Die neue Variante von SARS-CoV-2, das zunächst unter der umständlichen Bezeichnung B.1.1.529 in die alltäglichen Corona-Meldungen gelangte, sorgt mit ihrer ungewöhnlich hohen Zahl an Mutationen für wachsende Sorge unter Fachleuten. Omikron, wie die offizielle Bezeichnung jetzt lautet, wird für den explosionsartigen Anstieg von Infektionen in Südafrika verantwortlich gemacht. Wissenschaftler sind jedoch unschlüssig, ob die neue Variante wirklich gefährlicher ist.

In Südafrika, ist die Zahl der landesweiten täglichen Infektionsfälle von 274 am 11. November nach nur 14 Tagen auf 1000 gestiegen. 80 Prozent der Fälle ereigneten sich dabei in der Provinz Gauteng. 77 Fälle die zwischen dem 12. und 20. November in der Provinz sequenziert wurden, wurden als durch die Variante verursacht identifiziert.

Die absoluten Zahlen sind jedoch trotz der rapiden Wachstumsrate im Vergleich zu Großbritannien, in dem am 26. November 50.000 Fälle verzeichnet wurden, immer noch relativ niedrig. Die Variante Omikron wurde anhand von Proben erstmals am 23. November nachgewiesen. Diese wurden zwischen dem 14. und 16. November entnommen. Bereits am 25. November wurde Omikron durch die britische Health Security Agency (HSA) als untersuchte Variante bestätigt. Infolge der offiziellen Einordnung der neuen Variante traten Reisebeschränkungen ein, die den Infektionsverkehr aus Südafrika, Botswana, Lesotho, Eswatini, Simbabwe und Namibia nach Großbritannien unterbinden sollten.

Zunächst hatte die WHO die neue Variante B.1.1.529 als überwachte Variante gelistet, aber die Technical Advisory Group on SARS-CoV-2 Virus Evolution der Gesundheitsorganisation, stufte die Gefahr der Variante auf „besorgniserregend„ hoch. So habe die Variante eine sehr ungewöhnliche Mutationskonstellation, so Sharon Peacock von der University of Cambridge. Es gäbe mehr als 30 Mutationen im Spike-Protein, dem Teil des Virus, der mit menschlichen Zellen interagiert. Andere Mutationen könnten dem Virus helfen, unser Immunsystem zu umgehen, es übertragbarer und weniger behandelbar machen, so die HSA. Bewiesen ist dies noch nicht. Die Deutungen um die Gefahr der neuen Variante basieren mehr auf Erfahrungen mit früheren Mutationen von SARS-CoV-2 als auf Labortests. „Wir wissen nicht wirklich“, ob dies die Wirksamkeit von Impfstoffen verringert, so Wendy Barclay vom Imperial College London.

Sie fügt dennoch hinzu, dass die Veränderungen der Anzahl an den Antigenstellen auf dem Spike der Variante nicht bedeutungslos seien. Sehr wahrscheinlich werde die Wirksamkeit der von Covid-19-Impfstoffen produzierten Antikörper beeinträchtigt. Mutationen an einem Teil des Virus, der als Furin-Spaltungsstelle bekannt ist, ähneln denen der Alpha- und Delta-Varianten, was dazu beitragen könnte, dass sich die Variante leichter ausbreitet. Barclay hält es für „ biologisch sehr plausibel“, dass B.1.1.529 eine größere Übertragbarkeit hat als Delta. Die neuen Mutationen bedeuten zwar, dass die Variante wahrscheinlich resistenter gegen Antikörperbehandlungen ist, aber bisher gibt es nach Barclay wohl keine Anzeichen dafür, dass die Variante eine schwere Erkrankung verursacht. Die Genomsequenzierung hat die Variante in Südafrika, Botswana und Hongkong gefunden. Es gibt auch gemeldete Fälle in Israel, die offenbar von einem Reisenden aus Malawi stammen, und in Belgien von jemandem, der aus Ägypten angereist war.

Noch ist nicht klar ob die Variante viel übertragbarer ist als die Delta-Variante. Die Beta-Variante zum Beispiel hat sich in Großbritannien nicht durchgesetzt, während die Alpha-Variante in Europa grassierte. Tulio de Oliveira von der Universität Stellenbosch, Südafrika, erwähnte kürzlich, dass die volle Bedeutung der Mutationen der Variante „unsicher bleibt“. Peacock fügt hinzu: „ Es ist wichtig zu betonen, wie sehr wir diese neue Variante noch nicht kennen.“

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