Todenhöfer´s “Gerechtigkeitspartei” ist jung, dynamisch, angriffslustig und bereit die politische Landschaft Deutschlands auf den Kopf zu stellen. Seine Gegner und Kritiker nehmen ihn nicht ernst. Oder so sehr, dass sie sich in ein Wettbewerb der politischen Negation stürzen. Dabei bietet die Partei alles, was es für eine zeitgemäße und dem Sinn der pluralistischen Idee entsprechende Partei braucht. Eine Analyse.

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In der Unternehmensführung ist die Vision eine große Angelegenheit und tragende Kraft aller wachstumsorientierten Bestrebungen. Sie soll motivieren, zu Initiativen und Innovationen führen. Es sind Ideale und Ziele einer herausragenden Positionierung, die das Unternehmen in der großen Vision sieht. Oft ist es sogar mehr als das. Man versucht schon beinahe das kulturelle Verständnis eines bestimmten Lebensbereichs mitzuprägen. Stichwort Trendsetting. Und zwar so, dass der Gedanke zum Unternehmen nicht mehr fern liegt. Etwa wie es Nokia mit dem Verständnis zur Mobilität getan hat oder eben die Digitalität, der wir unser heutiges rasantes Leben zu verdanken haben. Und ja, auch jedes Individuum wird von Visionen getrieben. Oft werden sie nie erreicht. Aber sie geben uns den Sinn den wir brauchen, um so zu wirken wie wir es für richtig halten.

Team Todenhöfer bei einer Kundgebung am Münchner Odeonsplatz Credits: Team Todenhöfer

Die Vision lässt uns glauben und hoffen. Sie steht an der Spitze eines ausgefeilten Strategieplans. Die Vision verspricht uns etwas, von dem wir nicht wissen ob es eintritt. Die Vision oder Visionen des Jürgen Todenhöfer sind solche, die stark von den Eindrücken seines Lebens geprägt sind. Und jenseits der eher zur Belustigung neigenden Medienresonanz, stehen einige Fakten aus seinem Leben, die sich trotz großer Ambitionen seiner stoischen Gegner nicht einfach hinter die Bühne des journalistischen Marionettentheaters der vermeintlich Wohlwollenden drängen lassen. Der publizistische Umgang mit Todenhöfers politischer Offensive zeigt offensichtlich, was man von jenen Werten hält, die man in der täglichen Politik geradezu gebetsmühlenartig zu vertreten vorgibt.

Dagegen hat sich Todenhöfer immerhin getraut, was nur die Wenigsten wagen. In den gefährlichsten Krisengebieten hat er Gespräche mit Zivilisten und Aufständischen geführt, die politische Lage aus nächster Nähe betrachtet. In Syrien bereits elf mal. 2014 der Report über den IS-Terror. Wenn wir also von Investigativjournalismus oder praktizierten Bemühungen zum Völkerfrieden sprechen, leben wir in einem irrsinnig fingierten Phantasma, wenn wir Todenhöfers Beiträge ausblenden. Todenhöfers Äußerungen bezüglich der fehlenden politischen Erfahrung bei den meisten im Bundestag sitzenden sogenannten „Berufspolitikern“, bekommt im Vordergrund dieser Fakten eine ganz einleuchtende Bedeutung. Selbstdarsteller hin oder her. Was Todenhöfer macht, sorgt für unsicheres und angriffslustiges Gebaren in der sonst so eintönigen und stets brav im Chor singenden Politik.

Es sind Themen die das Land geradezu in eine historische Spaltung treiben. Wer kann heute noch über die Flüchtlingspolitik sprechen, ohne sich vorher gründlich zu überlegen, aus welchem Teil der Stellungnahme sich eine falsche Message verselbstständigt und als Schneeball einer radikalen Polemik durch das Land rollt. Oder ganz aktuell der Nahost-Konflikt. Alle die das völkerrechtliche Vergehen Israels kritisieren laufen Gefahr, als Drahtzieher eines eingeschworenen Sakrilegs in europäische Ungnade zu verfallen. Inzwischen hat sich in vielen Großstätten Deutschlands gezeigt, was Konflikte in mehreren tausend Kilometern Entfernung in Deutschland anrichten können. Auch hier gibt es in Todenhöfers Partei eine sich außerhalb des Meinungskorridors bewegende politische Haltung.

Credits: Team Todenhöfer

Aber der Blick muss nicht so weit hinaus schweifen, um zu sehen, warum die junge Partei, vorwiegend aus Mitgliedern mit Migrationshintergrund und weiblichen Mitgliedern, tatsächlich eine politische Trendwende bringen könnte. Das Parteiprogramm enthält Themen, die aus dem Feierabendgespräch zweier mittelständischer Bürger entnommen sein könnten. Der gierige Staat, die Kirchensteuer, der Politiker der keinen Bezug zur Lebenswirklichkeit hat, Verschuldung und natürlich die immer aufflammende Kritik an der Migrationspolitik. Gerade deshalb, weil sich die Sprache des Parteiprogramms nicht in einer kunstvollen Entfaltung verliert, erscheint es vielen Kritikern als geradezu plump und unerreichbar. Aber die Haltung der Partei sucht vergeblich nach seinesgleichen.

Sie zeigt bislang zumindest keine Angst sich der „Drecksarbeit“ anzunehmen, mit der sich Abgeordnete des Bundestags lediglich geschmückt und parteipolitische Ästhetik betrieben haben. Und ja: Todenhöfer war bekannt als strenger Antikommunist. Und ja: Auch besuchte er den chilenischen Diktator Augusto Pinochet. Und ja: er war glühender Transatlantiker und CDU Mitglied. Hat man sich so sehr auch um die Vergangenheit anderer Politiker interessiert? Eine Nation, die selbst die Rehabilitation eines bekennenden Nazipropagandisten wie Henri Nannen zulässt und sich nicht daran stört, dass ein Exnazi dieser Größe nahtlos zur Redaktionsleitung von Stern wechselt, ist plötzlich nicht in der Lage, einem humanistisch geprägten Todenhöfer die politische Bühne zuzutrauen, nur weil es einige kleinere, sagen wir mal unglückliche Momente in seinem Leben gab. Todenhöfer würde seine Positionen bis an die Grenzen der Besessenheit vertreten heißt es unter den prominenten Schreiberlingen. Tun das andere Politiker nicht? Ich möchte nur verstehen, woran sich diese Menschen wirklich stören.

Sein Buch „Die große Heuchelei“ empfinden viele als Wutentladung gegen den Westen. Nur kurz und ohne prophetische Formulierung: Der Westen hat durch seine Ölpolitik und die daran angeschlossenen Überfälle in den Nahost-Gebieten (und das schon seit hunderten Jahren) so viele Menschen getötet, dass sich die Zahlen der Getöteten und Gefolterten nicht mehr festlegen lassen. Ganz Europa und sein noch so schönes Erbe thront auf dem Blut ganzer Völker. Also ist die sogenannte Wut Todenhöfers bezüglich der Heuchelei vermutlich nur die einzige Ausdrucksmöglichkeit für diese schandhafte Geschichte. Auch in neuerer Zeit. Sich an abwegigen Themen zu reiben, das ist ein Handwerk, ohne dessen Beherrschung man wohl sonst nie zu Wort kommen würde. Zumindest nicht ohne dafür torpediert zu werden. Aber zurück zu Heute. Wir dürfen gespannt sein, was Team Todenhöfer unter einem „Neuen Deutschland“ versteht. Denn das ist schon längst überfällig. Und Visionen haben und mögen wir alle. Oder?

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