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Forscher weisen Immunevasion bei Omikron-Variante nach

Eine Forschergruppe der Columbia University konnte in einer aktuellen Studie in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der University of Hong Kong nachweisen, dass die Omikron-Variante den durch Impfstoffe und natürliche Infektionen verliehenen Immunschutz umgehen kann. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass bereits vorher Infizierte und vollständig geimpfte Personen dem gleichen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Grund dafür ist eine Omikron-Immunevasion, bei der die Erkennung der Pathogenität durch das Immunsystem mittels Mutationen umgangen wird.

In der neuen Studie testeten die Forscher die Fähigkeiten der durch die Impfung erzeugten Antikörper, die Omikron-Variante in Labortests zu neutralisieren. In den Tests wurde die Omikron-Variante mittels im Labor entwickelter Pseudoviren nachgeahmt.

Antikörper von Personen, die mit einem der vier am häufigsten verwendeten Impfstoffe – Moderna, Pfizer, AstraZeneca, Johnson & Johnson – doppelt geimpft wurden, waren bei der Neutralisierung der Omikron-Variante im Vergleich zum angestammten Virus deutlich weniger wirksam. Antikörper von zuvor infizierten Personen neutralisierten Omikron noch weniger. Die Forschungsergebnisse wurden vom Direktor des Aaron Diamond AIDS Research Center David Ho und Professorin für Medizin am Vagelos College of Physicians and Surgeons der Columbia University Helen Wu im Preprint-Server bioRxiv veröffentlicht.

Die Wissenschaftler äußerten die Notwendigkeit eines neuen Impfstoffs. Die Studienergebnisse sind jedoch noch nicht von weiteren Experten bestätigt worden. Der Studie nach zeige die Omikron-Variante eine alarmierende Anzahl an Mutationen im Spike-Protein, die dafür verantwortlich werden könnte, die Wirksamkeit aktueller Impfstoffe zu gefährden. Zwar seien Personen, die eine Auffrischimpfung mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe erhalten haben wahrscheinlich besser geschützt, doch selbst die Antikörper dieser Personen wiesen eine verminderte neutralisierende Aktivität gegen Omikron auf.

Das bedeutet: Infizierte und vollständig Geimpfte sind vermutlich dem fast gleichen Infektionsrisiko mit der Omikron-Variante ausgesetzt.

„Die neuen Ergebnisse deuten darauf hin, dass bereits infizierte und vollständig geimpfte Personen einem Risiko für eine Infektion mit der Omicron-Variante ausgesetzt sind“, sagte Ho. Selbst eine dritte Auffrischimpfung schütze möglicherweise nicht ausreichend vor einer Omikron-Infektion, aber es sei natürlich ratsam, eine zu bekommen, da man immer noch von einer gewissen Immunität profitiere.

Die meisten monoklonalen Antikörper seien nicht in der Lage, Omikron zu neutralisieren

Monoklonale Antikörper könnten bei frühzeitiger Verabreichung im Verlauf der Infektion viele Menschen daran hindern, einen schweren Krankheitsverlauf zu entwickeln, so die Erkenntnisse der Forscher. Die neue Studie lege jedoch nahe, dass alle derzeit verwendeten und die meisten in der Entwicklung befindlichen Therapien gegen Omikron viel weniger wirksam sind. Wenn sie überhaupt wirken.

Was sind monoklonale Antikörper?

Therapiemöglichkeiten mit monoklonalen Antikörpern (MAK) sind neu . Diese sind biotechnologisch nachgebildete Proteine des Immunsystems, um an bestimmte Oberflächenstrukturen des Coronavirus anzudocken. Der Eintritt der SARS-CoV-2-Viren wird verhindert, in dem die künstlichen Antikörper Strukturen auf dem Coronavirus binden oder Rezeptoren auf menschlichen Zellen blockieren. Dabei können MAK-haltige Arzneimittel auch Kombinationen von mehreren monoklonalen Antikörpern enthalten.

Lediglich in einer einzigen Neutralisationsstudie mit monoklonalen Antikörpern zeigte sich den Columbia-Forschern nach eine bemerkenswerte Aktivität gegen die Omikron-Variante. Und diese wurde in China mit Brii-Antikörpern durchgeführt. Erst kürzlich gab die chinesische Arzneimittelbehörde bekannt, dass der Einsatz des neutralisierenden Antikörpercocktails genehmigt wird. Auf der Grundlage der endgültigen Ergebnisse einer klinischen Phase-III-Studie zeigte die Kombination von BRII-196/BRII-198 eine 80-prozentige Reduzierung der Krankenhausaufenthalte und der Todesfälle bei nicht ins Krankenhaus eingelieferten COVID-19-Patienten mit hohem Risiko, eine schwere Erkrankung zu entwickeln.

In der Columbia-Studie identifizierte Hos Labor auch vier neue Spike-Mutationen in Omicron, die dem Virus helfen, Antikörper zu umgehen. Diese Informationen sollten in die Entwicklung neuer Ansätze zur Bekämpfung der neuen Variante einfließen.

Empfehlung der Forscher

Ho schlägt vor, dass Wissenschaftler Impfstoffe und Behandlungen entwickeln müssen, die die Entwicklung des Virus besser vorhersehen können. Der Forscher äußerte die Befürchtung, dass SARS-CoV-2 vermutlich nur noch einige Mutationen vor der vollständigen Resistenz stehe. Entweder gegen die als Therapien verwendeten monoklonalen Antikörper oder die Antikörper, die durch Impfung oder Infektion mit früheren Varianten erzeugt wurden.

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