles Denken sehr wahrscheinlich zu der Annahme eines übergeordneten Willens geführt, die Dinge so erscheinen zu lassen, um den Menschen zu gewissen Einsichten zu bringen. Aber unterordnen wollte Kant seine Philosophie nicht. Da Kant wusste, dass die Phase der Aufklärung eine Säkularisierung propagiert, und seine Autorität als renommierter Philosoph bei einem Verdacht auf Kreationismus angezweifelt würde, schloss er seine Theorien eher den Komponenten des Atheismus an. In der Kritik der reinen Vernunft bringt er hierzu passend die Theorie des Zufalls in unser Erkenntnisvermögen ein. Und natürlich haben, wie Kant es beschrieb, Erinnerungen und von Anfang an gefestigte Annahmen erheblichen Einfluss auf unser Urteilsvermögen. Doch dies steht in keinem Zusammenhang mit der Tatsache, dass wir im Wissen über unsere eigene Existenz gemeinsame Erkenntnisse besitzen. 

Außerdem äußert er die Vermutung, auf die er ansonsten nicht weiter eingeht, dass es etwas geben muss, dass der Erscheinung aller Dinge etwas zugrunde liegen muss. Er beschreibt es als das Ding an sich, zu dem unsere Sinnlichkeit nicht durchdringen würde. Da kommt ganz ohne Umwege die Frage auf, ob es denn innerhalb des Lebens in dem wir uns befinden, so relevant ist zu wissen, wie die Dinge ohne uns wären, oder in Erscheinung treten würden. Denn substanzielle Dinge leben doch nicht erst durch die Empfänglichkeit unserer Sinne. Er widerlegt in seiner Kritik den ontologischen Gottesbeweis. Hierzu dient die Prädikatenlogig. Sie besagt, dass in einem Subjekt (Satzgegenstand) alle Eigenschaften, welche unmittelbar damit in Verbindung gebracht werden, enthalten sind. Zum Beispiel: Die Erde ist rund, sie dreht sich um die eigene Achse. Oder ein Schimmel. Ein Schimmel ist ein weißes Pferd. Das selbe Prinzip überträgt Kant auf den Begriff Gott.

Damit bestreitet Kant die Basis des ontologischen Gottesbeweises. Im Gegensatz zu Kant setzt Leibniz im Begriff Gott, neben Vollkommenheit und Allmacht auch die Existenz voraus. Denn ohne Existenz könnte Gott nicht herrschen. Doch gerade die Gleichsetzung der Begriffe mit dem Wort Existenz bestritt Kant. Denn nach den Regeln der Logik ist Existenz kein Prädikat. Es enthält keine subjektiven Elemente. Mit solchen Koppelungen des Glaubens an die Logik nahm der heidnische Geist der humanistischen Strömung seinen Auftrieb. Zumal die Kirche durch enorme Einschränkungen der Freiheit und die Ablasszahlungen immerhin schon viel Zorn auf sich gezogen hatte und die säkulare Atmosphäre jedes Argument gegen den Glauben begrüßte. Glauben oder Unglauben. Die Philosophie nährte sich von den höheren Fragen, die symptomatisch für den Zeitgeist eines sich verändernden Menschenbilds waren. Man wollte fliehen, verändern und alle Vernunft umwerfen, um zu etwas zu gelangen, das man nicht konkret interpretieren konnte. Es war irgendetwas mit Freiheit und Gleichheit.

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